Regan: Defending Animal Rights

Tom Regan
Tom Regan

Für die Zugfahrt zur Arbeit hatte ich mir ordentlich was vorgenommen. Regans ‚Defending Animal Rights‚ ist eigentlich nur eine Essay-Sammlung, die aber nach den ersten sechzig Seiten dankenswerterweise doch gut aufeinander abgestimmt sind. Ich will gar nicht in die Details gehen. Aber es wird doch spannend, da Regan eine klare Stellung einnimmt.

Er unterscheidet drei Positionen, wie man zum Tierrecht stehen kann: Abolitionisten, Reformer und Befürworter des status quo. Er rechnet sich zu den Abolitionisten, einem Terminus, der im Deutschen nicht ganz so geläufig ist. In den USA hingegen ist er von Bedeutung, da die Sklavenbefreiung unter diesem Begriff eingefordert wurde. Die Konnotation in Regans Ansatz zu den Tierrechten ist alles andere als zufällig. Weiterlesen

Dies ist eine Drohung

Den halben Tag habe ich mit der Literaturrecherche verbracht. Denn tatsächlich kann ich die Tierethik in der Uni einbringen, weswegen ich mich nun darauf stürzen musste. Daher werde ich im egomanischen Lesezirkel noch egomanischer, indem ich dann doch etwas tiefer in die Materie einsteige.

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Steve Sapontzis: Die Anwendung des Begriffs der Rechte auf Tiere

Puh, da habe ich Glück gehabt. Ich hatte nämlich eigentlich gar keine Muse mehr, mich auch noch einmal mit den Tierrechten zu befassen. Doch mein Kalender mahnte an, dies zu tun. Jetzt ist das Problem aber gar nicht so groß. Der Artikel von Sapontzis ist nicht schlecht, aber er gibt nach dem bisherigen Stand, so wie ich ihn hier nachgezeichnet habe, nicht viel her, was neu ist.

Letztlich fasst Sapontzis nur noch einmal zusammen, dass die Kritik an der Forderung nach Rechten für Tiere zwar durchaus mit Recht formal kritisiert werden könne. Dies sei aber nur Wortklauberei, da Tierrechtler nicht Menschenrechte für Tiere forderten, sondern lediglich ein rechtlich anerkanntes Institut, welches Tieren einen stabilen Rang gewährt. Dies können man nach Sapontzis genauso gut auch als Recht bezeichnen und sollte sich nicht an der bisherigen Definition dieses Begriffs aufhängen. Tierrechtler wollten Tiere nicht mit Menschen gleichsetzen, aber mit Mitteln, die schon für beispielsweise Säuglinge in Betracht kamen, auch Tieren und ihren Interessen Anerkennung zu verleihen. Er schreibt treffend (S. 76f.):

Ein Recht ist ein anerkannter oder ein begründeter Anspruch, der dazu bestimmt ist, die Interessen des Rechtsträgers zu schützen oder zu befördern; ein moralisches Recht ist eines, das sich auf ‚die Prinzipien eines aufgeklärten Gewissens‘ gründet, um Joel Feinbergs Formulierung zu borgen; moralische Rechte sind so verschiedenartig, dass Wesen wie Kinder und Tiere, die nicht fähig sind, sie alle zu genießen, zumindest einige von ihnen genießen können.

Knapp. Einfach. Griffig. Und in meinen Augen einfach gut. Nur war ich persönlich schon nach Lektüre der vorangegangenen Ausführungen an dem Punkt angelangt, den Sapontzis hier deutlich macht.

Literatur:

  • Sapontzis, Steve F.: Die Anwendung des Begriffs der Rechte auf Tiere, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008, S. 73-77.

 

Gotthart M. Teutsch: Die ‚Würde der Kreatur‘

Okay, also doch noch zu einem theologischen Ansatz. Ich hatte gerade Lust darauf. Dann lege ich halt einfach mal los.

Die Würde der Kreatur beruht auf ihrem Eigenwert, […]. In theologischer Perspektive gründet dieser Eigenwert darin, daß jedes Lebewesen und letztlich alles in der Natur Geschöpf Gottes ist und seiner Liebe teilhaftig wird. (S.56)

Teutsch schildert zunächst, dass der Würdebegriff unter Philosophen selten herangezogen wird, wenn es um Tiere geht. ‚Würde‘ war demnach stets exklusiv menschliche Eigenschaft. ‚Würde‘ dann synonymer Begriff zur ‚Menschenwürde‘. Die Menschenwürde sei dort mit der Vernunftbegabung des Menschen begründet.

Teutsch weist auf eine Zweischneidigkeit des Würdebegriffs hin: Der Mensch ist sicherlich auch moralisches Subjekt, damit dann auch moralischer Akteur, zugleich ist der Mensch in der Gemeinschaft eben auch moralisches Objekt. Als moralisches Subjekt mag der Mensch unter den Lebewesen einzigartig sein, moralisches Objekt muss er nicht alleine sein. Und ist er nach Teutschs Ansicht auch nicht.

Auf der gleichen Basis des Wertempfindens läßt sich auch für die Anerkennung einer kreatürlichen Würde plädieren, die den außermenschlichen Bereich mit einschließt. Auch hier haben wir es mit Lebewesen  zu tun, die mit uns eine Gemeinschaft bilden, z. B. eine Nutzungsgemeinschaft (wie in der Landwirtschaft) oder gar eine Lebensgemeinschaft (wie in der Heimtierhaltung). (S. 58)

Dies ist dann eigentlich schon die argumentative Leitlinie Teutschs. Er gibt lediglich noch zwei weitere Erkenntnisse zu bedenken: Erstens die Tatsache des menschlichen Rückgriffs auf natürliche Vorleistungen und zweitens den Umstand der menschlichen Abstammung aus der Natur. Beide könnten ergänzend begründen, warum der Mensch gegenüber der Natur und besonders den anderen Lebewesen Rücksicht walten lassen sollte.

 

Ich tue mich ja immer schwer mit theologischen Begründungen. Es liegt noch nicht einmal daran, dass sie von Beginn an unlogisch auf mich wirken. Vielmehr ist es wohl das Gefühl, dass sie eine Sicherheit vorgeben, die dann doch nicht besteht – die Probleme sind nur in einen anderen Bereich verschoben.

Bei Teutsch ist das prinzipiell ähnlich. Wenn man seine Voraussetzung einer göttlich erschaffenen Welt akzeptiert, bleiben kaum noch große Lücken offen, um den Tieren, so wie Teutsch es hier macht, einen Eigenwert zuzugestehen, der es erschwert oder gar verhindert, diesen Leid zuzufügen. Klar, man könnte schon ansetzen, dass religiöse Schöpfungsgeschichten und deren Auslegung auch stets wieder in sich widersprüchlich sein können. Beispielsweise, ich bin kein Bibelkenner, war da doch was mit dem Untertan machen der Welt. Das könnte man ins Spiel bringen. Und siehe da, schon ist die herrliche Simplizität potenziell flöten.

Aber darum geht es mir nicht, also nicht um kleinliche Einwände und Nachweise von Inkonsistenzen. Die gibt es überall. Was mich an theologischen Ansätzen oftmals abschreckt ist, wie oben angedeutet, dass sie ihr Konfliktpotenzial nur auslagern. Das heißt dann Apologetik und ist genau das, was oben in dem Wörtchen ‚wenn‘ enthalten ist. Ja, wenn man die Schöpfung so annimmt, dann ist es einfach. Warum man diese aber annehmen sollte, das ist wieder eine ganz andere Sache. Für mich sind theologische Ansätze damit nur scheinbar simpel. Mich stört auch nicht, dass beide Seiten, also in diesem Fall theologische wie nicht-theologische Ansätze, eine Sprengkraft – ein inhaltliches Problem oder sogar moralisches Dilemma – beinhalten.

Aber: Während die eine Partei, aus meiner Sicht die nicht-theologische, sich müht, alles zu tun, um diese Sprengkraft darzustellen und sie zu entschärfen, weist die andere auf die vermeintlich risikolose Einfachheit bei ihr hin. Schließlich sei bei dieser, der theologischen Seite, gar keine Gefahr zu erkennen – bis ich auf die Mine laufe oder merken muss, dass irgendwo im Dickicht um mich herum jemand mit einem Fernzünder auf mich wartet. Sprengstoff entschärft man oder gibt zumindest zu erkennen, dass man mit ihm arbeitet und hofft, ihn irgendwann entschärfen zu können, während man bis dahin Warnschilder aufstellt und sonstige Vorkehrungen trifft. Nicht aber indem man tut, als gäbe es keinerlei Gefahr. Das ist es, was mich an theologischen Ansätzen prinzipiell und auch in diesem Fall stört. Er ist so einfach, dass er mir suspekt sein muss.

 

Literatur:

  • Teutsch, Gotthart M.: Die ‚Würde der Kreatur‘, in: Texte zur Tierethik hrsg. von Ursula Wolf, Stuttgart 2008, S. 56-60.

Tiere haben sich zum Fressen gern – Suicide Food

Meine Position zur Tierethik ist ja durchaus komplex und ich will derzeit auch noch nicht schlussendlich Stellung beziehen. Wenn aber aus Werbezwecken und nur zum Marketing von Fleisch auf einen sehr zweifelhaften Trick zurückgegriffen wird, dann bin ich, ehrlich gesagt, schon ein wenig angewidert von der einfältigen Vermarktung. ‚Easing omnivor guilt‘, wie Lisa Wade schrieb, trifft es dann noch nicht einmal auf den Kopf, wenn es darum geht, mit einfachen Mitteln den Konsumenten auch noch einzureden, der Genuss von Fleisch sei nicht nur unproblematisch, sondern auch eine Wohltat für die Tiere selbst.

Dokumentiert werden die krudesten Beispiele für offenkundig dämliches Marketing in Sachen Fleischverzehr vom englischsprachigen Blog ‚Suicide Food‚. Die Macher beschreiben ihre Seite so:

What is Suicide Food? Suicide Food is any depiction of animals that act as though they wish to be consumed. Suicide Food actively participates in or celebrates its own demise. Suicide Food identifies with the oppressor. Suicide Food is a bellwether of our decadent society. Suicide Food says, “Hey! Come on! Eating meat is without any ethical ramifications! See, Mr. Greenjeans? The animals aren’t complaining! So what’s your problem?” Suicide Food is not funny.

Durchaus mal einen Blick wert. Manches ist so dämlich, man muss einfach lachen.

Egomanischer Lesezirkel: Tierrechte

Nach den arbeitsreichen und hektischen Zeiten, die hinter mir liegen, will ich einen schon lange gehegten Plan umsetzen: Meinen Ein-Mann-Lesezirkel zu einem Thema meiner Wahl. So bescheiden kann ich sein. Die Zeit nehme ich mir jetzt einfach.

Für viele Menschen muss es bei solch einem Vorhaben nicht gerade der harte Stoff sein, ich für meinen Teil möchte mich aber ein wenig fordern. Deshalb führe ich mir einen ausgewählten Bereich der politischen Theorie oder der Sozialphilosophie zu Gemüte. Dabei will ich nicht bestehendes Wissen vertiefen, sondern besonders neue Ansichten in mir fremden Themenbereichen gewinnen. Horizonterweiterung im eigentlichen Sinne also. Dazu werde ich mir einige als Standardwerke empfundene Texte vornehmen und ebenso die bedeutendsten kritischen Ansätze beobachten. So weit der Plan. mehr…