Inhärenter Unwert

Wenn ich viele der Kommentare höre zu dem tödlichen Burggraben Europas, dann wünsche ich mir selektive Gehörlosigkeit. Bis zur Fassungslosigkeit braucht es bei mir einiges: Es fängt mit Unverständnis an, geht über Entrüstung, Abscheu, Wut, Trauer, brutale Wut, Verzweiflung, Galgenhumor, Guillotinenhumor bis Waterboardinghumor hin zur Fassungslosigkeit. Wer diese erreicht, muss also einige Stationen nehmen. Und doch schaffen es viele der Zeitgenossen mit anscheinend spielender Leichtigkeit, alle Hürden zu überwinden, um mich mental mit ihrer gutbürgerlichen Menschenverachtung zu verletzen.

Mir hilft nur eines, um wieder Fassung zu erlangen, um mir vor Augen zu führen, woher diese Menschenverachtung kommt. Aus der Angst. Es ist die Angst der Besitzstandswahrer, die alles erreichte selbst erlangt, aber sämtliche Fehler nicht zu verantworten haben. Diejenigen, die Angst um ihr Hab und Gut haben, zu dem auch ihre Kinder gehören. Es sind die Lebensoptimierer, die das Leben aus Angst vor dem eigenen Untergang nicht leben, sondern verwalten wollen. Diese karrierebetrunkenen Ich-Kommunitaristen mit ihren hübschen Sparkonten, Aktienpaketen und Lebensversicherungen.

Woher kommt dieser Angstaffekt, der gleichgültig macht vor den Toten, den der Wohlstand produziert? Aus der inneren Furcht, dass Armut, Leid und Hunger ansteckend sein könnten. Sie beängstigt die Vorstellung, fremde Menschen könnten die Wertlosigkeit, die sie offenkundig haben, auf sie übertragen. Und so irrational viele dieser Ängste sein mögen, in dem Punkt haben sie recht: Mein, dein, unser, euer aller Leben ist genauso wenig wert, wie die der Menschen, die durch aktive oder passive Gleichgültigkeit sterben. Wenn die Besitzstandswahrer dann doch nur begreifen würden, dass ihr Wert nur steigt, wenn wir den der anderen Menschen anerkennen und steigern. Es ist unmöglich, Menschen abzuwerten, ohne sich dasselbe anzutun.

Kleine Medienkritik zum Germanwings-Absturz: Fünf Ärzte sind nicht erstaunlich viel

Irritiert bin ich. Am liebsten hätte ich nichts zu dem verheerenden Absturz der Germanwings-Maschine geschrieben. Und wenn schon, dann etwas sehr langes. Aber eigentlich teile ich die Haltung, die Robert M. Sapolsky in der Los Angeles Times dazu eingenommen hat. Was mich jetzt nun doch einige kurze Sätze zu schreiben zwingt, ist ein weiteres kleines Detail in der Schnappatmung der Medienberichterstattung zu diesem Ereignis.

Aufmerksam wurde ich durch einige Absätze zu der vermeintlichen Schar an Ärzten, die der Kopilot besucht haben soll, bevor er nach jetzigem Stand der Ermittlungen die Maschine bewusst zum Absturz brachte. Letztlich ist der kleine Artikel im Independent erstaunt, von fünf Ärzten zu hören, die der Kopilot zuvor konsultiert haben soll. Der Independent beruft sich auf eine kurze Notiz auf SPON vom vergangenen Freitag. Im Zentrum bei SPON steht folgende Aussage:

"Für einen jungen Mann hat er eine erstaunliche Anzahl von Ärzten konsultiert", heißt es aus Kreisen der Ermittler.

Ich nehme an, dass die zitierten Ermittler genauso wie ich keine Expertise im Umgang mit der Behandlung von gravierenden psychischen Erkrankungen haben. Der SPON-Artikel hat das Erstaunen über die Zahl schön in einem Zitat begraben, dennoch wundere ich mich, wie die letztlich mit fünf bezifferte Zahl an Ärzten, unabhängig vom Alter der Betroffenen, als herausragend hoch angesehen werden sollte. Fünf Ärzte, darunter welche aus den Gebieten der Neurologie und Psychiatrie. Ich bin beileibe nicht vom Fach, aber übermäßig, erstaunlich oder furchteinflößend hoch kommt mir das nicht vor.

Nehmen wir eine hausärztliche Behandlung mit rein, dann eine psychiatrische Untersuchung und noch die Neurologie. Das sind schon drei. Fünf ist gar nicht mehr weit weg, aber spielen wir mal weiter. Es geht, alle sind sich einig, um eine äußerst schwere Erkrankung. Da verschiedene Ärzte aufzusuchen ist wohl nicht abwegig. Zumal selbst Laien wie mir klar ist, eine psychische Erkrankung ist weniger einfach zu diagnostizieren, geschweige denn zu behandeln als Magenschmerzen. Aber selbst für Magenschmerzen ist man von der Allgemeinmedizin schnell an die Gastroenterologie und Internisten verwiesen. Am Ende wissen wir nicht, wie es genau zu fünfen kam, aber abwegig erscheint es nicht, dass ein Mensch eventuell auch noch eine zweite neurologische Meinung wollte, eventuell die psychiatrische Behandlung wechselte, weil der Patient kein Vertrauen hatte oder auch weil der Kopilot gerade nicht in der räumlichen Nähe zu den üblichen Ansprechpartnern war.

Das ist mir eigentlich schon zu viel Spekulation um ein Ereignis, um das herum viel zu sehr spekuliert wird. Auffällig finde ich aber, wie nationale und internationale Medien mit teils ungebremster Vorstellungskraft zu den Vorgängen spekulieren. In der Berichterstattung aber womöglich banalster Ereignisse fehlt dann wiederum gerade diese Vorstellungskraft, um eine Information etwas nüchterner einzuordnen. Die fünf verschiedenen medizinischen Stellen wären nicht dramatisch, auch sieben nicht. Noch mehr tatsächlich wären auch keine beängstigende Zahl. Es geht um eine schwere Erkrankung. Die journalistische wie auch die menschliche Pflicht gebieten, mit Sorgfalt und Gelassenheit die verschiedenen Informationen zu sortieren. Dann sollten sie geklärt und erklärt werden. Aus der Zahl der Ärzte, die teils sensationalistisch beschrieben wird, ergibt sich nichts außer einem weiteren Beleg, dass der Kopilot anscheinend unter einer sehr schweren Krankheit litt. Einer Krankheit, die nach derzeitigem Stand hundertfünfzig Menschenleben kostete. Das ist eine Zahl, die tatsächlich bedauerlich ist. Sie sollte auch nüchtern machen.

Person of Interest: Got Carter

Vor zwei Wochen wollte ich schon über Joss Carter schreiben, weil sich da eine Entwicklung in Person of Interest abzeichnete, der ich nicht wortlos zuschauen wollte. Ich schmeiße ja gerne mit Superlativen und Hyperbeln um mich, das ist halt so meine Art. Nun rächt sich das, weil ich hinter meine Meinung zu dieser Figur rhetorisch nicht mehr genug Druck kriege, um ihr gerecht zu werden. Und jetzt wo sie ein absehbares Ende genommen hat, bleiben mir nur billige Hülsen. Carter war die beste weibliche Figur in einer Actionserie, die mir untergekommen ist. Sie war der emotionale Anker in einer Serie voller Helden, die aber wegen ihrer dysfunktionalen Verhaltensweisen wenig Empathie in mir hervorriefen. Carter war anders als diese Helden, sie war als normaler Mensch angelegt. Mittlerweile wurden viele Punkte zu Carter in diesem Nachruf festgehalten, aber ich schrecke diesmal nicht vor Redundanz zurück.

Natürlich war es auch einfach, Carter zu bewundern, sie hatte großartige Momente, in denen sie ihre Gegner ausschaltete. Wir sind konditioniert, uns von dieser physischen Leichtigkeit, mit der Actionfiguren über unterlegene Widersacher herrschen, beeindrucken zu lassen. Für sie sind es profane Vorgänge. Zwei Handgriffe, ein paar Schläge und schon stehen sie über den starren Körpern der Angreifer. Auch Carter wurde diese Ruhe angeschrieben, die in Actionheld so braucht. In diesem Sinne war sie nicht zu unterscheiden von den anderen heroischen Figuren der Serie. Auch Carter tritt Ärsche – unter anderen auch deren Hintern.

Was sie aber von allen unterschied, war ihre charakterliche Voraussetzung. Sie war besonders. Carter war nicht gebrochen oder psychisch belastet, weswegen sie lebensmüde gegen die übermachtigen Strukturen der korrupten Polizei kämpfte. Carter hatte eine Bodenhaftung, die Reese, Finch, Shaw und anderen abgeht, sie sind Soziopathen. Aber Carters Motivation war einzig und allein ihre Integrität, gerade ihre psychische Stärke. Auch wenn sie selbst in die Grauzone trat, war sie von allen diejenige, der man ansah, dass sie sich dort nicht wohl fühlte. Ihre Mitstreiterinnen und Weggefährten waren selbst schon korrumpiert oder von der eigentlichen Welt losgelöst. Als alleinerziehende Mutter und selbstbewusster Detective war Carter aber verwundbarer, trotzdem gab sie den Kampf nicht auf. Das machte sie zu einer bewundernswerten Figur. Sie hatte neben ihrem Leben auch eine soziale Existenz zu verlieren und konnte trotzdem nicht anders, als sich gegen die allmächtig erscheinende Verschwörung zu stellen. Carter war keine Heldin in glänzender Rüstung, sie war eine von ‚uns‘. Eine bessere Version von ‚uns‘, die nicht kuschte, buckelte oder sich fügte.

Umso trauriger ist, dass die Autorinnen und Autoren der Serie Carter zwar über HR triumphieren lassen, ihr dann aber auf den letzten Drücker noch beinahe alle Klischees aufdrücken, unter denen weibliche Figuren im Fernsehen so oft zu leiden haben. Da wäre eine aufgepfropfte romantische Szene kurz vor ihrem Ende, mit der sie dann doch zu einem Love Interest wurde, der sie glücklicherweise doch so lange nicht war. Das ist ein deutlicher Rückschlag, der dieser starken Frauenfigur fast völlig in den Rücken fällt. Sie hätte einen würdigeren Abschied verdient, als dann doch einfach als Motivation für ihre männlichen Hinterbliebenen zu dienen.

Carter ist aber anscheinend an sich eine so wunderbare Figur, deren Verlust ein so großes Loch ins Gefüge der Serie reißen könnte, dass man es wohl für nötig hielt, sie vor dem vielleicht unausweichlichen Tod noch ein wenig zu degradieren, um den Schaden für Person of Interest geringer erscheinen zu lassen, als er tatsächlich ist. Dabei hat Carter doch jedes Shakespeare-Zitat verdient. Wie wäre es beispielsweise mit diesem aus King John?

Death, death; oh, amiable, lovely death!
Come, grin on me, and I will think thou smilest.

Organspende und ethisches Outsourcing

Am Rande einer sehr interessanten Diskussion auf ADN über die Diskriminierung von Schwulen bei Blut- und Organspenden kam ich wieder darauf, dass auch ich einen Organspendeausweis bei mir trage. Sowohl meine Entscheidung, auf dem Spenderausweis eine mir fremde Person einzutragen, die entscheiden soll, als auch ihre Begründung klingen für andere womöglich erst einmal seltsam. Da nun eine genauere Darstellung auch in den 256 Zeichen bei ADN Alpha nicht einmal ansatzweise ausreicht, will ich hier mal näher ausführen, worum es mir bei Organspenden eigentlich geht.

Ethisches Outsourcing – warum?

Die Entscheidung über die Verwendung der Organe meines toten Körpers habe ich tatsächlich an eine andere Person ausgelagert. Es ist dabei überaus wichtig, den Zustand des Körpers zu betonen, denn ich spreche hier grundsätzlich von postmortaler Organspende. Die Lebendspende steht für mich zunächst auf einem ganz anderen Blatt als die Spende von Organen aus einem toten – im Sinne des Hirntodes – Körper, der zu Lebzeiten noch mein Körper war. Insofern war schon der erste Satz in diesem Absatz ungenau, denn die postmortale Spende betrifft einen Körper, über den ich eigentlich nicht mehr verfügen kann, denn das Ich, das derzeit noch identitär wie physisch mit dem Körper verbunden ist, wird nach dem Tod unwiederbringlich ausgelöscht sein. Mir ist schleierhaft, warum eine Nicht-Existenz noch ethische Bedenken zum Besten geben sollte über einen Körper, der nicht mehr ihrer ist.

Wenn das aber so ist, warum nicht einfach auf dem Organspendeausweis mit Ja stimmen? Ganz so einfach ist das für mich nicht, denn mir wird die Entscheidung gelassen. Eine Möglichkeit, die ich für abgrundtief anmaßend halte, denn es bedeutet, dass mein ethisches Empfinden, also nicht meine ethischen Überzeugungen1, über die Existenz der Quelle dieses Empfindens hinaus aufrechterhalten wird. Sie wird ethisch fingiert. Das ist hochgradig widersinnig. Es spielt schlicht keine Rolle, was ich über den Umgang mit meinem Körper denke, sobald der Körper nicht mehr meiner ist. Ich halte es also prinzipiell für eine grundlegend falsche Herangehensweise, mir ein Mitspracherecht zuzugestehen, das mir weder nutzt noch schadet. Es nichtst mir.

Aber das erklärt immer noch nicht, warum ich nicht einfach pragmatisch sage, dass es mir egal sein muss, was mit dem Körper geschieht, ich also aus ethischen Gründen die Option wählen sollte, von der Menschen potenziell eher profitieren. Ein Ja würde schließlich heißen, dass mehr Menschen lebensrettende Organe erhalten könnten. Für mich als Nicht-Person fiele kein Schaden an, andere Personen jedoch könnten mit Hilfe der Organe aus meinem toten Körper weiterleben. Das ist grundsätzlich richtig. Dennoch ist meine Entscheidung ein Protest gegen die fehlgeleitete Vorstellung, dass ich nach meinem Tod noch etwas zu sagen hätte über den Körper, der mal meiner war. Mein Protest richtet sich gegen die anmaßende ethische Position einer extensiv über den Tod hinaus postulierten Identität. Der gesellschaftliche Konsens der Bioethik ist dominiert von einem so paradoxen Konzept, das ich es nicht anders bezeichnen kann: der spirituelle Materialismus. Die Motive für die Erweiterung einer Identität über den Tod hinaus ist eine sagenhaft fatale Folge jahrtausendealter spirituell-religiöser Sozialisierung. Und dagegen setze ich mich zur Wehr. Der Körper und der Geist sind eine seltsame Erscheinung im spirituellen Materialismus, denn einerseits soll der Geist den Körper überdauern, andererseits aber der Körper nach der Trennung der beiden noch besonderen Schutz genießen. Der Geist, das spirituelle Wesen, habe, so reime ich mir die Begründung noch am besten zurecht, eine nostalgische Verbundenheit mit seiner einstmals korporalen Form, sodass er diese nicht geschädigt sehen will. Oder so ähnlich. Es ist ein Minenfeld der Widersprüche.

Vielleicht ist jetzt deutlicher, warum ich mich dafür entschieden habe, eine mir völlig fremde, zufällig ausgewählte Person darüber entscheiden zu lassen. Ich, der keinerlei Anspruch mehr auf den toten Körper hat – weil, nun ja, tot -, will wenigstens eine tatsächliche Person entscheiden lassen. Was besser ist als die ethisch fingierte spirituelle Erweiterung meines Ich. Jede, aber wirklich jede lebende Person ist besser als die ethische Schattenspielerei mit meinem nicht mehr existenten Ich.

Identität und Organe

Ich lehne also ab, als ethisch empfindendes Wesen über etwas zu entscheiden, obwohl ich darüber nicht mehr entscheiden dürfen sollte. Aus Protest missbrauche ich die mir irrtümlicherweise zugeschriebenen Rechte, um sie an eine tatsächliche Person zu delegieren. Insofern könnte das Thema hier beendet sein, doch gibt es noch ein angeschlossenes Problem der ethisch zweifelhaften Erweiterung menschlicher Identität2. Wenn ich jetzt darüber entscheiden können soll, was geschieht, sobald ich nicht mehr bin, warum habe ich dann nur eine so begrenzte Entscheidungsgewalt? Wenn es für mich heute von Belang sein sollte, was mit meinem Körper, weil eine wie auch immer geartete identitäre Verbindung von Körper und Geist auch über deren Trennung hinaus bestehen soll, warum darf ich dann nur einer Organspende zustimmen oder sie ablehnen, Einschränkungen bei den Organen und Geweben machen oder die Entscheidung delegieren. Das ist meinem ethischen Empfinden entsprechend irritierend, denn wenn mein gestorbenes Ich schon entscheiden soll, warum nicht auch darüber, wer zum Beispiel die Organe erhalten soll? Sofern mir die ethische Entscheidung gelassen wird, sollte ich auch darüber entscheiden dürfen, ob Empfängerinnen oder Empfänger auch meinem ethischen Empfinden entsprechend geeignet oder gar würdig sind, mit einem Teil meiner Identität zu leben. Denn ethisch wird ein Teil von mir ethisch für deren Entscheidungen und ihr Handeln mitverantwortlich.

Es wäre für mich ein Graus, mir vorzustellen, dass ein Neonazi von meiner Niere profitierte, um dann weiterhin rechte Parolen schreiend über Marktplätze zu schlendern und Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe den Tod zu wünschen. Sofern ich die Entscheidungsgewalt gar nicht hätte, müsste ich mich nicht sorgen. Denn ich existiere nicht mehr, trage auch keine ethische Verantwortung mehr. Da aber durch einen spirituellen Kunstgriff die Tür noch offen gehalten wird, stünde ich noch in der Pflicht ethisch abzuwägen. Und da spielt es eine große Rolle, wessen Leben mit meinen Organen erhalten wird. Diese Entscheidung sollte ich aber gar nicht treffen müssen, werde aber paradoxerweise dazu gezwungenen. Dagegen protestiere ich. Es ist wichtig, das eigene Handeln ethisch abzuwägen, solange es noch möglich ist. Die Grenze meiner ethischen Entscheidungen ist aber der Tod selbst.

Die ethische Tombola

Aus diesem Grund erscheint es mir das Beste zu sein, auf diese ethisch komplett verrannte Position hinzuweisen, in dem ich das mache, was Banker in der heutigen Zeit gewohnt sind: Ich spiele mit leeren Werten, die mir gegeben wurden, wie es mir gefällt. Mein Handeln hat zwar faktisch Auswirkungen auf die materielle Welt, doch muss mich das nicht weiter kümmern, weil ein brüchiges Konzept mein Handeln nicht in Frage stellt, sondern auch noch anfeuert. Aber es geht in der Ethik nicht nur darum, was Menschen dürfen. Es geht auch darum, was sie nicht dürfen. Ein Recht zu schaffen, das Personen betrifft, die zum Zeitpunkt, an dem das Recht Wirkung entfaltet, nicht mehr Personen sind, ist eine ethische Luftbuchung sondergleichen.

Daher habe ich die ethische Tombola gewählt, um wenigstens eine Person entscheiden zu lassen. Warte es ab, du könntest es sein, der auf meinem Spenderausweis steht. Zerbrich dir den Kopf – oder auch nicht. Ich bin da schon raus aus der Nummer.

1 Für mich unterscheide ich zwischen ethischem Empfinden und ethischen Überzeugungen. Meine ethischen Überzeugungen sind das Ergebnis rationaler Aussetzung mit ethischen Problemstellungen, mein ethischees Empfinden ist die konkrete Instanz meiner ethischen Überzeugungen. Das Empfinden ist von persönlichen Erlebnissen geprägt. Empfinden und Überzeugungen haben große Schnittmengen, doch aber auch einige, teils widerstreitende Unterschiede.
2 Dies bezieht sich auf die derzeitige Regelung in der Bundesrepublik Deutschland.

Linkgebliebenes 17

Doktortitel werden erschlichen, Zeugnisse gefälscht, alles für die Karriere übernommen. Deutschland ist ein Schein-Land, in dem Expertise auf einer Urkunde stehen muss, um zu zählen. Ein exemplarischer Fall zu den Abgründen dieser "Leistungsgesellschaft".

Was soll ich dazu schreiben? Es fallen mir Worte ein wie journalistische Eitelkeit, Armutspornographie, aber auch Leid und Tod. Das beste Wort ist aber – traurig:

Dann kann ich Mendeley jetzt ja auch zu den Akten legen. Nun, da der Leviathan der Wissenschaftsverlage sich das Startup einverleibte, ist es mit einem Schlag unglaubwürdig und unsympathisch:

Es gibt eine Grenze des Anstands, sicherlich. Dennoch ist gerade beim Tod von Politikerinnen und Politikern falsch verstandene Pietät überhaupt nicht angemessen:

So schnell ist der Weg von einem biertrunkenen Post in die Psychiatrie?

Spricht für sich selbst:

Es vergeht keine Woche ohne Berichte über Sexismus in der Games-Szene. Aber es gibt auch Gründe, dort zu arbeiten. Als Frau:

Meta, meta, meta, alles meta. Auch ich schaue ab und zu auf diese Rankings und frage mich, was die Zahlen mir sagen sollen?

Es gibt sie diese schönen Geschichten über gestohlene Laptops und die Rache der Bestohlenen. Realistischer und komplexer ist es dann aber in der Regel wohl doch:

Die brachiale Rhetorik vieler Atheisten geht mir gegen den Strich, sie ecken bewusst an. Da fangen sie sich – mal mit Recht, mal ohne – unschöne Vorwürfe ein:

Einfach eine sympathische Idee. Webseiten werden von Menschen gemacht:

Die Frage der externen Kosten des digitalen Lebens ist ohnehin spannend. Wie sieht es mit dem Goldrausch um Bitcoins aus?

Reichtumsschere der Welt mal visualisiert. Aber keine Sorge, alles bestens:

In der Piratenpartei gab es hässliche Auswüchse der Sprachpflege und auch sonst das allgemeine rüpelhafte Verhalten einiger Schreihälse und Maskulisten. Das hatte bedauerliche Folgen:

Tjaha, Excel ist halt aus verschiedenen Gründen eine Plage:

Linkgebliebenes Folge 1

Wie es so ist, fehlt mir dann doch hin und wieder die Zeit, mich mit interessanten Meldungen zu befassen. Andernfalls auch die Muße. Selten beides. Damit sie aber nicht völlig unter den Tisch fallen, gebe ich die gesammelten Passagen samt meiner Gedankenfragmente hier in bester Beamtenmentalität zu meiner Entlastung weiter. Heute unter anderem mit dem jähen Ende eines künfitgen Weltstars, der Philosophie in Computerspielen, Social Media als Content-Lieferant für Straßenzeitungen und zur Sicherheit von Passphrases. Weiterlesen

Ein Vogel fliegt am Boden

Ein Farbklecks zieht in Windeseile vorbei. Einem gläsernen Laut folgt ein dumpfes Poltern. Genickbrech. Der Farbklecks liegt auf dem Asphalt. Die Brust dem Himmel zugewandt, bunte Flügel schlagen um sich, als wollten sie den Farbklecks in den Boden erheben. Panisch gebrochenes Pfeifen. Der Kopf starr, der Körper zuckt. Wirr tanzt der Klecks im eigenen Kreis. Lautes Flattern. Hektisch, bis die Flügel langsamer zucken. Immer langsamer. Toter Farbklecks, der eben noch durch die Luft flog. Gegen die transparente Wand in der Luft. Doch noch mal ein Zucken, ein letzte Regung. Stiller, kleiner Farbklecks.