Kickstarter ist kein Geschäft

Kickstarter ist mit Sicherheit ein Geschäft, es will nur keines in dem Sinne sein, das man betritt, um Waren zu kaufen. Das folgt aus einem Artikel im Hausblog, der auf den Titel Kickstarter Is Not a Store hört. Zwei Änderungen in den Anforderungen an und Richtlinien für die Projektinitiatoren wurden dort angekündigt.

Fortan müssen die Initiatoren erstens in der Projektbeschreibung zwingend die möglichen Risiken und Herausforderungen schildern:

“What are the risks and challenges this project faces, and what qualifies you to overcome them?”

Mit dieser Anforderung werde für potenzielle Unterstützerinnen und Unterstützer die Transparenz erhöht, wie aussichtsreich eine erfolgreiche Realisierung sei.

Zweitens wurden die Richtlinien für Projekte, die aus den Gebieten Hardware oder Produktdesigns stammen, Vorgaben gemacht:

  • Product simulations are prohibited. Projects cannot simulate events to demonstrate what a product might do in the future. Products can only be shown performing actions that they’re able to perform in their current state of development.
  • Product renderings are prohibited. Product images must be photos of the prototype as it currently exists.

Es wird also die visuelle Darstellung der Projekte dahingehend geändert, nicht mit Bildern einen Projektfortschritt zu suggerieren, der tatsächlich nicht dem aktuellen Stand des Prototyps entspricht.

Damit reagiert Kickstarter spät auf die Kritik, die sich daran abarbeitete, dass Kickstarter nicht ausreichend dazu beitrage, die Seriosität der Projekte zu gewährleisten. Für meine Begriffe sind dies notwendige Maßnahmen in diese Richtung, allerdings alles andere als hinreichend. Ein Kern des Problems bleibt die laxe Genehmigungsprozedur für Projekte. Wie intransparent diese Prozedur für Außenstehende, aber Interessierte, ist, hatte ich hier schon einmal beschrieben. Daran hat sich anscheinend nichts Wesentliches geändert, wie ein kleiner Vermerk besagt:

How will Kickstarter know whether something is a simulation or rendering?

We may not know. We do only a quick review to make sure a project meets our guidelines. If an obvious simulation or photorealistic rendering is spotted during that review, that project will not be allowed to launch. If a simulation or photorealistic rendering is discovered after a project launches, that project will be canceled. Everyone should continue to use their best judgment when deciding whether or not to back a project.

Für mich heißt das speziell, dass Kickstarter nicht sehr ausführlich prüfen wird, ob die angekündigten Vorgaben umgesetzt wurden, bevor ein Projekt freigeschaltet wird. Allgemein lässt es auch den Schluss zu, dass es zum impliziten Modell Kickstarters gehört, die Projekte nur oberflächlich zu prüfen. Der letzte zitierte Satz zeigt deutlich, dass Kickstarter den Ball der Kritikerinnen und Kritiker aufnimmt und galant zurückzuspielen versucht.

Google Transparency Report

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Selbstverständnis und innerparteiliche Demokratie der Piratenpartei (2)

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Selbstverständnis und innerparteiliche Demokratie der Piratenpartei (1)

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