Trollphase

Ja, Rotshirt-Mike sagt so ungefähr das, was ich bis vor gar nicht allzu langer Zeit auch gesagt hätte. Mir allerdings ist es erst wie Blauhemd-Mike aufgegangen, nachdem ich mir argumentativ mal so richtig ins Knie gebohrt hatte.

Blauhemd-Mike hat völlig Recht, die ideologisch überhöhte Trollerei ist ihrem Wesen nach nicht weiter zu abstrahieren, als in unterschiedliche Grade mindestens verbaler Grausamkeit. Es ist keine rhetorische Übung, es ist ein Versuch, Kommunikation zu vernichten. Im besten Fall. Im schlimmsten Fall ist es brachiales Ausnutzen von Privilegien, die nichts anderes als Exklusion bewirken sollen. Und dann brauchen so Nasen wie ich Jahre, um das zu kapieren.

Linkgebliebenes 23

Fangen wir doch mal mit dem intuitiven Argument gegen den Verzehr von Tieren an. Es ist ganz einfach.

Dann habe ich noch zwei Texte, die zusammen noch einmal viel schrecklicher wirken, als alleine schon. Vertrauen in die Staatsgewalt entsteht so nicht.

    Die Befreiung vom Verlagswesen kommt.nicht ohne Kosten.

      Gut, dass Verlage ihren mittelnden Job als Kuratoren wahrnehmen. Dan Brown schreibt Höhenkamm.

        Finnland, wo Neugeborene in Kartons aufwachsen. Und gerade deshalb mehr Chancen haben.

          Mal wieder Gamer-Sexismus und Trollverhalten in Spielen:

            Ja, ich glaube an eine heuchlerische Verbrüderung von Christen als Parteikadern, die von Trennung von Staat und Religion nichts verstehen. So schlimm ist es aber schon?

              Einiges zur Technikkritik und populärer Wissenschaftstheorie.

                Der Abgrund starrt zurück.

                  Ich lese immer wieder gerne, wie leicht es ist, Wörterbuchattacken zu fahren.

                    Oft gesagt, wird aber nicht alt. Germany’s Next Top Model ist bestialisch.

                      Ich behalte Adblock trotzdem.

                        The Red Wedding. Schockierendes Fernsehen, aber drum hervorragend.

                          Gamer-Sexismus: Und dann krochen sie aus ihren Höhlen…

                          Gaming war lange Zeit und ist derzeit auch noch – trotz vieler kleiner Änderungen – eine männlich dominierte Szene. Soziologisch dürfte das nicht allzu schwer zu erklären sein, wie es dazu kam. Falsch ist es nicht, richtig auch nicht, es ist so. Wer macht traditionell Videospiele? Männer. Wer spielt zu großen Teilen diese Spiele? Männer. Kaum verwunderlich, dass sich ein Muster ergab, bei dem Männer Spiele für Männer machen. Oder, um genauer zu sein, Männer, die sich für solche halten, machen Spiele für Männer, die meinen welche zu sein. Was auch immer das heißen soll. An sich ist das prinzipiell nicht kritikwürdig, doch allemal dann, wenn sich dabei eine inzestuöse Anspruchshaltung und Bedürfnisbefriedigung einstellt. Wohin das führen kann, zeigt das erste Beispiel, das mir wahllos in den Kopf kommt. Resident Evil IV ist allemal ein großartiges Spiel – trotz seiner Dämlichkeit. Meist liefen die Beschwerden über Ashley, die ein billiges plot device ist, auf die lästige Begleitschutzarbeit hinaus. Und verfehlte damit den Kern.

                          Alles an Resident Evils Plot und Story ist lächerlich, so lächerlich, dass dies als bewusster Trash bezeichnet wurde. Wie billig aber Capcom aber die hilflose, naive Ashley als kreischendes damsel in distress an der Seite von Leon durch die Gegend geschubst wurde, das grenzte in seiner Einfalt an Zustände, die mit dem Begriff Notgeilheit nicht mehr zu beschreiben sind. Habe ich auf die Reize reagiert? Klar, spätestens als in verschiedenen Fassungen ihr auch noch Kostüme gegeben wurden, die einen astreinen camel toe abzeichneten. Prächtig, oder? Eben nicht. Nur weil ich darauf reagiere, heißt es nicht, dass es mir gefällt. Nun ja, warum all das?

                          Kommen wir zu Anita Sarkeesian. Auf ihrem Blog und in ihren vielen Videos beschäftigt sich Sarkeesian seit Jahren aus feministischer Perspektive mit Popkultur. Gefällt ihr, was sie sieht? Mit Sicherheit nicht. Also tut sie, was alle vernünftigen Menschen tun sollten, die eine Meinung zu vertreten haben. Sie setzt sich kritisch damit auseinander. Inhaltlich mag ihre Kritik selbstverständlich nicht alle Geschmäcker treffen, was sich dadurch erklärt, dass Sarkeesian nicht Geschmäcker bedienen will. Was ihr nicht abgesprochen werden kann, ist ihre immer noch deutliche Leidenschaft für die popkulturellen Phänomene, die sie angeht. Sie wirft Filmen, Serien und eben auch Spielen nicht Dummheit, Sexismus oder was auch immer vor, um sie abzuschaffen. Sie sieht und spielt all dies, obwohl ihr nicht alles gefällt. Sie weist darauf hin, wie ihrer Meinung nach diese Kulturgüter fahrlässig soziologische Missstände ausblenden oder schlimmstenfalls sogar bewusst ausnutzen oder reproduzieren, um den Absatz zu fördern.

                          Sarkeesian traute sich, auf kickstarter eine neue Videoserie finanzieren zu wollen, die sich kritisch mit erzählerischen und narrativen Tropen beschäftigen soll. Eben solchen Tropen, die ein schlechtes Bild auf die kümmerliche Repräsentation von Frauen und Weiblichkeit in Videospielen werfen. Wie antworte ein womöglich kleiner, aber aus meiner Wahrnehmung dennoch repräsentativer Teil der hormongesteuerten Gamer? Sie tummelte sich zum virtuellen Wichswettbewerb zusammen, der sich als eifriger Mob mit pornographischen Verunstaltungen und groben Beleidigungen über Sarkeesian YouTube-Videos und ihren Eintrag auf der englischen Wikipedia hermachte. Dümmliche Prahlerei.

                          Doch dies als dümmlich abzutun reicht nicht aus. Es verdrängt das Problem in den Raum, in dem es der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Daher muss es raus: Die Gaming-Szene hat ein Sexismusproblem. Dies ist demographisch wie sozial begründbar, damit aber lange nicht zu rechtfertigen. Wie ich oben schilderte, bedarf es keiner feministischen Perspektive, um kritisch auf Spielinhalte zu blicken. Verstand tut es auch schon. Und ja, man kann Videospiele genießen, auch wenn sie sexistische Spielinhalte haben. Diese zu kritisieren, dass sollte nicht ausgespart werden. Sarkeesian, deren Ansichten ich mitnichten völlig teile, ist da also an einer Sache dran. Nicht weil sie eine kulturpessimistische Feministin ist, die Spiele per se abschaffen will.

                          I love playing video games but I’m regularly disappointed in the limited and limiting ways women are represented.  This video project will explore, analyze and deconstruct some of the most common tropes and stereotypes of female characters in games.  The series will highlight the larger recurring patterns and conventions used within the gaming industry rather than just focusing on the worst offenders.  I’m going to need your help to make it happen!

                          Was an diesem einleitenden Absatz des Kickstarter-Projekts ist nicht zu verstehen? Daher ist es wichtig, dass Sarkeesian dieses Projekt wird durchziehen können, da sie nun schon über 100.000 Dollar erhalten wird (Tendenz: rasant steigend), obwohl sie nur 6.000 angepeilt hat. Die Gaming-Szene hat ein Problem, aber kein unlösbares. Ist es so schwer, sich das einzugestehen? [via]

                          Debattenkultur im Netz: Derailing for Dummies

                          Eines ist im Internet wie im realen Leben sicher: Je länger man sich dort herumtreibt, umso größer die Wahrscheinlichkeit des Konflikts mit anderen Positionen und Meinungen. Über alles wird gestritten, wenn nicht, dann ist es immerhin möglich über alles zu streiten. Wer dies quasi leidenschaftlich betreibt, macht sich über kurz oder lang verdächtig, ein Troll zu sein. So ist es halt.

                          Es gibt einige Gradmesser, um die Stichhaltigkeit eines Arguments zu prüfen. Die skeptische Bewegung im Netz greift in der Regel auf klassische logische Irrtümer zurück. So lassen sich einige Argumente von Beginn an aussieben.

                          Eine perfidere Strategie ist die des Derailings. Sich damit auseinanderzusetzen ist deutlich schwieriger. Das Derailing baut letztlich als Trollphänomen gerade darauf, keine ernsthafte Diskussion führen zu wollen. Wer logische Fehler begeht, muss nicht zwingend die Absicht haben, damit eine Diskussion zu stören – und lässt sich dementsprechend leicht und gern korrigieren.

                          Das Derailing kommt allzu gern dort vor, wo es um gesellschaftliche Minderheiten geht. Auf Derailing for Dummies werden einige der häufigsten Strategien genannt, die eine Diskussion richtig vorbildlich aushebeln und so eine vernünftige Debatte im Keim ersticken.

                          Eine der ’schönsten‘ Derailingstrategien ist das „But it’s true„. Es ist mein persönlicher Liebling unter all den hübschen Pseudoargumenten. Wer kann schon etwas gegen die Wahrheit sagen? Und es funktioniert überall und immer. Es muss nicht einmal wahr sein, was da behauptet wird, aber es schadet auch nicht. Der Trick ist, dass hier vorgegeben wird, dass nur die Wahrheit allein ein relevantes Kriterium der argumentativen Auseinandersetzung sei. Sie ist ein wichtiges Kriterium, aber nicht das alleinige. Beispiel gefällig? 1 + 1 = 2. Das ist wahr. Und wird auch immer wahr sein. Es sagt einiges aus, aber nicht alles. Damit wird noch keine Diskussion aus den Gleisen gehoben, es bedarf einer penetranten Universalisierung der Wahrheitsaussage, um daraus einen vollwertigen Hebel zu machen. Ist etwa die Frage, ob Gruppe X bei gleicher Leistung schlechter entlohnt wird als Gruppe Y, ist die Aussage 1 + 1 = 2 nicht sehr hilfreich. Sie bleibt wahr, aber ist nicht in adäquatem Kontext angewandt. Mit einigem Geschick kann nun von der ursprünglichen Diskussion abgelenkt werden, indem nun über diese Gleichung gestritten wird. Wer die Gleichung ins Spiel gebracht hat, kann sich immer darauf zurückziehen, wie wahr die Gleichung ist und darauf pochen, dass diese Wahrheit auch bitte anerkannt würde.

                          Spannend wird es natürlich auch im Fall einer nicht haltbaren Wahrheitsaussage, die bei genauerer Betrachtung nicht haltbar ist. Das ist dann die Krönung des „But it’s true“. Es wird dann nicht nur anhand einer nicht adäquaten Behauptung der eigentliche Aspekt in den Hintergrund gerückt, die Debatte dreht sich auch nur noch um Für und Wider der Annahmen der Wahrheitsaussage.

                          Unter diesem Aspekt ist Derailing for Dummies einfach nur interessant. Ich kann mir die Frustration ausmalen, wenn ständig solche argumentativen Hebel ein letztlich wichtiges Thema negieren. Auf der anderen Seite steht aber auch, dass der Vorwurf des Derailings auch exzessiv vorgebracht werden kann. Dazu trägt Derailing for Dummies ebenso bei, da die dort beschriebenen Aussagen und Positionen grundsätzlich für absichtliche Ablenkungsmanöver gehalten werden. Manches Mal kann dabei folgendes Problem entstehen.

                          Muss auch nicht sein. Lebenszeit ist kostbar.

                          Bilddquellen: liftarn CC-BY-SA 3.0; xkcd CC BY-NC 2.5