True Blood Staffel 5: Blutleer

Ein Holzpflock, säuberlich durch das Brustbein eines Vampirs gestoßen, macht Dreck. Von den irrtümlicherweise als unsterblich charakterisierten Blassen bleibt nicht viel. Unappetitliches Gekröse und sämiges Kunstblut. Das war’s. So scheiden die Blutsauger in True Blood mittlerweile in der fünften Staffel dahin. Vielen Unkenrufen zum Trotz, blieb ich der Serie treu. Unterhalten hat sich mich immer, so abstrus es auch wurde. Nach drei Vierteln der fünften Staffel gehen mir aber auch endgültig die Gründe aus, aus der Serie noch einen Rest Amüsement zu ziehen. Sie zerbarst direkt vor meinen Augen spätestens nach drei Folgen, als wäre sie selbst untot gewesen und nun gepfählt worden.

Und was uns da alles um die Ohren fliegt. Gegen die tumultartige Vermehrung der Fabelwesen vorangegangener Staffeln, die schon zu allerlei Kritik einlud, ist das verbale Arsenal schon geleert, um die künstliche Aufblähung von Plots und Charakteren zu beschreiben. Das verschossene Pulver hätten wir uns sparen sollen. Die aktuelle Staffel ist randvoll, sie ist womöglich aufgrund ihrer Masse geplatzt. Der Konfusion Struktur zu geben, fühle ich mich nicht imstande.

Lassen wir es einfach. Oder doch nicht? Also gut, ein paar Stichworte. In loser Reihenfolge: Tara, nicht tot. Nicht lange. Sie wird von Pam, auf Bitten von Sookie und Lafayette von Pam gewandelt. Pam entdeckt ihre, in Rückblenden angedichteten, vampirischen Muttergefühle für Tara, die fortan einen Groll gegen Sookie und ihren Cousin hegt und bislang zur strippenden Staffage im Fangtasia wird. Im Fangtasia trifft auch der liebeskümmerliche Hoyt ein. Erst ist er schlecht geschminkter Fangbanger-Emo, verpuppt sich zum Mutantenrassisten, kriegt aber doch noch die Kurve. Unser Hoyt. Habe ich da Jessica gehört? Die Nummer mit Jason wird nicht übersichtlicher, was auch den Autorinnen und Autoren auffiel, die es dann nach einigen Folgen schnell unter den Tisch fallenlassen. Es gibt ja auch Wichtigeres. Sookie zum Beispiel. Die eilt Eric und Bill zur Hilfe, als sie von der Authority genötigt werden, Russell Edgington endgültig den Garaus zu machen. Alcide darf da auch noch aushelfen, bevor der Plot rüde abgegrätscht wird und sich die Wege der Protagonisten trennen. Alcide wird in einen jämmerlichen Subplot verbannt, der ihn als einsamen Wolf ohne Rudel zurücklässt. Eric und Bill nehmen eine alternative Bibelstunde und feiern derweil Orgien mit einem wildgewordenen Lilith-Kult an der Spitze der Authority. Irgendwo muss die Nacktheit ja herkommen. Und die Intrigen auch. Von Löchern in Plots brauchen wir nicht sprechen, genießen wir doch einfach die Rückkehr von Russell Edgington, der Teil des Kults ist. Ebenso der ehemalige Reverend, Steve Newlin. Einst vampirhassender Hassprediger, nun zum Vampir gewandelt, was ihn auf seltsame Weise auch homosexuell gemacht haben soll. Zurück zu Jessica und Jason. Ach, das wollte ich doch lassen. Also nur Jason. Mir geht die Luft aus, dazu noch was Gescheites zu schreiben. Und Sam? Den hatten wir noch gar nicht. Gut, es muss wohl sein. Hier ein paar Szenen mit Jason und den Mutantenhassern, gegen die Jason ermittelt. Da einige mit Sam, der von jenen angegriffen wurde. Und so weiter. Ein weiteres Abstellgleis für einstmals liebgewonnene Figuren. Hatte ich erwähnt, Sookie macht sich aus heiterem Himmel auch noch auf die Suche nach dem Mörder ihrer Eltern, der ein Vampir sein muss. Wer brachte sie darauf? Wen hatten wir noch nicht? Die Feen. Dann schwirren noch ein paar lockere Handlungsfäden mit Lafayette herum. Er ist nun also ein Medium. Wer fehlt noch? Terry Bellefleur wird von seiner Irakkriegsvergangenheit in Form eines Ifrits eingeholt. Der Feuerteufel steckt auch hier im Detail.

Was auch immer die Produzenten und Autoren zu der Annahme geführt hat, mit all diesen Geschichten kaschieren zu können, dass ihnen die Puste ausgeht? Es hat nicht gefruchtet. Selten habe ich erlebt, wie einer Serie das Interesse an ihren Figuren in einem solchen Ausmaß ausging. Im Chaos der Subplots verliert sich jeder Sinn, der zuvor errichtet wurde. Reine Effekthascherei übertüncht dabei nicht die Schwächen. Es reicht nicht, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit allem zu bewerfen, was ihnen da durch den Kopf ging. Überfrachtet und jeder Emotionalität beraubt, hastet die Serie zwischen den auch räumlich getrennten Figuren hin und her. Im Rausch von Blut, Sex, Gewalt und debilen Twists sticht nur hervor, dass eine einstmals großartige Serie sich selbst zerfleischt hat.