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Artikel mit dem Tag ‘tv’

Zombieland: Hilfe, meine Zombies spinnen

06 Mai

In den USA fordern neue Medienunternehmen die eingesessenen Produktionsfirmen und Fernsehsender mit eigenproduzierten Inhalten heraus. Netflix hat seinen Beitrag zum Niedergang des Videoverleihs über Ladengeschäfte geleistet, zunächst wurde auf Videoverleih im Versand, nun aber vermehrt im Streaming gesetzt. Allein, es reicht wohl nicht, vom Content anderer Unternehmen und deren Lizenzierungsdschungel abhängigzu sein. In der letzten Zeit schob der Dienst einige beachtliche Serien an. Kein Wunder, dass die Netzbestie Amazon ebenfalls versucht, Serien selbst zu schaffen. Über hauseigene Portale lanciert der nicht gerade sympathische Gigant einige Piloten. Das Publikum soll entscheiden, welche in Serie gehen sollen. Zombieland ist unter den Testballons derjenige mit eingebauter Aufmerksamkeit wegen der recht gelungenen Filmvorlage. Und Zombies gehen ja immer.

Der amüsante Film lebte von der hervorragenden Besetzung, sie hoben selbst platte Kalauer noch über die Schmerzgrenze. Zwar sind die USA voller talentierter, namenloser Schauspielerinnen und Schauspieler, aber die fade halbstündige Horror-Komödie kann auch von der passablen Zweitbesetzung nicht mehr erträglich gespielt werden. Diesem Zombieland steht die Leichenblässe mieser Produktionsbedingungen im Gesicht.

Zombies sind Zugpferde mit günstigen Haltungskosten, denn es braucht ja kaum mehr als leer gefegte Straßen, etwas Gekröse und Kunstblut, schon können unbeleckte Darstellerriegen durch die Zombiekalypse gescheucht werden, sofern sie glaubwürdig eine Waffe halten und Dialoge auswendig können. Für Amazon mag die Rechnung sogar aufgehen, erzählerisch ist Zombieland ein mauer Abklatsch seines filmischen Vorfahren. Es ist kein wandelnder Toter im Sinne etwa der Frühneunziger, als RTL, den unsäglichen Anlauf unternahm, die Drehbücher von Married with Children einzudeutschen und mit Ruhrpottbarock zu verramschen. Zombieland riecht nicht ganz so streng, RTL hat den kreativen Tod schon seit Jahrzehnten hinter sich, doch erinnert mich Zombieland in grottenschlechten Momenten an den Dilettantismus eines europäischen Medienunternehmens.

 
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Person of Interest: Der Wert des Gewissens

29 Apr

Hielt ich Person of Interest für eine sehr gute Serie, nimmt sie zunehmend grandiose Züge an. Die Fronten waren klar, das Gute offenkundig. In der ersten Staffel stand das Vertrauen im Zentrum, das manchmal auch erst nach Zwang und Erpressung entstand. Keine der Figuren war moralisch unbelastet, das war immer klar. Doch wie einige der Figuren, so interessierte dies nicht, solange klar war, auf welcher und wessen Seite sie standen.

Nun aber entpuppt sich Person of Interest als vielschichtiger als das moralische Korsett, das modernes Fernsehen sich gibt, wenn es wie etwa ein Dexter gewagt sein will. Die Vergangenheit der Figuren holt in Person of Interest die Gegenwart ein, aus dem Dilemma entlässt die Serie erfreulicherweise niemanden mit Bauernspielertricks des Storytellings. Weder die Figuren noch die Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die Serie nimmt sich das Recht heraus nicht rückstandslos integer zu sein. Sie nutzte die stoischen Mienen der Schauspieler, die unterkühlte Atmosphäre und subtile zwischenmenschliche Verwicklungen, um wie aus dem Nichts eine Grauzone zu schaffen. Dabei riskiert die Serie, Menschen vor den Kopf zu stoßen.

 
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Cancelorama – again?

22 Apr

 
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Revolution: Der Dystopie geht der Saft aus

22 Apr

Im Jahre 2012 fiel in den USA der Strom aus. Nicht bloß für einen kurzen Moment, auch nicht wenige Tage, der Strom kam nicht mehr wieder. Alle elektrischen Geräte waren nutzlos geworden. Besonders hart traf es Drehbuchautoren von Revolution, die nun keinen Zugriff mehr auf ihre kostbaren Handbücher für kreatives Schreiben hatten. Sie hätten sie nicht in der Cloud sichern sollen. Also taten sie, was getan werden musste, sie griffen auf einen veralteten Teilausdruck von tvtropes zurück, den ein Praktikant mal machen musste, weil dies als lehrreiche Erfahrung verkauft wurde, die ein unbezahlter Praktikant halt machen muss. Und sie haben wirklich alles aus tvtropes herausgeholt, was die Seiten so zu Dystopien hergaben.

Die Welt, die Revolution zusammenbrechen lässt, ist ein wahrgewordener Alptraum der Tea-Party-Bewegung. Die USA rühmen sich, eine hochzivilisierte Gesellschaft zu sein. Revolution traut dieser Gesellschaft aber zu, nur einen totalen Stromausfall zu brauchen, um völlig zusammenzubrechen. Nach nur fünfzehn Jahren ohne Strom sind die Staaten gar nicht mehr so einträchtig oder geeint. Sie sind in autoritäre Systeme zerfallen, die von Rechtsauslegern wie Glenn Beck immer als sozialer Teufel an die Wand gemalt werden. Allerdings bleibt die Serie auch auf diesem Niveau. Da dient dann das in einer der Republiken durchgesetzte Waffenverbot als Kennzeichen der oppressiven Obrigkeiten, eine Angst von Rechtsaußen also.

Durch alle Facetten der Serie zieht sich eine Ideenlosigkeit, die nach einigen Folgen kaum noch zu ertragen ist. Revolution ist eindimensional. Ihre ganze Ausrichtung ist schon problematisch, denn die Protagonistin auf eine Rettungsmission zu schicken, um ihren entführten Bruder zurückzugewinnen, erweist sich als Belastung. Durch den so erzeugten Zeitdruck soll Spannung aufgebaut werden, den Figuren schnürt die Serie damit die Luft ab. Also wird bei der Charakterisierung der Figuren Scherenschnitte eingesetzt. Tatsächlich dürfen sich Rebellinnen gegenüber Kinder ironiefrei mit "I’m one of the good ones." ausweisen. An anderer Stelle zieht die Serie einen allzu verdächtigen mit den Aufständischen in Syrien. Hier die Guten, da die Bösen. Expositorische Dialoge sind ein Markenzeichen von Revolution; ebenso die völlig dramaturgische Überladung der einzelnen Episoden. Fast panisch flieht die Serie vor jeder ruhigen Minute, die inhaltliche Leere könnte auffallen. Einen Fluchtversuch des Entführten noch in einen Gewittersturm zu versetzen zieht die Spannung nur ins Lächerliche.

An Revolution ist allein die platte Erzählung ein Rückfall in archaische Zeiten. Und Elizabeth Mitchell taugt mittlerweile, so bedauerlich das ist, nur noch als Warnung vor Serien, an denen sie beteiligt ist.

 
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Let’s Dance: Flauschtango

15 Apr

Kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht über das beliebteste Medium der Deutschen lästere. Auch ich zähle zu dem Kreis der selbsterklärten Avantgarde, die kein gutes Haar am Fernsehen lässt, also am deutschen Fernsehen. Ich habe meine Gründe, sehr viele sogar. Doch bügele ich die Fernsehlandschaft manchmal auch zu glatt. Es gibt es noch, das Fernsehen, das ist, was es zu sein verspricht.

Letzten Freitag fiel bei mir erst der Groschen, das selbst das niederträchtige RTL ein großes Feigenblatt in seinem Programm hat. Erst meine Freundin brachte mich darauf. "Wir gucken das nicht meinetwegen", sagte sie. Und sie hatte Recht. Sie sieht Let’s Dance gerne mit, doch bin ich die treibende Kraft dahinter, dass keine Sekunde der Show verpasst wird. Nicht erst seit diesem Jahr. Mir fiel auf, ich hatte bis heute keine Staffel verpasst. Warum war mir das nicht aufgefallen? Warum war mir sogar ein wenig peinlich, es einzugestehen? Dann fiel mir ein Grund ein, warum ich die Sendung so mag. Und noch einer, dann noch einer. Hier also nur einige davon.

Die meisten, wenn nicht sogar alle Casting-Shows und Promi-Reality-Shows kommen nicht ohne künstlich erhöhte Superlative aus. Unter der Suche nach einem Superstar, der besten Stimme, einer Königin oder König oder so ähnlich macht es keine Sendung. Sie kleben sich das schmierige Banner der Wichtigkeit an die Brust. Doch keine Show kann dieses Versprechen nur annähernd einhalten, sofern die Vorstellung von Superlativen nicht mit erschreckend niedriger Halbwertzeit und auch sonst reduzierten Ansprüchen umdefiniert wird. Let’s Dance legt die Messlatte deutlich realistischer an. Es ist ein Tanzwettbewerb, also suchen sie das beste Tanzpaar. Bei allem Pomp und Glitzer, der dem Tanzen anhaftet, nimmt sich die Show bescheiden in diesem Punkt aus. Ebenso befreiend ist die allgemeine Neigung aller Beteiligten, sich nicht über billige Rührgeschichten und Human-Interest-Stories abseits des Tanzens zu profilieren. Hier und da blitzt diese Fernsehkrankheit zwar auch bei Let’s Dance auf, schnell pendelt sie sich aber wieder ein.

Das liegt auch daran, dass in den Trainings und Proben genug Geschichte zu erzählen ist, selbst wenn nur die Kamera draufgehalten wird. Auf bleiern inszenierte Dramatik verzichtet die Show glücklicherweise und zeigt die schweißtreibende Arbeit hinter den Tänzen. Hier rackern sich unbekanntere und bekanntere Gesichter der Medienlandschaft unter der Anleitung ihrer professionellen Tanzpartnerinnen und Tanzpartner ab, um ihren Körpern einen halbwegs vorzeigbaren Tanz abzuringen.

Im Gegensatz zu anderen Shows erzählt Let’s Dance kleinere, aber umso menschlichere Geschichten. Viel zu oft erweist sich deutsches Unterhaltungsfernsehen als Inkubator der öffentlichen Erniedrigung. Nicht so bei Let’s Dance, das nuancierter erzählt und nebenbei spürbar immer das Beste aus seinen Teilnehmerinnen und Teilnehmern herausholen und zeigen will. Wo sonst gelingt etwa das Kunststück, einen zynischen Jürgen Milski in einem guten Licht darzustellen, wenn er seinen Körper anschreit, seinem Willen zu folgen? Let’s Dance macht es leicht, sich in die Haut der tänzerischen Laien zu versetzen. Kaum eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer entwickelten nicht doch von Woche zu Woche einen enormen Ehrgeiz. Es geht um kaum etwas und doch kämpfen sie mit allem, was sie haben. Da fällt es schwer, nicht mitzufühlen.

Und ja, die Show ist emotional befriedigender als nahezu alle übrigen Unterhaltungssendungen. Das ist wohl der unvermeidlichen Intimität geschuldet, die zwischen zwei Menschen entsteht, wenn sie eng aneinander tanzen, auf den Takt und die Präzision des Anderen vertrauen müssen. Es gibt für mich keine andere Sendung, in der so glaubwürdig Zuneigung ausgedrückt wird. Nach schwerem harten Kampf drücken sie sich satte, schmatzende Küsse auf Wange oder Stirn, sie herzen sich vor Freude, streicheln zart Frustration oder Schmerzen aus den Gesichtern ihrer Partnerinnen und Partner. Diese zarten Momente kann die Regie in der Live-Show nicht mit musikalischem Zuckerguss verderben oder unzählige Male wiederholen, was diese Augenblicke nur umso wertvoller macht.

Auch die Moderation ist erfrischend, weil sich Sylvie van der Vaart und Daniel Hartwich gar nicht groß um künstliche Neutralität bemühen. Sie ergreifen lieber sofort Partei für alle Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei ist besonders van der Vaart herrlich unbekümmert. Selbst wenn ihr anscheinend aus falschen Gründen untersagt wurde, das Publikum zu duzen, passt ihre kindliche Naivität wunderbar in diese kleine, süße Enklave der Wohlfühlunterhaltung im deutschen Fernsehen. Dann isst sie eben Popcorn und giggelt, wenn sie eigentlich moderieren sollte. Wollten wir Großen nicht alle mal wieder ins Bällebad im Småland hüpfen? Van der Vaart hat ihres gefunden, dort ist sie unter Freunden. Und auch Hartwich, der den Schulhofhumor noch nicht ganz abgelegt hat, keift und kalauert zwischen jede Kritik. Und er verfügt über die erstaunliche Gabe, im Zweifel sofort das Publikum einzuspannen, um eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu schützen.

Und wo ich schon bei der Kritik bin. Let’s Dance hat keine monolithische Figur im Zentrum, die unumstößlich Beleidigungen versprühen darf. In dieser Show, wird kaum eine Boshaftigkeit übersehen, es findet sich oft mindestens eine Person, die Anderen zur Seite steht. Und keine Kritik ist in Stein gemeißelt, denn es geschehen noch Zeichen und Wunder. Menschen machen schlechte Witze, merken es und entschuldigen sich sogar. Unerhört. Damit ist Let’s Dance seltenes, menschliches Fernsehen, das manchmal auch an der Aufgabe scheitert, aber immer bemüht ist, mit Herzlichkeit zu unterhalten. Vor allem auf RTL ist das ein aussterbendes Prädikat im Fernsehen.

 
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50 Jahre ZDF

02 Apr

 
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Linkgebliebenes 15

26 Mrz

Mittlerweile ist aus der Sache um Adria Richards nur noch eine Farce aus Galle und Gülle geworden. Was da mit ihr gemacht wird ist schockierend, ich hatte auch meine Bedenken bei ihrer Reaktion auf die Dongle-Scherzkekse. Das ist angesichts des Drecks, den feixende Schreibtriebtäter auf sie werfen, ist das eine vollkommene Petitesse:

http://www.forbes.com/sites/deannazandt/2013/03/22/why-asking-what-adria-richards-could-have-done-differently-is-the-wrong-question/
http://feministphilosophers.wordpress.com/2013/03/22/the-ethics-of-public-shaming/

Leider auf einer abstrakteren Ebene passend zu diesem Thema ist auch Antje Schrupps Ausführungen zu offenen und sicheren kommunikativen Orten:

http://antjeschrupp.com/2013/03/22/offene-orte-an-denen-alles-gesagt-werden-kann-gibt-es-nicht/

Zum gender gap in der amerikanischen IT-Branche kommt diese Meldung. Ich verstehe aber noch immer nicht ganz, wie sie bei der Angleichung der Zufriedenheit ausschließen, dass Frauen einfach ihre Erwartungen gedrosselt haben:

http://www.i-programmer.info/news/99-professional/5685-no-gender-gap-in-satisfaction-with-technical-salaries.html

Ich suche mir das echt nicht aus. Wie mit Katja Riemann in der Presse und Öffentlichkeit umgegangen wird, ist für mich erschreckend. Weil sie auf heuchlerische, gekünstelte oder schlicht platte Fragen entsprechend reagierte, wird sie als Zicke abgespielt. Ich empfand ihr Verhalten als ehrlich, pointiert und vor allem selbstbewusst. Gerade ihre Scham über Einspieler ist befreiend:

http://katja-riemann.de/px/sueddeutsche-artikel-20-03.pdf
http://stern.de/kultur/tv/katja-riemann-und-hinnerk-baumgarten-wenn-der-moderator-das-problem-ist-1988014.html

Einen Lachsack habe ich dann aber doch noch. Auf Verschwörungstheoretiker ist halt immer Verlass. Auch wenn ich in dieser Sache einer ganz heißen Sache auf der Spur bin. Quellen, die ich aus Gründen nicht nennen darf, berichten, die Echsenwesen sind ein Versuch der Illuminaten, von ihrem Einfluss auf die Welt abzulenken. Glaubt diesem Video also nicht, es ist die Propaganda der heimlichen Weltregierung. Die wolle. nur von sich ablenken:

http://scienceblogs.de/zoonpolitikon/2013/03/23/ausserirdischer-formwandler-im-dienst-von-prasident-obama/

 

Revolution und der Aus-Knopf

11 Mrz

Dreht mir irgendein ein Serien-Hipster-Hormon gerade die Bewunderung für J.J. Abrams ab? Fast scheint es so, denn die letzten Monate veranlassten einen Stimmungswandel bei mir. Die messianische Verehrung von Abrams als alleinigem Retter der Science-Fiction-Seelen in Film und TV will ich nicht mitgehen. Denke ich etwas darüber nach, erscheint Abrams mehr ein Produzent zu sein, der nach dem Gießkannenprinzip Serien und Filme mit übernatürlichem oder außerweltlichem Dreh unters Volk bringt. Es ist immer was Gutes dabei, selten aber vollends Überzeugendes. In der letzten Zeit mehren sich auch noch die offenkundigen Gurken, selbst wenn auch ich noch an die Marketingslogans und die Trailer glaubte, die bei Abrams-Produktionen aber meist schon das Beste an allem waren.

Anfang dieser Herbstsaison war die Auswahl so schwach, die von Abrams produzierte Serie Revolution schaffte es noch unter die Spitzenplätze der von mir erwarteten Serienstarts. Nach wenigen Monaten hat sich das drastisch geändert. Mit Grausen denke ich an diese Serie, deren Gestank nun allmählich aufsteigt. Nach allem, was ich weiß, gelesen und gesehen habe, kriege ich Schüttelkrämpfe, wenn ich nur daran denke, wie oberflächlich dieses post-apokalyptische Szenario zu sein scheint. Intellektuell wird Revolution eine Katastrophe, die nur in amerikanischen Urängsten konservativ-konspirativ-eigenbrötlerischer Hinterwäldler rührt. Es stinkt nach Verschwörungsängsten der Truther und sieht nach plattem US-Freund-Feind-Schema aus.

Poe’s Law mag noch erklären, warum zum Beispiel zwei Nasen wie die folgenden die Revolution zum Anlass nehmen, ihre halbgaren Verschwörungstheorien an der Serie abzuarbeiten. Wenn eine die Serie dann aber wirklich nur die Paranoia eines NWO-Honks anfacht und das Gestammel eines zu nah am Wasser gebauten, aber mit Sicherheit schon über die lunatic fringe gesprungenen Preppers hervorbringt, mache ich mich auf etwas gefasst. Packt die Aspirin aus, die Aluhüte kommen. Da verstehe ich doch den Aus-Knopf im Schriftzug von Revolution als Imperativ.

 
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Linkgebliebenes 12: Mehr #LSR wagen

04 Mrz

Oberste Bürgerpflicht ist die Gesetzestreue, im buchstäblichen Sinne. Auch kultprok wäre nicht kultprok, bliebe ich hier nicht der bundesrepublikanischen Gesetzeslage treu ergeben. Bürgerwehr kultprok meldet vorauseilend-gehorsamst Gewehr bei Fuß zum Schutze der vierten Säule der Demokratie, auch wenn diese Säule in letzter Zeit kaum tragend wirkt. Aber für republikanische Statik ist die Bürgerwehr kultprok nicht zuständig, wundert sich also nicht weiter, dass diese vierte Säule neben dem Pantheon der Demokratie steht und nur hübsch aussieht. Eigentlich nicht mal das, aber auch da will sich kultprok nicht aus dem Fenster lehnen. Zur weiteren Pflicht der ordnungsgemäßen Link-Umschau.

Unter dem Titel Xxx xxxxx xxxxxxxxxx ist bei xxxx.de ein spannender Artikel zur Verhaltensforschung an Primaten und den Folgen von unsachgemäßer Anthropomorphisierung einerseits wie auch des Verifikiationsstudiensdrucks im Wissenschaftsbetrieb.

Ebenfalls auf xxxx.de ein anrührender Artikel über Leben, Leiden, Wirken und Tod einer Kriegsreporterin. Mit Sicherheit ist Xxx Xxxx, xxx xxxxx xxxxxx die Schilderung eines waghalsigen Jobs zwischen Berufung, Aufklärung und Rücksichtslosigkeit, der das Feigenblatt der Existenzberechtigung ist, für den sich sportbegeisterte Boulevardisten einen Presseausweis besorgen und schwitzenden Menschen Mikros unter die Nase halten.

Nun aber zu den eigentlich seichteren Themen, denn auch hier tun sich Abgründe auf, wie etwa schon wieder xxxx.de mit Xxxxxxx, xxx xxx Xxxxxxx xxxxxxxx zu berichten hat: Die Casting-Flut im deutschen Fernsehen produziert nicht nur Unterhaltung mit kurzem Haltbarkeitsdatum, sondern monetarisiert die Kandidatinnen und Kandidaten brutalst, lässt sie aber auf Kosten und Image alleine sitzen.

Auf der Produktionsseite sieht das nicht anders aus, da werden dann prekär beschäftigte Menschen in ihrer Arbeitslosigkeit immerhin noch mit güldenen Statuetten gewürdigt. Da regt sich wegen Xxx Xxxxxxxxxxxx-Xxxxx xxxx "Xxxx xx Xx" Protest, berichtet xxxxxxxxxxxx.de.

Gut, dass wir darüber gesprochen haben. Das fühlt sich schon sehr organisch an, wie hier die Informationen ausgetauscht werden können. Freie Medienlandschaften machen frei, der Beweis ist endgültig erbracht.

 

Linkgebliebenes 11

26 Feb

Der goldene Preis für allgemeine Großartigkeit geht an: Connie Britton.

Ein Pokal für die abstruseste Fleißarbeit an: Pornographiestudien.

Die andere Seite der Ausbeutungsgedenkmedaille gibt es in Sachen Amazon, die Dokumentation und die ganze Wahrheit.

Die Auszeichnung mit der bleiernen Budgetschere geht an die Sendungen mit originellsten Produktionsbedingungen für Kandidatinnen und Kandidaten.

Die goldenen Pferdehufe für das reinste Gewissen gehen an alle fleischverzehrenden Menschen der Republik.

Für die traurigste Nachricht geht die gläserne Träne an 1UP, die nicht immer die beste Gamingseite waren, aber zu den ambitioniertesten gehörten, und nun nach zähem Ringen nicht mehr sind.

Daher und weil es allmählich wirklich überfällig war, wird Deutschland endgültig zur Expertokratie, wenn wir uns alle selbst unseren Doktorgrad verleihen.