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Artikel mit dem Tag ‘tv’

Linkgebliebenes 9

07 Feb

Dann lacht mich eben aus, ich halte Super Hexagon für eines der besten Spiele aller Zeiten, und ich finde nicht, eine Inflation der Superlative zu betreiben. Terry Cavanagh hat einen Arcade-Titel in Perfektion gemacht, Super Hexagon ist frustrierend und beruhigend in einem perfekten Gabzen, am Ende ringt es mir, der mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist, die Vokabel ‘meditativ’ ab:

Außerdem hatte ich es zwar angesprochen, nur nicht deutlich genug: chipzel hat kongeniale Chipmusik für Super Hexagon gemacht und noch mehr davon. Eigentlich überhaupt nicht mein Metier, das Elektronische. Wenn’s halt gut ist.

Verschwendete Zeit? Nicht wirklich, versucht es mal in monotonster Schreibtischarbeit. Ein “Spiel”, geschrieben zu Ehren von David S. Gallant, dessen I Get This Call Every Day wirklich eine fantastisch effektive Erzählung und Frustbewältigung ist. Was Gallant seit Erscheinen des Spiels widerfahren ist, wurde hier in schön übersichtlicher Form kompiliert. Wie sieht’s aus? Lust selber mal Spiele zu machen? So schwer ist das auch nicht.

Und überhaupt, das ist bislang eine ziemlich gut gelaunte Linkscheuder heute. Die Befindlichkeit wird auch immer besser, wozu auch dieser Animationskurzfilm Paperman beitragen dürfte. Mit der Zeit nimmt es mit der Zauberhaftigkeit ein wenig Überhand, verliert aber nie ganz den Charme.

Und da ist sie doch noch, die Spaßbremse, es riecht beißend nach verbranntem Gummi, so schmeckt das Wort ‘karzinogen’ auf der Zunge: Bin schon allein mit diesem Artikel der Abmahnung zwei Schritte näher, was bette ich auch mir nichts, dir nichts Videos über Youtube ein? Dann doch gleich lieber die Furcht vor den Advokaten im Flimmern und Rauschen der deutschen Medienlandschaft ertränken.

Wenn die Stimmung doch schon mal abgekühlt ist, können wir gleich auch noch mal den Finger in die Wunde legen. Schließlich hat sich das Land, das sich selbst das Etikett angeheftet hat, Heimat der Dichter und Denker zu sein, dabei verschweigt, dass der Großteil des gestriegelten Höhenkamms schon lange unter der Erde liegt, nun, dieses Land musste ja einige Tiefschläge in der kulturellen Landschaftspflege hinnehmen. Das ist auch über dem großen Teich aufgefallen. Da wäre einerseits der sagenhafte Einsatz eines gewissen Denis Scheck, der im Namen der Kunst, der Freiheit und überhaupt einen Sprung in die pechschwarze Schuhwichse wagte, und doch nur als mit Alltagsrassismus begossener Literaturwart wieder rauskam.
Und auch das größte Vehikel der deutschen Populärkultur fand Erwähnung, auch wenn nichts wirklich Bahnbrechendes in dem Artikel steht. Aber man wird doch wohl auch in der deutschen Fernsehlandschaft davon träumen dürfen, dass bessere Zeiten anbrechen mögen, selbst wenn dies hieße, nur mit der Zeit Schritt zu halten. Wann lernt Deutschland, dass kein Blick so verklärt ist, wie der in die Vergangenheit.

 

Linkgebliebenes 5

18 Dez

Der Wortvogel hat sich Gedanken zur Restrukturierung in der deutschen Fernsehlandschaft gemacht: Fernsehen of the Future

Es gibt auch immer wieder gern die bipolare Darstellung der Tierrechtsproblematik in der Grundlagenforschung, die zugleich mit plumper emotionaler Erpressung arbeitet, sich diese von der Gegenseite aber verbittet: Urteil zu Tierversuchen an Affen in Bremen

Was passiert eigentlich, wenn man ein Blog auf einem Raspberry Pi hostet und dann um Traffic bittet? Ein Feldversuch: PiPress

Mir gehen zwar die Haare aus, noch bevor sie Gelegenheit haben, in Würde zu ergrauen, aber natürlich trifft es auch auf mich zu, was hier geschrieben wurde – es geht nicht um Speicherstände: Games Don’t Need Saving

Wie kleine Kinder gegen Geschlechterrollen vorgehen sollten: Gender-Hausaufgabe

 

Person of Interest

04 Dez

Person of Interest ist einer der wenigen auch im Verlauf einer vollen Staffel überzeugenden Serienstarts des Herbsts 2011 in den Vereinigten Staaten. Trotz ihrer klassisch episodisch ausgerichteten Erzählform liegt ihr Reiz in den vielschichtig verwobenen Beziehungsgeflechten in einem technisch lückenlos überwachten New York.

Subtile Dystopie

Das New York in Person of Interest ist ein an markanten Punkten verformtes, aber kaum merklich abgewandeltes Abbild der Wirklichkeit. Die posttraumatische Erfahrung der Anschläge auf das World Trade Center führte im fiktiven New York — auch überall in den USA, die Serie verlässt New York jedoch kaum — zur Entwicklung eines allumfassenden Überwachungsapparats, der ‘Maschine’. Ihre Algorithmen analysieren das Datenvolumen der allgegenwärtigen, von der Bevölkerung klaglos hingenommenen Überwachungsmaßnahmen. Im Gegensatz zu den Heilsversprechen der realen Rüstungsindustrie ist die ominöse Technologie der ‘Maschine’ imstande, das menschliche Verhalten mit ziemlicher Gewissheit auszuwerten, um zukünftiges Verhalten zu extrapolieren.

Die ‘Maschine’ ist klassische Science-Fiction, sie ist allerdings nur ein äußerer Anlass, nicht aber ein zentrales Mysterium. Ihre Entstehungsgeschichte wird skizziert, vordergründig geht es aber in der ersten Staffel nicht um ihre eigentliche Bestimmung, terroristische Anschläge zu prognostizieren. Ihr Entwickler Harold Finch versah die ‘Maschine’ mit einer Hintertür, da er voraussah, dass alle nicht-staatsgefährdenden Verbrechen, die erkannt werden, nicht verfolgt, also nicht verhindert würden, sofern er nicht selbst dafür Sorge tragen würde.

Allerdings fällt nur eine Sozialversicherungsnummer heraus, Finch kann aber nicht wissen, ob es sich bei der Person hinter der Nummer um Täter oder Opfer eines zukünftigen Verbrechens handelt. So kommt der vom gehbehinderten und abgeschieden lebenden Finch angeheuerte Reese ins Spiel. Reese, der als Agent in Ungnade fiel und von der Bildfläche verschwand, wird zu Finchs Muskeln auf den Straßen New Yorks; ein menschlicher Superheld ohne Maske und Umhang, unverkennbar greift die Serie doch auf die in Comics etablierten Motive der hinter gesellschaftlicher Fassade agierenden Wächter für die Entrechteten zurück.

Soziale Währung: Vertrauen

Die Ungewissheit, weshalb die ‘Maschine’ ihnen die Sozialversicherungsnummer auswarf, ist die Basis für das wiederkehrende Thema in Person of Interest. Reese muss nicht nur mit der Hilfe Finchs die Personen ausmachen, sondern, ob Täter oder Opfer, in kürzester Zeit ohne großes Aufsehen zu erregen ihr Vertrauen gewinnen. So entstehen aus dieser Lage heraus Spannungsmomente, wenn Reese eben nicht plump mit der Tür ins Haus fallen kann, dass er als Ritter in glänzender Rüstung gekommen ist, um die gesuchte Person vor der Gefahr zu bewahren.

Wobei Reese und Finch besonders anfangs noch deutlich in einer rein zweckorientierten Verbindung der Verbrechensbekämpfung nachgehen, beide beäugen sich dabei mit einigem Argwohn. Ohne den Menschen zu kennen, ist schlecht abzuschätzen, was vom Gegenüber zu halten ist. Finch und Reese geht es nicht anders, Finch hat ohnehin einen Wissensvorsprung vor Reese und die Ressourcen, diesen zu halten, da verwundert kaum, dass jener mit seinen eigenen Mitteln Nachforschungen über seinen Partner anstellt. Dieser rote Faden zieht sich durch alle Episoden: Vertrauen ist nicht kaufbar.

Und so spinnt die Serie allmählich ein dichtes Netz an Verschwörern, Mitwissern und Unbeteiligten, die einander nicht über den Weg trauen können, stets aber doch darauf bedacht sind, sich eigene Vorteile zu sichern. Person of Interest zieht daraus die spannendsten Momente, wenn korrupte Polizisten zu Doppelagenten gedreht werden, die ermittelnden Behörden Reese auf der Spur sind, aber Sympathie für seine Taten entwickeln oder unbescholtene Bürger sich als Schwerverbrecher entpuppen. Es gibt eine öffentliche und eine private Person, Reese und Finch haben nur die Zeit, die erste zu analysieren, die zweite entzieht sich ihrer Kenntnis.

In der Serie herrscht allenthalben Mangel an Vertrauen, was sie zu einer willkommenen Abwechslung im Meer der Serien macht, wo mit der Intimsphäre ihrer Figuren hausieren gegangen wird. Da erscheint es als Zeichen, wenn die Figuren in Person of Interest dazu neigen, sich beim Nachnamen zu nennen, immer schön die Distanz wahren. Die Person erblickt man erst über die Zeit oder extreme Umstände, so sehr sie auch von Interesse ist. Der Wert des Vertrauens steigt in der Serie genau dann, wenn Reese, der als Agent nur im Verborgenen agierte, den aufrichtigen Dank der Geretteten erfährt. Kleine, bescheidene Momente der Zwischenmenschlichkeit im flüchtigen sozialen Raum.

Ein gelungener Kompromiss

Person of Interest ist, wie gesagt, stark episodisch ausgerichtet, in jeder Episode folgt sie einer abgeschlossenen Fall-der-Woche-Form. Sicherlich ein Zugeständnis an den ausstrahlenden Sender, schließlich sind die komplexen Serienformate mit kontinuierlichen Handlungssträngen über Episodengrenzen hinweg besonders ausgefeilt und daher bei der Kritik beliebt, sie tun sich aber im Laufe der Zeit schwer, Zuschauerverluste aufgrund ihrer Einstiegshürde im späteren Verlauf zu kompensieren.

In Person of Interest ist eine folgenübergreifende Rahmung vorhanden, stünde allerdings im Schatten des episodischen Erzählens, wäre besagter Rahmen nicht gerade die Schilderung der brüchigen Bünde und langsam wachsenden Vertrauensverhältnisse der Figuren.

Viele klassisch episodischen Formate setzen auf eine personale Statik, gerade auch die crime dramas, mit denen Person of Interest viele Gemeinsamkeiten hat. Das soziale Gefüge in den Ermittlerteams wird in den crime dramas mit Bedacht nicht überspannt. Von einigen romantischen Verwicklungen abgesehen, werden die Beziehungen mit jeder neuen Folge wundersam auf Anfang gesetzt. Dagegen sind die persönlichen Beziehungen in Person of Interest ein selteneres und brüchigeres Gut, um sie muss gegen den Druck der Außenwelt gekämpft werden; damit sind sie unermesslich wertvoller als die zwischenmenschliche Starre in Serien, die ihre Figuren erkennbar bloß zur folgenlosen wöchentlichen Gefühlerei missbrauchen.

 
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Game of Characters

26 Nov

Seit längerer Zeit lege ich meine Gedanken zu der von HBO Serie von George R. R. Martins A Song of Ice and Fire zurecht; und auch wenn ich mir den Vergleich der Serie mit dem Buch sparen kann, weil ich die Bücher nicht gelesen habe, will mir nicht gelingen, meine Eindrücke zu dieser erstklassigen Serie festzuhalten. Eine Auffälligkeit, die mich besonders anspricht, muss ich aber loswerden. Solange Game of Thrones zwar eine Fantasy-Serie ist, die sparsam mit den Elementen des Genres umgeht, werde ich wohl von ihr begeistert bleiben.

Der klassischen Definition von Low Fantasy entspricht die Serie nicht, doch ist sie in entscheidendem Maße fernab der Bahnen, die mir Fantasy in der Regel madig machen. Was da in der Regel in der Fantasy kreucht und fleucht ist interessant, wird mit der Zeit durch strikte Archetypisierung doch zu eintönig. Wie behandelt Fantasy die Figuren? Nach Konfektionsgrößen. Alles muss geordnet aus seiner Schublade genommen, später wieder fein säuberlich dort abgelegt werden. Der Waldläufer, die Ritter, die Prinzessinen, die Orks, die Tyrannen, sie alle müssen ihrem jeweiligen Schema entsprechen. Erben sie aus dem bloßen Umstand ihrer Zugehörigkeit zu einem Archetyp die weiten Teile ihrer Fähigkeiten, werden diese plump höchstens noch durch eine besondere Neigung oder Begabung individualisiert. Das ist Schreiben nach Zahlen – oder Filmen, Erzählen, was auch immer. Zinnfigur nehmen, Farbe drauf, fertig ist die Fantasy.

Nicht so in Game of Thrones, wo die Archetypen zwar vorhanden sind, allerdings nur als soziale Plakette der fantastischen Welt, die sie bevölkern. Hat ihr Stand auch Einfluss auf ihr Verhalten oder ihre Chancen, in der Welt zu bestehen, er vereinnahmt sie nicht. Wo in der Fantasy gerne die Figur durch ihre archetypische Herkunft verabsolutiert ist, die Fremdwahrnehmung und -zuschreibung zum Maßstab wird, ist dies in Game of Thrones nur die äußere Hülle einer Figur, die noch stärker von ihren persönlichen Erfahrungen geprägt ist. In der Serie werden Figuren psychologisiert, in vollem Bewusstsein der entstehenden Brüche.

Das Erzählen in Game of Thrones zieht seine Spannung eben daraus, dass die Figuren auch zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung changieren müssen. Die Zinnfiguren werden lebendig in dem Maße, wie ihre eigenen Interessen mit der Wirklichkeit ihrer Persona kollidieren. Aus dem Schattenspiel vorgefertigter Verhaltensmuster aus dem Kabinett der Fantasy, die vor Berechenbarkeit nur so triefen, werden dramaturgisch ausgefeilte Kammerspiele zwischen eigensinnigen, allein ihren Zwecken dienenden Individuen.  Dass sie überhaupt Interessen haben, ist nur möglich, weil die Serie sich darauf einlässt, die Schablonen der Fantasy von diesen Figuren so weit es geht fernzuhalten. Insofern spielt die Serie nicht in unserer realen Welt, ihre Figuren stammen emotional wie psychologisch aber aus ihr. Auch wenn sie über magische Fähigkeiten verfügen können.

 
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American Horror Story

10 Okt

Jetzt habe ich ein Problem, auf den ersten Blick immerhin. Da hatte ich an Homeland vor allem bekrittelt, wie wenig die Zuschauerinnen und Zuschauer Ernst genommen werden. American Horror Story verfährt ähnlich. Grundlegende Informationen werden vorenthalten, um ab einem gewissen Punkt die Handlung grundlegend aus der Bahn zu werfen. Und doch kam ich in dieser Serie von Ryan Murphy und Brad Falchuk wesentlich besser damit aus.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass American Horror Story mit dem Übersinnlichen arbeitet. Was in dem Haus geschieht, das die Familie Harmon bezieht, ist nicht von dieser Welt. Die Logik ist eine andere. So gestand ich ihr zu, dass sie ihre Wandlungen durch Unvorhersehbares und Unvorhersagbares erstellt. Es ist ja nur eine kleine Serie, die an entscheidenden Stellen genügend Gemeinheit und Hinterhältigkeit bereithält. Von einer Horrorserie erwarte ich das. Der Horror hat seine eigene Regeln, im Zweifel auch die, dass es keine erkennbaren Regeln gibt.

Es wird ordentlich am Rad gedreht, etwas was Murphy und Falchuk auch in ihren anderen Serien Nip/Tuck und Glee gerne machen. Ruhige, ausgewogene Töne sind ihre Sache nicht. Spaß macht es trotzdem, weil die amerikanische Horrogeschichte in ihren besten Moment anständigen Grusel hervorruft.

 
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Homeland: Disbelief of Suspense

01 Okt

Howard Gordon und Alex Gansa waren maßgeblich an der Blaupause modernen nationalen Exzeptionalismus in Serienformat beteiligt. Sie trugen beide zum hochfrequenzgesteuerten Rumpelfernsehen bei, das mit 24 in seinen acht Staffeln den Agenten Jack Bauer rücksichtslos über alles und jeden hinwegfegen ließ. Bauer hatte eine eingebaute Etikettiermaschine, mit der er willkürlich allem Aufkleber mit der Aufschrift ‘Terrorist’ anheftete. Die von Bauer Stigmatisierten verloren augenblicklich jede Würde und alle Rechte.

So trugen auch Gordon und Gansa dazu bei, die Inversion von Kants Maxime, der Mensch sei ein Zweck an sich, niemals ein Mittel zum Zweck, zu propagieren, die so typisch für die US-Regierung unter George W. Bush ist: Kill ‘em all, let God sort ‘em out. (If they are not Americans.)

Gordon und Gansa dürfte der Wind, der ihnen für den ideologischen Simplizismus entgegenschlug, nicht gefallen haben. Von ihrer neuen Serie Homeland heißt es oft, sie diene auch dazu, den von 24 in Misskredit gebrachten Politthriller sowie Gordon und Gansa zu rehabilitieren. Schon letze Woche hatte ich angedeutet, wie wenig dies in meinen Augen gelungen ist.

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Homeland – Gegen alle Klischees

24 Sep

Was kümmert die Vergabe von Preisen, warum ficht es mich an, wenn Homeland eben mal bei den Emmys abräumt? Es müsste mir am Allerwertesten vorbeigehen, was die Nomenklatura des schönen Scheins und der roten Teppiche für preiswürdig erachtet. Doch bei Homeland komme ich nicht drumherum. Es schüttelt mich, wenn ich daran denke, wie leicht es anscheinend ist, auf eine Serie wie diese hereinzufallen. Um nicht nur aus dem Bauch zu ranten, wird es nächste Woche an dieser Stelle meine Begründung dafür geben, warum ich Homeland für das schlechteste beste Fernsehen halte, das im vergangenen Jahr für Aufsehen sorgte.

Dennoch kann ich es mir nicht so einfach machen, auf alles und alle in der Serie einzudreschen. Homeland als bestes Drama zu küren, ist das Ergebnis naiver Augenwischerei. Claire Danes und Damian Lewis sind in diesem effekthascherischen Thrillers um einen aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten US-Soldaten, der von einer einzelnen Sicherheitsbeamtin verdächtigt wird, ein Schläfer zu sein, herausragend. Sie verdienen das Lob, nur aus anderen Gründen.

Gerade Lewis werden in der ersten Staffel unmenschliche Abgründe und Twists aufgebürdet. Es ist seiner Leistung geschuldet, aus der unglaubwürdigen Figur eine erträgliche zu machen. Der von Lewis verkörperte Nicholas Brody ist ein fragiles Konstrukt eitelster Autorenschaft, gegen die der Schauspieler mit enormer Inbrunst zu Felde zieht. Die Drehbücher sind wuselige, hektische Fluchttiere, sie rennen aus Furcht vor Monotonie in jede Richtung, die Spannung verspricht. Auf Kosten von Verstand, Logik und Sinn. Lewis, und in geringerem Umgang auch Danes, spielen dagegen an.

Und meistens gelingt es ihnen, in den überbordenden Klischees Raum für Nuancen zu finden. Bei allem Ärger über die Auszeichnung als gutes Fernsehen darf nicht untergehen, welche Leistung sie Danes, Lewis und Kolleginnen wie Kollegen hier vollbringen. Warum Homeland dennoch eine Farce ist, werde ich also in der nächsten Woche in einem hochgradig verspoilerten Artikel niederschreiben.

 
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Revenge

18 Sep

Die personifizierte Vergeltung in Revenge heißt Emily Thorne. Unter diesem Namen kehrt Amanda Clarke in die noblen Hamptons zurück, um im Schutze der neuen Identität Rache an den Upperclass-Einwohnern der Siedlungen an der Ostküste der USA zu nehmen. Besonders an der Matriarchin des Grayson-Clans, den Emily bzw. Amanda für die unverschuldete Inhaftierung ihres Vaters und damit den Untergang ihrer Familie verantwortlich macht. Auf ABC läuft die Serie seit letztem Herbst mit einigem Erfolg, was nicht zuletzt daran liegt, dass ihr Aufhänger so simpel und urmenschlich ist wie das Motiv der Protagonistin.

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Kompromiss und Konsens, Revenge ist ohne jeden Zweifel Letzteres. Gutes, geradliniges Fernsehen, das sich nicht um Tiefe bemüht und zugleich oberflächliche Schablonen scheut. Es wird ein mittlerer Weg gefunden, das Publikum an die Figuren zu binden, ohne auf schematische Konstellationen zu bauen. Emily/Amanda dringt mit ihrem Gespür für die Schwächen ihrer Mitmenschen weit in die oberen Zirkel ein, es gelingt ihr sogar, sich mit dem ältesten Sohn der Graysons zu verloben, womit sie direkten Zugriff auf die Familie hat, die sie zerstören will. Sie will unerbittlich vorgehen, das gelingt ihr aber nicht, da der Blick hinter den Schein des Familienidylls ihre Empathie weckt. Revenge erzählt nicht bloß von der Rache, auch von der Schwierigkeit, sie konsequent auszuüben.

Der angesprochene Konsens besteht also gerade darin, eine alte Idee nicht innovativ, aber packend umgesetzt zu haben. Grundsätzlich als Thriller angelegt, offenbaren sich in den Folgen Stück um Stück Hintergründe. Ein Mittel, das auch schon der Vorgänger auf dem Sendeplatz, Lost, einsetzte. In Rückblenden werden Emilys Beweggründe und ihre minutiöse Vorbereitung deutlich. Genug, um von Folge zu Folge Spannung zu schaffen. Worin aber auch das größte Risiko besteht. Mit dem kontinuierlichen Verweis auf vergangene Ereignisse, die nur in Bruchstücken aufgedeckt werden, droht mit der Zeit lästiges Retrofitting. Die Figuren, die noch sehr glaubhaft und schlüssig aufgebaut werden, könnten mit allzu großem Ballast der Vergangenheit beladen werden. Damit würde leicht neue Spannung kreiert, die psychologische Glaubwürdigkeit der Figuren allerdings geopfert. Solange aber Revenge nur diese Gefahr in sich trägt, ihr aber weiterhin gut aus dem Weg geht, ist sie im besten Sinne kurzweilige Unterhaltung.

Titel: Revenge
Jahr: 2011
Land: USA
Genre: Thriller, Soap
Produktion: Mike Kelley u.a.
Darsteller: Madeleine Stowe, Emily VanCamp u.a.
 
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True Blood Staffel 5: Blutleer

13 Aug

Ein Holzpflock, säuberlich durch das Brustbein eines Vampirs gestoßen, macht Dreck. Von den irrtümlicherweise als unsterblich charakterisierten Blassen bleibt nicht viel. Unappetitliches Gekröse und sämiges Kunstblut. Das war’s. So scheiden die Blutsauger in True Blood mittlerweile in der fünften Staffel dahin. Vielen Unkenrufen zum Trotz, blieb ich der Serie treu. Unterhalten hat sich mich immer, so abstrus es auch wurde. Nach drei Vierteln der fünften Staffel gehen mir aber auch endgültig die Gründe aus, aus der Serie noch einen Rest Amüsement zu ziehen. Sie zerbarst direkt vor meinen Augen spätestens nach drei Folgen, als wäre sie selbst untot gewesen und nun gepfählt worden.

Und was uns da alles um die Ohren fliegt. Gegen die tumultartige Vermehrung der Fabelwesen vorangegangener Staffeln, die schon zu allerlei Kritik einlud, ist das verbale Arsenal schon geleert, um die künstliche Aufblähung von Plots und Charakteren zu beschreiben. Das verschossene Pulver hätten wir uns sparen sollen. Die aktuelle Staffel ist randvoll, sie ist womöglich aufgrund ihrer Masse geplatzt. Der Konfusion Struktur zu geben, fühle ich mich nicht imstande.

Lassen wir es einfach. Oder doch nicht? Also gut, ein paar Stichworte. In loser Reihenfolge: Tara, nicht tot. Nicht lange. Sie wird von Pam, auf Bitten von Sookie und Lafayette von Pam gewandelt. Pam entdeckt ihre, in Rückblenden angedichteten, vampirischen Muttergefühle für Tara, die fortan einen Groll gegen Sookie und ihren Cousin hegt und bislang zur strippenden Staffage im Fangtasia wird. Im Fangtasia trifft auch der liebeskümmerliche Hoyt ein. Erst ist er schlecht geschminkter Fangbanger-Emo, verpuppt sich zum Mutantenrassisten, kriegt aber doch noch die Kurve. Unser Hoyt. Habe ich da Jessica gehört? Die Nummer mit Jason wird nicht übersichtlicher, was auch den Autorinnen und Autoren auffiel, die es dann nach einigen Folgen schnell unter den Tisch fallenlassen. Es gibt ja auch Wichtigeres. Sookie zum Beispiel. Die eilt Eric und Bill zur Hilfe, als sie von der Authority genötigt werden, Russell Edgington endgültig den Garaus zu machen. Alcide darf da auch noch aushelfen, bevor der Plot rüde abgegrätscht wird und sich die Wege der Protagonisten trennen. Alcide wird in einen jämmerlichen Subplot verbannt, der ihn als einsamen Wolf ohne Rudel zurücklässt. Eric und Bill nehmen eine alternative Bibelstunde und feiern derweil Orgien mit einem wildgewordenen Lilith-Kult an der Spitze der Authority. Irgendwo muss die Nacktheit ja herkommen. Und die Intrigen auch. Von Löchern in Plots brauchen wir nicht sprechen, genießen wir doch einfach die Rückkehr von Russell Edgington, der Teil des Kults ist. Ebenso der ehemalige Reverend, Steve Newlin. Einst vampirhassender Hassprediger, nun zum Vampir gewandelt, was ihn auf seltsame Weise auch homosexuell gemacht haben soll. Zurück zu Jessica und Jason. Ach, das wollte ich doch lassen. Also nur Jason. Mir geht die Luft aus, dazu noch was Gescheites zu schreiben. Und Sam? Den hatten wir noch gar nicht. Gut, es muss wohl sein. Hier ein paar Szenen mit Jason und den Mutantenhassern, gegen die Jason ermittelt. Da einige mit Sam, der von jenen angegriffen wurde. Und so weiter. Ein weiteres Abstellgleis für einstmals liebgewonnene Figuren. Hatte ich erwähnt, Sookie macht sich aus heiterem Himmel auch noch auf die Suche nach dem Mörder ihrer Eltern, der ein Vampir sein muss. Wer brachte sie darauf? Wen hatten wir noch nicht? Die Feen. Dann schwirren noch ein paar lockere Handlungsfäden mit Lafayette herum. Er ist nun also ein Medium. Wer fehlt noch? Terry Bellefleur wird von seiner Irakkriegsvergangenheit in Form eines Ifrits eingeholt. Der Feuerteufel steckt auch hier im Detail.

Was auch immer die Produzenten und Autoren zu der Annahme geführt hat, mit all diesen Geschichten kaschieren zu können, dass ihnen die Puste ausgeht? Es hat nicht gefruchtet. Selten habe ich erlebt, wie einer Serie das Interesse an ihren Figuren in einem solchen Ausmaß ausging. Im Chaos der Subplots verliert sich jeder Sinn, der zuvor errichtet wurde. Reine Effekthascherei übertüncht dabei nicht die Schwächen. Es reicht nicht, die Zuschauerinnen und Zuschauer mit allem zu bewerfen, was ihnen da durch den Kopf ging. Überfrachtet und jeder Emotionalität beraubt, hastet die Serie zwischen den auch räumlich getrennten Figuren hin und her. Im Rausch von Blut, Sex, Gewalt und debilen Twists sticht nur hervor, dass eine einstmals großartige Serie sich selbst zerfleischt hat.

 
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Serienstarts Fall Season 2012 – Must-see

31 Jul

Und da ist sie, die sehr subjektive Liste der Serien, die mich packen könnten. Dazu sei gesagt, unterm Strich haut mich die Fall Season nicht besonders vom Hocker. Wirkliche Glanzlichter zeichnen sich noch nicht ab. Aufgrund der zugegeben oberflächlichen Beurteilung der Trailer kann der Eindruck täuschen.

Red Widow

Diese Serie ist in dieser Liste ein Wackelkandidat. Es spricht in meinen Augen einiges für deren Ausrichtung. Nach der Ermordung ihres kriminellen Mannes, übernimmt Hausfrau Marta Walraven die Geschäfte ihres verstorbenen Gatten.

Es sind im Grunde simple Geschehnisse, die eine Handlung vorantreiben, in der Marta Walraven in die organisierte Kriminalität einsteigt, um ihre Familie zu schützen. So simpel ist es, dass genügend Raum für eine allmähliche Steigerung der Einsätze bleibt. Sofern der Serie also die Zeit gegeben wird, die Handlung durch ihre Figuren reifen zu lassen, könnte sich Red Widow zu einem spannenden Thriller entwickeln.

Argwöhnisch macht mich lediglich die theatralische Inszenierung von Leid und Trauer im Trailer. Doch auch hier gilt, es ist nur ein Trailer, der nach mir unbekannten Regeln erschaffen wird, um selbst die einfältigsten Zuschauerinnen und Zuschauer zu locken. Und wenn ihnen dafür emotional über den Schädel geschlagen werden muss, dann wird dies halt umgesetzt.

Revolution

Hinter den von J.J. Abrams produzierten Serien stecken immerhin ordentlich Budgets. Wer wundert sich da also über einen ordentlich polierten Trailer für die im September startende Revolution. Dabei dachte ich zunächst an Alan Weismans Sachbuch The World Without Us, doch anscheinend dockt diese dystopische Serie an der Emberverse-Buchreihe an. Sagt mir nichts, aber der Trailer gibt das hier her.

An sich gibt es nach dem Trailer nichts an der von Eric Kripke verantworteten Serie zu beanstanden. Dessen Supernatural ließ mich seiner Oberflächlichkeit wegen kalt, hat aber doch ein ordentliches Gefolge gehabt. Und Abrams steht immerhin dafür ein, dem seriellen Erzählen eine Spannung einzuimpfen. Wie auch immer gelungen die Serien waren, sie hatten ein ordentliches Tempo und ausreichend Mysterium, um immerhin zu unterhalten.

Nach übernatürlichen Verschwörungen in Alias und Fringe, zunehmender Zeitwirrungen in Lost und eigenwilliger Wiederkehrprämisse im letztlich glücklosen Alcatraz werden wir also in eine nach globalem Blackout zur Dystopie verkommene Welt geworfen. Neben einer hervorragenden Optik, jeder Menge Schwertkämpfen und der obligatorischen konspirativen Handlung ist noch nicht viel zu sehen. Dennoch kann ich nicht anders, denn schließlich war auch Person of Interest nicht mit einem Trailer gesegnet, der dessen Stärke betonte. Es ist zwar eigentlich nicht der Ort für ein Loblied auf dieses Meisterwerk der letzten Saison, aber es muss gesagt werden. Person of Interest war so wenig aufgeregt, dass es beinahe ermüdend wirkte. Durch die Hintertür schlich sie sich aber wieder heran. In ihrem Zentrum steht etwas, das ein Trailer niemals wird vermitteln können. Aus dem Geflecht der unterschiedlichen Interessen der Figuren dieser ebenfalls dystopischen Welt, die allerdings weniger augenscheinlich ist, entwickelt sie einen reizvollen Sog. Es geht ihr um Vertrauen abseits der moralischen Pfade, um das Verblassen der Konturen von Gut und Böse im Dämmerlicht der Dystopie.

Allein wegen dieser Unvorhersehbarkeit, die in vielen Abrams-Projekten steckt, wird Revolution von mir die Chance erhalten, die sie verdient.

Vegas

CBS geht all in. Vor der Kamera Dennis Quaid, Michael Chiklis und Carrie-Ann Moss, dahinter Koautor Nicholas Pileggi und Regisseur James Mangold.

Natürlich hat CBS den Markt sondiert. Mad Men ist stark wie eh und je, Boardwalk Empire ist thematisch verwandt. Beide sind auf ihre Weise herausragende Serien, die auch ihr Publikum fanden. Letztes Jahr missglückte zwar schon bei ABC der Versuch, mit den Zutaten des Retro-Chics beim Publikum zu punkten. CBS geht aber, wie gesagt auf’s Ganze.

Mangold hat vor allem mit Walk the Line Erfolg gehabt, aber für diesen modernen Western um den von Quaid gespielten Sheriff im aufstrebenden Las Vegas der 1969er qualifiziert ihn sein 3:10 To Yuma. Pileggi ist ohnehin erzählerisch auf Vegas eingeschossen, dürfte also eine ordentliche Portion Erfahrung mitbringen, um für spannende Storys zu sorgen. Ansonsten bleibt nicht viel zu sagen, denn es bleibt auch bei diesem teuer aussehenden Trailer ein Glücksspiel, ob das Versprechen gehalten werden kann. Die Voraussetzungen für einen kantigen Serienklotz sind aber gegeben, auch wenn natürlich die Zügel in der Serie nicht so angezogen werden können, da es ja nun nicht auf einem der Kabelsender ausgestrahlt werden wird, die mehr Freiheiten haben.

 
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