Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (3/4)

Der No-go-Serien dritter Teil. Das bedarf keiner weiteren Erläuterungen. Mittenrein ins Getümmel.

Chicago Fire

Muskelgestählte junge Männer drücken ihre Stimme tief bis zu ihrem Skrotum runter, pressen markige Sprüche heraus, denn sie stürzen sich als Helden des Alltags ins Feuer. Währenddessen dürfen sich die stets gut geschminkten, doch von Selbstzweifeln geplagten Notärztinnen um die aus den Flammen Geretteten kümmern. „Don’t think. Just do it.“ Die Keyboard-Streicher kleistern falsche Bedeutung über das Nichts.

In diesem Trailer zu NBCs neuem Feuerwehr-Drama quillt das Pathos zu allen Seiten aus. Selbst Harald Glööckler dürfte dies eine Spur zu pompös sein. Feuerwehr scheint nicht zu besonnen erzählter, realistischer Beschreibung einzuladen. Wann widerstehen Autoren endlich dem kläglichsten aller phallischen Symbole? Nach diesem Trailer also eine klare Null mit Feuerwehrhelm. Schade eigentlich.

The Neighbors

„Na-Nu Na-Nu.“ Dan Fogelman kommt mit dieser Serie um die Ecke. Jetzt bitte schnell noch einmal auf die Systemuhr am Rechner schauen, Uhrzeit und Datum notieren. Nun erst das Video abspielen.

Wer musste nun ungläubig auf die Notizen starren, um sich des gegenwärtigen Datums zu versichern? Fogelman schrieb schon die Drehbücher für die weniger gelungenen Cars-Filme von Pixar, dass er aber im Jahre 2012 mit solch rabiat-unkomischen Außerirdischen daherkommt, hätte ich ihm nicht zugetraut. Altbacken ist noch eine harmlose Bezeichnung. Fremdscham lässt mein schmerzverzerrtes Gesicht gewohnheitsgemäß zur Zimmerdecke wandern, diese gut abgehangenen ‚Gags‘ sind aber spätestens seit Mork & Mindy dem Tod geweiht. So hatte ich dann auch noch Tränen in den Augen. Fogelman kann gerne wieder auf seinen Heimatplaneten zurück.

Next Caller

Vorurteile sind, da stimme ich noch zu, in der Regel schädlich. Sie aber für vollends nutzlos zu halten, dem entgegne ich: Manchmal, nur manchmal, dienen sie auch zum Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder der seelischen Balance. Eines meiner derart zum Selbstschutz deklarierten Vorurteile betrifft Dane Cook. Dieser Mann ist nicht lustig – und wie Dirk nicht in Seattle ist (Egal, ob das Lied alt ist, es ist großartig!) – wird Cook wohl auch nie mit Absicht Lacher hervorrufen.

NBC gibt Cook nun also eine halbstündige Sitcom, in der er als Radio-DJ unverschämterweise in seiner Sendung nicht mehr allein moderieren soll. Dass es auch noch eine Frau ist, die ihm da vorgesetzt wird, macht es nur schlimmer. Und bei diesem Szenario in Verbindung mit Cooks zumindest körperlicher Anwesenheit im Bild ist Schlimmes zu befürchten. War dieser Aufhänger in seiner verkehrten Fassung in 30 Rock noch eine großartige Anspielung auf quotengesteuerte Besetzungsfragen, wurde da doch aus The Girlie Show schnell TGS with Tracy Jordan, ist es kaum vorstellbar, dass Next Caller diese Problematik auf hintergründige Weise reflektiert. Eher sind derbe sexistische Zoten zu erwarten. Will ich diese aber? Zumal es sie schon in nahezu perfekter Form und mit einem Augenzwinkern in Anchorman gibt? Nein.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (2/4)

Und weiter geht’s mit den Trailern für die No-Go-Serien in diesem Herbst.

The Family Tools

Heute schon gelacht? Wie wäre es hiermit?

Nein, vielen Dank. Ich kaufe grundsätzlich beim schwedischen Einrichtungshaus, weil ich lokale Familienunternehmen verachte. Die sind mir zu humorlos. Entgegen den Geboten der Höflichkeit, wünsche ich der Serie doch einen schnellen Niedergang, damit der herausragende J.K. Simmons wieder anständige Sachen machen kann.

Guys with Kids

Schnallen wir uns die Blagen vor die Wohlstandswampe, zischen ein kühles Bierchen in der Stammkneipe und lamentieren über die soziale wie familiäre Kastration. Ginge es nach NBC, sollte es schon für genügend wohlstandsgeplagte Väter vor dem Flimmerkasten sorgen, die sich ihre auf Seelenverwandschaft glattgebügelten Pendants ansehen.

NBC reagiert auf soziale Änderungen, indem es die neuen Männerbilder in alte Sitcomschablonen presst. Das muss und sollte sich nach diesem mauen Trailer nun wirklich niemand antun. In wirklich jeder Sekunde des Trailers trällerte ein debiles Klagelied über die verlorene Männlichkeit. Mittelschicht kriegt eben nur Mittelmaß. Und manchmal kommt es noch schlimmer. So billig wie Vatertag.

Nashville

Connie Britton ist noch immer alles zuzutrauen. Welche Gründe sie auch immer hatte, diese klischeebeladen wirkende Rolle anzunehmen, wird ihr Geheimnis bleiben. Hoffentlich war es nicht Geldmangel, wie der ihrer Rolle.

Der einen Hauptdarstellerin, Britton, ist jeder Erfolg zu wünschen. Der anderen, Hayden Panettiere, grundsätzlich auch, nur liegt das weniger an ihrer schauspielerischen Klasse. Schon die wenigen Bilder des unnachgiebig plumpen Kampfes zweier Countrysängerinnen um Ruhm und Anerkennung zeigen: Panettiere wird mit Britton nicht mithalten können. Beruht eine Serie wie Nashville anscheinend allein auf dem Antagonismus der Figuren, sollten diese herausragend besetzt sein. Da kommen Zweifel auf, wenn die Fronten in Sachen Talent so klar sind.

Wenn für Britton schon keine schauspielerische Konkurrenz in Aussicht ist, bleibt es an den Drehbüchern hängen. Callie Khouri zeichnet für Nashville als kreativer Kopf verantwortlich. Sie schrieb schon das Drehbuch des zum Frauenpowervehikel hochgejazzten Thelma & Louise. Für das Mainstreamkino war er das wohl auch, weshalb Khouri den Drehbuch-Oscar erhielt. Preise sollte sie für Nashville aber nicht erwarten, sofern der Trailer nicht völlig an der Serie vorbei wirbt. Hat es alles schon gegeben, doch die Erwartungshaltung ist nicht sehr hoch. Dafür ist alles ein wenig zu simpel gestrickt. Die eine Sängerin, hat den Höhepunkt der Karriere hinter sich und muss zusehen, wie selbst ihre Kinder den poppigen Country des aufstrebenden Starlets bevorzugt. Dieser vermutliche Zickenkrieg ist von Thelma & Louise so weit entfernt, wie die 1992er Frauenpowerfassade von ordentlichen Frauenfiguren der jüngeren Filmgeschichte. Dennoch könnte das Paket eines melodramatischen Country-Musicals bei der Zielgruppe, zu der ich sicherlich nicht gehöre, punkten.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (1/4)

Im üblicherweise recht serienschwachen Sommer schwitzen die Sender in den USA üblicherweise die Trailer für die im Herbst anstehenden Serienstarts aus. So auch dieses Jahr. Grund genug, aus den um Aufmerksamkeit buhlenden Serienschnipseln diejenigen rauszupicken, die eventuell einen Blick lohnen könnten. Die Midseason-Starts habe ich mir gespart, The Following und andere Serienstarts werden hier also nicht weiter Erwähnung finden.

Und dieses Mal wird es eine überbordende Trailershow. Daher habe ich ein wenig Platz im Kalender schaffen müssen. Der Montag und Dienstag werden im Juli ganz im Zeichen der Trailer stehen. Den Anfang machen, wie schon für die Fall Season 2011, die eher uninteressanten bis gänzlich grauenhaft wirkenden Serien, wenn es nach den Trailern geht. Anschließend folgt eine lange Latte der Serien, die aus verschiedenen Gründen nicht vielversprechend, doch aber interessant genug wirken. Den Abschluss bildet eine kleine Auswahl von höchstens drei Serien, die ich unbedingt sehen will.

1600 Penn

Diese verkürzte Adresse ist hierzulande wohl nicht sehr geläufig. Es ist die Anschrift des Weißen Hauses. NBC lässt hier Bill Pullman und Jenna Elfman als US-Präsident und First Lady samt Rest der dysfunktionalen Familie einziehen. Dysfunktionale Familie im Weißen Haus, wie subversiv.

Anscheinend ist der Sicherheitsdienst aber zu wachsam, Lacher lässt er nicht durch. Immerhin dürfen wir wohl erfahren, was der US-Präsident Pullman nun macht, nachdem die Alieninvasion seine erste Familie am Independence Day ausgelöscht hat. Gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen.

Animal Practice

Nun gut, er spricht nicht mit den Tieren. Sie auch nicht mit ihm. Zumindest verkneift sich der Trailer die dümmliche Dr. Dolittle-Masche. Aber besser wird es nun wirklich nicht, sehen wir doch einen tierlieben, notgeilen Veterinärmediziner.

Das soll für eine Serie reichen? Da muss noch eine Menge Überzeugungsarbeit geleistet werden, bis ich an Bord komme. Crystal the Monkey, dieses niedliche kleine Äffchen im Trailer wird übrigens als Teil des Casts angegeben. Das nur am Rande, finde ich ja schon fast wieder, ne, finde ich doch nicht. Mein Meerschweinchen meint, es sei keinen feuchten Köttel wert.

Beauty and the Beast

Was ist besser als eine originelle Idee? Eine alte. CW gräbt die Mär um die Schönheit und die menschelnde Bestie aus, fügt modische Düsternis und pubertäres Pathos hinzu.

Immerhin wird Kristin Kreuk den Ansprüchen der Serie an ihre Figur gerecht werden können, die Schauspielerei allein überfordert sie doch arg. Für Beauty and the Beast dürfte es aber reichen, denn es scheint von CW nur als inhaltlicher Anschluss zu den Vampire Diaries gedacht, die direkt vor diesem Aufwasch des alten fränzösischen Märchens ausgestrahlt wird. Das sieht nicht nach mehr als zielgruppengerechter Konfektionsware aus.

Kleine Randnotiz: Andere Meinungen zu den Serienstarts gibt es hier im Podcast Fortsetzung folgt.

Zurück in die Zukunft ist besser als Schindlers Liste

Manchmal will ich ja nur etwas Zeit verstreichen lassen. Ich hasse es, auf den Bus oder Zug warten zu müssen. Und Wartezimmer, eklig. Wenn ich kein Spiel, Film oder sonst etwas habe, das mich abglenken kann, dann wandere ich rüber zu flickchart. Ich weiß nicht, was es ist, das mich immer wieder dorthin zieht. Vielleicht die Stumpfsinnigkeit, mit der man schlicht einen Battle zwischen Filmen nach dem anderen durchzieht. Am Ende hat man dann eine hierarchische Anordnung der Filme, die man gesehen hat. Weiterlesen

Serienstarts in den USA im Herbst 2011: Will ich sehen

Herrje, sind das noch viele Serien, die ich hier vor mir habe. Als ich mit der Aufstellung der Serien begonnen hatte, war mein Eindruck, dieses Jahr wäre nicht viel los. Diese Ansicht muss ich anhand der verbliebenen Serien revidieren. Es ist zwar mit Sicherheit kein Muss dabei, das sich förmlich aufdrängt, wie im Vorjahr etwa The Walking Dead oder Boardwalk Empire. Auch wüsste ich nicht, was einen Geheimtipp darstellen könnte, wie das oft gelobte Community. Aber es versprechen doch eine stattliche Zahl von Serien, gute und bisweilen auch anspruchsvolle Serienkost zu werden. Rechnet man also die üblichen Versager und leeren Versprechungen raus, sollte diese Jahr doch mehr drin sein, als ich anfangs dachte. Deshalb gibt es heute auch zu jeder Serie einen passenden Trailer. Let’s go. Weiterlesen