Linkgebliebenes 24

Ach, wenn’s so weit ist, sind wir alle.schon lange nicht mehr da.

Copyright-Trolle finden sich überall. Sollte es sich bewahrheiten, das Copyright für ‚Happy Birthday‘ tatsächlich schon verfallen sein?

Die rassische Symbolik ist mittlerweile so dick aufgetragen, sie quillt zu allen Seiten raus. Game of Thrones ist fantastisch, doch der eklatante Chauvinismus ist störend.

Dies bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen, diese bigotten Konservativen…

Prophylaktische Strafverfolgung. Das klingt schon nach Gänsehaut. Wird auch nicht besser.

Welch Ironie. Wenn es nicht so traurig wäre. Sollte es tatsächlich so kommen, dass ein Hacker eine höhere Haftstrafe erhalten könnte, als die Vergewaltiger, die er enttarnte.

Das diese alte Schutzbehauptung noch zieht. The sexism it burns.

Und auch aus der Geek-Kultur schlechte Neuigkeiten.

‚Sprachreiniger‘ sind so leblos wie die Sprache, die sie fordern. Andere Spießbürger haben Stöcke dort, wo die ‚S9yprachreiniger‘ sich ein Kompendium zur Orthographie hingeschoben haben.

Es ist naheliegend, kann aber nicht oft genug betont werden. Alle Vorstellungen einer Meritokratie sind im besten aller Fälle ein fehlgeleiteter, unterkomplexer Begriff sozialer Auslese; meist aber doch nur eine Nebelwand, die irrationale soziale Selektion legitimieren soll. Nach innen wie außen.

Exklusionismus für die Macher, die Gott gewordenen Silikonen.

ZEIT ONLINE: Im Prinzip eine feine Sache die API, aber…

Sehe ich das richtig, die Im November letzten Jahres gestartete API von ZEIT ONLINE bietet alles bis auf eine Volltextsuche? Da kann ich mir lange die Augen reiben, die Lizenz klingt so:

Die Speicherung und Ausgabe des Volltexts von Artikeln ist zum derzeitigen Stand nicht möglich. Bitte beachten Sie, dass die Beiträge unserer Autoren dem Schutz des Urheberrechts unterliegen. Falls Sie ein Projekt auf Grundlage von Volltextübernahmen planen, möchten wir Sie bitten, mit uns Kontakt aufzunehmen. Es gelten die Allgemeinen Nutzungsbedingungen von ZEIT ONLINE. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.

Ich will ja nur suchen, nicht wiedergeben oder speichern. Dann schaue ich mir mal die Endpoints an. Da ich Volltexte durchsuchen will, klingt Content doch genau richtig. Doch die Inhalte werden nicht durchsucht, wenn ich es richtig sehe, allenfalls eine Zusammenfassung kommt dabei rum. Bei den Keywords ist mein Vertrauen auch nicht so groß, dass mehr als nur die relevantesten Begriffe ausgewertet werden können. Im wahrsten Sinne des Wortes ist es nicht, was ich suche.

Auf Anforderung gibt es da Möglichkeiten? Nicht meine Sache. So schön eine API für eine der renommiertesten Wochenzeitungen Deutschlands ist, mit der Beschneidung des reizvollsten Datenbestandes, alleine schon nur zur Auswertung, bleibt die API zwischen Datenfreizügigkeit und Urheberrechtsschranken gefangen. Und ehrlich, der trockene Hinweis auf die Urheberschaft der Autorinnen und Autoren lässt Schlimmes erahnen, sollte das Leistungsschutzrecht, wovon auszugehen ist, kommen. Ich benutze keine API, die mir jeder Zeit juristisch eins um die Ohren hauen kann.

So viel dazu, bevor ich einen API-Key hole, wenn ich einen hole sollte.

Linkgebliebenes 9

Dann lacht mich eben aus, ich halte Super Hexagon für eines der besten Spiele aller Zeiten, und ich finde nicht, eine Inflation der Superlative zu betreiben. Terry Cavanagh hat einen Arcade-Titel in Perfektion gemacht, Super Hexagon ist frustrierend und beruhigend in einem perfekten Gabzen, am Ende ringt es mir, der mit beiden Füßen auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist, die Vokabel ‚meditativ‘ ab:

Außerdem hatte ich es zwar angesprochen, nur nicht deutlich genug: chipzel hat kongeniale Chipmusik für Super Hexagon gemacht und noch mehr davon. Eigentlich überhaupt nicht mein Metier, das Elektronische. Wenn’s halt gut ist.

Verschwendete Zeit? Nicht wirklich, versucht es mal in monotonster Schreibtischarbeit. Ein „Spiel“, geschrieben zu Ehren von David S. Gallant, dessen I Get This Call Every Day wirklich eine fantastisch effektive Erzählung und Frustbewältigung ist. Was Gallant seit Erscheinen des Spiels widerfahren ist, wurde hier in schön übersichtlicher Form kompiliert. Wie sieht’s aus? Lust selber mal Spiele zu machen? So schwer ist das auch nicht.

Und überhaupt, das ist bislang eine ziemlich gut gelaunte Linkscheuder heute. Die Befindlichkeit wird auch immer besser, wozu auch dieser Animationskurzfilm Paperman beitragen dürfte. Mit der Zeit nimmt es mit der Zauberhaftigkeit ein wenig Überhand, verliert aber nie ganz den Charme.

Und da ist sie doch noch, die Spaßbremse, es riecht beißend nach verbranntem Gummi, so schmeckt das Wort ‚karzinogen‘ auf der Zunge: Bin schon allein mit diesem Artikel der Abmahnung zwei Schritte näher, was bette ich auch mir nichts, dir nichts Videos über Youtube ein? Dann doch gleich lieber die Furcht vor den Advokaten im Flimmern und Rauschen der deutschen Medienlandschaft ertränken.

Wenn die Stimmung doch schon mal abgekühlt ist, können wir gleich auch noch mal den Finger in die Wunde legen. Schließlich hat sich das Land, das sich selbst das Etikett angeheftet hat, Heimat der Dichter und Denker zu sein, dabei verschweigt, dass der Großteil des gestriegelten Höhenkamms schon lange unter der Erde liegt, nun, dieses Land musste ja einige Tiefschläge in der kulturellen Landschaftspflege hinnehmen. Das ist auch über dem großen Teich aufgefallen. Da wäre einerseits der sagenhafte Einsatz eines gewissen Denis Scheck, der im Namen der Kunst, der Freiheit und überhaupt einen Sprung in die pechschwarze Schuhwichse wagte, und doch nur als mit Alltagsrassismus begossener Literaturwart wieder rauskam.
Und auch das größte Vehikel der deutschen Populärkultur fand Erwähnung, auch wenn nichts wirklich Bahnbrechendes in dem Artikel steht. Aber man wird doch wohl auch in der deutschen Fernsehlandschaft davon träumen dürfen, dass bessere Zeiten anbrechen mögen, selbst wenn dies hieße, nur mit der Zeit Schritt zu halten. Wann lernt Deutschland, dass kein Blick so verklärt ist, wie der in die Vergangenheit.

Linkgebliebenes 8

Heute kommt die kleine Rundumschau mal ohne Sexismus-Themen aus, das war dank #aufschrei zu viel für mich. Gut, fast. Da wäre die Sache mit einer fiesen Masche der Glee-Verantwortlichen, die eine herrliche urheberrechtliche Volte schlugen. Elyse von skepchick.org findet aber auch auch noch seltsame Vergewaltigungsapologetik in derselben Glee-Folge.

Tjaha, nur gut, dass faz.net noch klare Fronten kennt. Schließlich nehme der Antiamerikanismus, von übelsten Negativklischees geprägt, in der deutschen Bevölkerung seit Jahren zu. Die ‚Analyse‘ der Beweggründe macht dabei keine Gefangenen, die Freund-Feind-Kennung des Textes ist so feinjustiert wie die einer Drohne. Und es müssen Klischees sein, denn beispielsweise schätzen die Deutschen die wissenschaftliche Leistung der USA nicht genug, doch würde mich nur mal interessieren, wie viele Nicht-Amerikaner in diesem Wissenschaftsbetrieb tätig sind?

Das war dann doch mehr Eindimensionalität, als gut für mich ist. Die Augen zu schließen ist halt Realitätsverweigerung, nicht Komplexitätsreduktion. Esst mal ein leckeres Gericht mit Quinoa. Beim Guardian lässt sich schön nachlesen, warum unsere Welt nicht plump gut oder schlecht ist, sondern erst mal komplex. Sehr kompliziert.

Noch mehr Komplexität gefällig? Freie Meinungsäußerung heißt eben manchmal auch das hier, wenn niemand einschreitet. Und jetzt hatte ich großspurig eine Linkumschau minus Sexismus-Themen versprochen, kann aber nicht davon lassen: Lena Schimmel macht #aufschreistat. Feine Sache das, aber in Java.

Vor der tausendfach verschachtelten Welt fliehe ich, viele andere auch, in eine andere, scheinbar simplere. Klassischer Eskapismus eben, doch die Kultur, die entsteht, schwappt in größere, ganz und gar wirkliche Kontexte über. Verteidigung wird notwendig? Vielleicht.

DerWeltWurd0chImm4Schlimmerer

Linkgebliebenes 4

Heute gibt es eine Warnung, warum alte Liebe in Sachen Diablo 3 schmerzhaft sein kann. Der Kampf ums Urheberrecht geht unvermeidlich eine Runde weiter – jetzt plakativ mit Eingeweiden. Wie Innovation im Internet auf Touren gebracht wird. Wenn Gezwitscher zur Überwachung führt und wie dies verhindert werden kann. Eine analoge Hochzeit der Kopimisten darf auch nicht fehlen. Und ab dafür. Weiterlesen

Zwischen Skylla und Hybris

Es ist gar nicht so lang her, da hat Kim Schmitz aka The-Man-With-The-AKAs sich noch sicher gefühlt und zu sagenhaft aufgeblasenen Aktionen die Fanfaren erklingen lassen, sobald er nur vor die virtuelle Haustür getreten ist. Das sieht jetzt, da sein Imperium gescheitert ist, selbstverständlich etwas anders aus. Die Folgen des Takedowns von Megaupload sind noch lange nicht absehbar. Das FBI hat in einem furiosen Schlag die Masse der Filehoster-Dienste in Bewegung gebracht. Megaupload reißt eine enorme Schneise, zieht dabei andere mit ins Ungewisse. Weiterlesen

Kopimismus – Die Kopie, die Kirche und das Internet

Ja holla, heute gibt es aus gegebenem Anlass die feierliche Einweihung einer lockeren Reihe hier auf kultprok: Kultprok investigativ! Yeah, holy shit. Das geht so ab, man glaubt es nicht. Null Leserschaft, hundert Prozent das, was eigentlich nur eine Mail, ein Tweet und ein paar Chats sind. Aber als Journalismus etikettiert klingt es gleich geil hoch drei. Und ab dafür. Weiterlesen

Meine große Klappe und *trommelwirbel* … Tierethik. Wer hätte das gedacht?

1) Da wollte ich nur schnell in der Bibliothek einige Literatur für meine mündliche Abschlussprüfung holen, da stolpere ich doch gerade über alte Bekannte aus meinen Fachschaftszeiten. Aus der nach Plan nur kurzen Visite wurde dann ein dreistündiger Aufenthalt. Die genauen Umstände, wie es dazu kam, sind nicht so wichtig. Allerdings hatte ich mich mit einer beiläufigen Herablassung Adornos den Stein ins Rollen gebracht – und mir gleich, wie hätte es anders sein können, einen schlechten Stand verschafft.

„Adorno ist in meinen Augen nicht mehr als ein Hirnficker.“ Das waren meine Worte. Weise gewählt, wie man es von mir kennt. Diese verbale Einladung zur Widerrede nutzten meine alten Bekannten sogleich. Lange Rede, kurzer Sinn: Agree to disagree. Das war das Ergebnis. Allerdings, wir waren schließlich in der Philosophie-Bibliothek (Warum ich mir auch solch einen Ort für eine reflektierte Analyse der Frankfurter Schule und Kritischen Theorie aussuchen musste?), nahm ich mir auf Anraten der mich umgebenden Adorno-Verteidiger, die Soziologischen Schriften I von Adorno mit, da ich wenigstens den Anmerkungen glauben schenken wollte und auch musste, dass dort schon in einigen kurzen Aufsätzen seine Position deutlicher ist, als ich das bisher wahrgenommen hatte. Ich habe auch schon einen Blick in die Aufsätze gewagt, doch fiel mir gleich ein rein persönlicher Grund ein, warum Adorno mir Unbehagen bereitet: Adorno ist rhetorischer Militarist, mit allem was dazugehört. (Ich weiß, das von mir mit meinem Geschwurbel, das aber noch nicht einmal so stark ist wie Adornos. Und schon wieder so eine Falle, die ich mir selbst gestellt habe.)

2) Zur Erheiterung, weil es ja ein wesentlich einfacheres Thema ist: Hier mal eine Linkempfehlung zu telepolis, wo es einen zwar nicht sehr satten, aber doch interessanten Artikel gibt: Diskriminierung von Tieren heute ähnelt der von Frauen, Schwarzen oder Schwulen. Was mir nicht so zusagte, war der Hinweis, dass es sich um eine theologische Position zur Tierethik handelt. Nicht mein Ding. In Texte zur Tierethik ist auch ein kurzer Abschnitt Gotthard Teutsch zur ‚Würde‘ enthalten, der theologisch (wohl christlich) argumentiert. Den wollte ich im egomanischen Lesezirkel einfach auslassen, aber vielleicht findet sich doch noch ein Ansatzpunkt.

Im Artikel war dann auch gleich noch der Hinweis auf das Oxford Centre for Animal Ethics und die neue Zeitschrift Journal for Animal Ethics (JSTOR-Paywall, dammit. VPN-Verbindung zur Bib wieder einrichten, Dreck!). Aus den Zielen der Seite:

We cannot change the world for animals without changing our ideas about them. Philosophers have led the way in helping us to think differently about animals.

Academics should now lead the way in furthering ethical attitudes and contributing to informed public debate.

Our concern is to establish an unashamedly elite school of academics able to make an effective ethical case for animals.

The Centre is opposed to violence and illegality, and will not appoint Fellows who advocate violence or law breaking.

Das ist doch genau meine Sache. Feed-Aggregator wird angeschmissen, damit mein ohnehin schon stattliches Pensum noch anschwillt. Yeah!

3) Nachtrag zum Beitrag vom Mittwoch: Kauderwelsch. Dieses vermaledeite Urheberrecht macht es den Gegnern der eigenen Position zu Urheberrechtsverstößen echt einfach, Argumente für eine Änderung desselbigen zu finden.

Meine Chronistenpflicht ist hiermit für heute erfüllt.

Berliner Nadelstiche?

Ist das ärgerlich, dass ich nicht darauf gewettet habe, wann nach dem Wahlergebnis in Berlin die ersten Stimmen aufkommen, die nach dem Schutz des ‚Urheberrechts‘ rufen. Dabei ist ‚Schutz‘ im Sinne von Verschärfung gemeint. Dieser Schutzreflex war unausweichlich. Und doch habe ich ihn nicht vorhergesagt. Hätte ich es mal getan, ich hätte bessere Erfolgsergebnisse gehabt, als manch andere Prophetie. Man hätte sich nur nicht auf Namen festlegen lassen sollen. Oder eben nach statistischer Auswertung der Vor- und Nachnamen der üblichen Verdächtigen ein wenig über die Initialen der Urheberschützer fabulieren können, um Expertenwissen vorzugaukeln.

Und wer hat diesen Monat eine Lanze für das Urheberrecht gebrochen? S.K. Wer? Siegfried Kauder. Kauder hat man ja schon mal gehört, aber Siegfried? Ja, nicht der Volker. Und was hat der feine Siegfried denn so gemacht, während die Piraten noch ihren Rausch ausschliefen. Der gute Mann verschafft sich ein wenig Aufmerksamkeit.

In acht Wochen schon, so Kauder der Jüngere, werde die Koalition einen Gesetzesentwurf einbringen, der Internetprovider dazu verpflichten soll, ihre Kunden bei mutmaßlichen Urheberrechtsverstößen zu verwarnen. Sollte dies die Kunden nicht abschrecken, drohe später die Sperre des Internetzugangs für drei Wochen (via netzpolitik.org), da dies verfassungsrechtlich unbedenklich sei. Das ist dann wohl ein neuer Spin für eine alte Forderung.

Ein Glück nur, dass es bislang wohl einfach nur Nervenberuhigung der Klientel der Union ist. Diese alteingesessenen Granden der Kulturindustrie werden nachhaltig eingeschüchtert sein vom Einzug der Piraten ins Berliner Abgeordnetenhaus. So sehr, dass sie sogar den Zusammenbruch aller Kulturproduktion fürchten. Wahrlich, wer sich solch ein Szenario in so lebhaften Farben ausmalt, ist überaus kreativ. Da bricht dann für mich eine kleine Welt zusammen, dachte ich doch bislang, dass die industrielle Produktion von Kulturgütern gerade nicht der Förderung kultureller Vielfalt, sondern lediglich der Schaffung rentabler kultureller Massenware diene. Als solche brauchte man als Teil dieser Industrie nicht kreativ zu sein, rein kaufmännisches Geschick hätte genügt. Und doch muss ich mich korrigieren: Der fiebrige Wahn vom Untergang der Kultur ist Ausgeburt der höchsten Kreativität, einer fehlgeleiteten, krankhaften zwar, aber wen kümmert das?

Also, mein Dank an Herrn Kauder. Er hat mir die Augen geöffnet. Mein Verstand nahm dabei Schaden, aber den brauche ich eh nicht mehr.