Revenge

Die personifizierte Vergeltung in Revenge heißt Emily Thorne. Unter diesem Namen kehrt Amanda Clarke in die noblen Hamptons zurück, um im Schutze der neuen Identität Rache an den Upperclass-Einwohnern der Siedlungen an der Ostküste der USA zu nehmen. Besonders an der Matriarchin des Grayson-Clans, den Emily bzw. Amanda für die unverschuldete Inhaftierung ihres Vaters und damit den Untergang ihrer Familie verantwortlich macht. Auf ABC läuft die Serie seit letztem Herbst mit einigem Erfolg, was nicht zuletzt daran liegt, dass ihr Aufhänger so simpel und urmenschlich ist wie das Motiv der Protagonistin.

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Kompromiss und Konsens, Revenge ist ohne jeden Zweifel Letzteres. Gutes, geradliniges Fernsehen, das sich nicht um Tiefe bemüht und zugleich oberflächliche Schablonen scheut. Es wird ein mittlerer Weg gefunden, das Publikum an die Figuren zu binden, ohne auf schematische Konstellationen zu bauen. Emily/Amanda dringt mit ihrem Gespür für die Schwächen ihrer Mitmenschen weit in die oberen Zirkel ein, es gelingt ihr sogar, sich mit dem ältesten Sohn der Graysons zu verloben, womit sie direkten Zugriff auf die Familie hat, die sie zerstören will. Sie will unerbittlich vorgehen, das gelingt ihr aber nicht, da der Blick hinter den Schein des Familienidylls ihre Empathie weckt. Revenge erzählt nicht bloß von der Rache, auch von der Schwierigkeit, sie konsequent auszuüben.

Der angesprochene Konsens besteht also gerade darin, eine alte Idee nicht innovativ, aber packend umgesetzt zu haben. Grundsätzlich als Thriller angelegt, offenbaren sich in den Folgen Stück um Stück Hintergründe. Ein Mittel, das auch schon der Vorgänger auf dem Sendeplatz, Lost, einsetzte. In Rückblenden werden Emilys Beweggründe und ihre minutiöse Vorbereitung deutlich. Genug, um von Folge zu Folge Spannung zu schaffen. Worin aber auch das größte Risiko besteht. Mit dem kontinuierlichen Verweis auf vergangene Ereignisse, die nur in Bruchstücken aufgedeckt werden, droht mit der Zeit lästiges Retrofitting. Die Figuren, die noch sehr glaubhaft und schlüssig aufgebaut werden, könnten mit allzu großem Ballast der Vergangenheit beladen werden. Damit würde leicht neue Spannung kreiert, die psychologische Glaubwürdigkeit der Figuren allerdings geopfert. Solange aber Revenge nur diese Gefahr in sich trägt, ihr aber weiterhin gut aus dem Weg geht, ist sie im besten Sinne kurzweilige Unterhaltung.

Titel: Revenge
Jahr: 2011
Land: USA
Genre: Thriller, Soap
Produktion: Mike Kelley u.a.
Darsteller: Madeleine Stowe, Emily VanCamp u.a.

Serienstarts Fall Season 2012 – Must-see

Und da ist sie, die sehr subjektive Liste der Serien, die mich packen könnten. Dazu sei gesagt, unterm Strich haut mich die Fall Season nicht besonders vom Hocker. Wirkliche Glanzlichter zeichnen sich noch nicht ab. Aufgrund der zugegeben oberflächlichen Beurteilung der Trailer kann der Eindruck täuschen.

Red Widow

Diese Serie ist in dieser Liste ein Wackelkandidat. Es spricht in meinen Augen einiges für deren Ausrichtung. Nach der Ermordung ihres kriminellen Mannes, übernimmt Hausfrau Marta Walraven die Geschäfte ihres verstorbenen Gatten.

Es sind im Grunde simple Geschehnisse, die eine Handlung vorantreiben, in der Marta Walraven in die organisierte Kriminalität einsteigt, um ihre Familie zu schützen. So simpel ist es, dass genügend Raum für eine allmähliche Steigerung der Einsätze bleibt. Sofern der Serie also die Zeit gegeben wird, die Handlung durch ihre Figuren reifen zu lassen, könnte sich Red Widow zu einem spannenden Thriller entwickeln.

Argwöhnisch macht mich lediglich die theatralische Inszenierung von Leid und Trauer im Trailer. Doch auch hier gilt, es ist nur ein Trailer, der nach mir unbekannten Regeln erschaffen wird, um selbst die einfältigsten Zuschauerinnen und Zuschauer zu locken. Und wenn ihnen dafür emotional über den Schädel geschlagen werden muss, dann wird dies halt umgesetzt.

Revolution

Hinter den von J.J. Abrams produzierten Serien stecken immerhin ordentlich Budgets. Wer wundert sich da also über einen ordentlich polierten Trailer für die im September startende Revolution. Dabei dachte ich zunächst an Alan Weismans Sachbuch The World Without Us, doch anscheinend dockt diese dystopische Serie an der Emberverse-Buchreihe an. Sagt mir nichts, aber der Trailer gibt das hier her.

An sich gibt es nach dem Trailer nichts an der von Eric Kripke verantworteten Serie zu beanstanden. Dessen Supernatural ließ mich seiner Oberflächlichkeit wegen kalt, hat aber doch ein ordentliches Gefolge gehabt. Und Abrams steht immerhin dafür ein, dem seriellen Erzählen eine Spannung einzuimpfen. Wie auch immer gelungen die Serien waren, sie hatten ein ordentliches Tempo und ausreichend Mysterium, um immerhin zu unterhalten.

Nach übernatürlichen Verschwörungen in Alias und Fringe, zunehmender Zeitwirrungen in Lost und eigenwilliger Wiederkehrprämisse im letztlich glücklosen Alcatraz werden wir also in eine nach globalem Blackout zur Dystopie verkommene Welt geworfen. Neben einer hervorragenden Optik, jeder Menge Schwertkämpfen und der obligatorischen konspirativen Handlung ist noch nicht viel zu sehen. Dennoch kann ich nicht anders, denn schließlich war auch Person of Interest nicht mit einem Trailer gesegnet, der dessen Stärke betonte. Es ist zwar eigentlich nicht der Ort für ein Loblied auf dieses Meisterwerk der letzten Saison, aber es muss gesagt werden. Person of Interest war so wenig aufgeregt, dass es beinahe ermüdend wirkte. Durch die Hintertür schlich sie sich aber wieder heran. In ihrem Zentrum steht etwas, das ein Trailer niemals wird vermitteln können. Aus dem Geflecht der unterschiedlichen Interessen der Figuren dieser ebenfalls dystopischen Welt, die allerdings weniger augenscheinlich ist, entwickelt sie einen reizvollen Sog. Es geht ihr um Vertrauen abseits der moralischen Pfade, um das Verblassen der Konturen von Gut und Böse im Dämmerlicht der Dystopie.

Allein wegen dieser Unvorhersehbarkeit, die in vielen Abrams-Projekten steckt, wird Revolution von mir die Chance erhalten, die sie verdient.

Vegas

CBS geht all in. Vor der Kamera Dennis Quaid, Michael Chiklis und Carrie-Ann Moss, dahinter Koautor Nicholas Pileggi und Regisseur James Mangold.

Natürlich hat CBS den Markt sondiert. Mad Men ist stark wie eh und je, Boardwalk Empire ist thematisch verwandt. Beide sind auf ihre Weise herausragende Serien, die auch ihr Publikum fanden. Letztes Jahr missglückte zwar schon bei ABC der Versuch, mit den Zutaten des Retro-Chics beim Publikum zu punkten. CBS geht aber, wie gesagt auf’s Ganze.

Mangold hat vor allem mit Walk the Line Erfolg gehabt, aber für diesen modernen Western um den von Quaid gespielten Sheriff im aufstrebenden Las Vegas der 1969er qualifiziert ihn sein 3:10 To Yuma. Pileggi ist ohnehin erzählerisch auf Vegas eingeschossen, dürfte also eine ordentliche Portion Erfahrung mitbringen, um für spannende Storys zu sorgen. Ansonsten bleibt nicht viel zu sagen, denn es bleibt auch bei diesem teuer aussehenden Trailer ein Glücksspiel, ob das Versprechen gehalten werden kann. Die Voraussetzungen für einen kantigen Serienklotz sind aber gegeben, auch wenn natürlich die Zügel in der Serie nicht so angezogen werden können, da es ja nun nicht auf einem der Kabelsender ausgestrahlt werden wird, die mehr Freiheiten haben.

Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (5/5)

Die letzte Woche der Trailershow ist angebrochen. Die Liste der soliden Serien findet ihr Ende, übergibt dann pflichtgemäß den Stab an die womöglichen Highlights der Fall Season.

The Mob Doctor

Familienschulden sind ein Problem, Schulden bei der Famile umso mehr. Da der Bruder der erfolgreichen Chirurgin Grace Devlin beim Mob in der Kreide steht, wird Grace in die Sache hineingezogen.

So muss Grace die Versehrten der Unterwelt flicken oder gegebenenfalls auch die Gegner und Verräter ins Jenseits befördern, wenn es nach den Gangstern geht. Irritierend wirkt auf mich noch, dass der Trailer anfangs noch humorvolle Töne anschlägt, im Verlauf der wenigen Minuten mehr und mehr ins Dunkel abdriftet. Damit ist mir kaum geholfen, die Gangart der Serie erkennen zu können, weswegen ich noch zurückhaltend bin.

Save Me

Wo will NBC mit dieser Serie hin? Hausfrau springt bei einem Unfall dem Tod knapp von der Schippe. Darauf meint sie, eine direkte Verbindung zu Gott zu haben.

Meine Damen und Herren, wir präsentieren den heißesten Kandidaten für den nichtssagendsten Trailer der Saison. Wer hat NBC geritten, wenn sie in diesem Fall überhaupt von irgendetwas geritten wurden, solch eine Nullnummer von einem Werbefilmchen zu produzieren. Wollen sie Hipster und Evangelikale abholen? Versuchen sie irgendwie den Ton zwischen frech und fromm zu halten?

Da moniere ich die Effekthascherei der Trailer, den Einheitsbrei des Getöses, da kommt nun ein ruhiger Trailer ganz unscheinbar daher – und es gefällt mir auch nicht. Ich wüsste in diesem Fall nun aber wirklich gern, wo die Reise hingeht. Comedy, Drama, Dramedy? Göttliche Komödie? Dieser Schnipsel überfordert meine Vorstellungskraft zusehends. Sollte die Serie aber wirklich darauf hinauswollen, all diejenigen abzuholen, die sich per App jeden Tag eine Auswahl der feinsten Psalmen auf ihr Smartphone schicken lassen, die sie dann bei einem feinen Latte andächtig in der U-Bahn lesen, steige ich an der nächsten Haltestelle laut fluchend aus. Ich mag Latte nicht, auch nicht in transparenten Plastikbechern, die nach geschwollenem Penis aussehen, und Gottesbeweise, seien sie noch so modisch aufgepeppt, im Film schon gar nicht.

Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (4/5)

Sind wir schon da? Bald, Kinder. Die übernächste Ausfahrt ist unsere.

Last Resort

„In a world…“ Was wäre die Filmwelt ohne diesen von sonorer Männerstimme gesprochene Satz? Tiefe Stimme heißt, hier geht es ums Ganze. Um den letzten Ausweg, da muss doch bei dieser Serie, deren Name schon alles sagt, immerhin die tiefe Stimme her.

Und hat ABC uns mit diesem U-Boot-Trailer enttäuscht? Hier gibt es also Fernsehen in Schleichfahrt. Verrat an den eigenen Soldaten, die doch alle noch auf die eigene Ehre und ihr Vaterland schworen. Ein Mann, ein Wort, das zählt unter dem aufrechten Männern und wenigen Frauen in Last Resort noch was. Mir ist das alles eindeutig zu dick aufgetragen, doch wird all die militärische Kabale wohl routiniert in Szene gesetzt. Shawn Ryan machte schon mit The Shield eine solide Serie, die mit der ich nie so recht ins Reine kam, aber doch zugestehen muss, dass da jemand was vom Handwerk versteht. Kann man wohl lassen.

The New Normal

DunDinDing. Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer von Modern Family. Bitte beachten Sie die folgenden Hinweise. NBC bittet im kommenden Herbst um eine halbe Stunde ihrer kostbaren Lebenszeit. Vielen Dank:

Für alle Wertkonservativen: Was fällt diesen Hollywood-Bonzen ein, anrüchige Lebensverhältnisse der heutigen Zeiten normalisieren zu wollen? Die neue Normalität, pah, abgeschmackte Gehirnwäsche niederträchtiger Politisch-Korrekter ist das! Ziehen unsere jahrhundertealten Familienwerte durch den Schmutz. Zu den Mistgabeln!

Kaum zu erklären, was die halbe fernsehschauende Welt an Modern Family für einen Narren gefressen hat und nun an dieser Leihmutter-für-ein-schwules-Pärchen-Sitcom auch noch an vermutlich mediokrem Fernsehen schlucken soll. Daher halte ich es, was die Vorschau zur Serie angeht, eher mit dem Anhalter, um meine gedrosselte Vorfreude zu begründen: Größtenteils harmlos. Nur größtenteils, weil mich immer noch stört, dass diese weltoffene Serie schon im Trailer nicht anders kann, als das Lesben-sehen-wie-Männer-aus-Klischee zu bedienen. Lesben sind halt Orks und Schwule Feen, oder was? Schuss in den eigenen Fuß.

Made in Jersey

Da wollte ich doch schon fragen, ob es diese Saison überhaupt kein Legal Drama geben wird, da stolziert es in Hochhackigen direkt in die Kanzlei. Rechtsanwaltsserie mit junger Dame aus der Provinz. Voilà.

Das lässt sich alles an, als ob es auch The Devil Wears a Robe heißen könnte. Dieses Mal mit Kyle MacLachlan, der für den Part in dieser Serie geboren scheint, und einer jungen Anwältin (Janet Montgomery), die mehr durch Bauernschläue als durch fachliche Kompetenz glänzt. Montgomerys Figur wirkt doch reichlich unbalanciert zwischen einer gewitzten Göre und dem Pöbel von Jersey Shore in weniger proletarischen Outfits. Alles sieht dann doch zu unverfänglich aus, wird wohl weder ein großer Hit noch eine Beleidigung für den Verstand.

Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (3/5)

Hier habe ich noch ein paar Serien von der Stange. Konzepte können schon gebraucht sein, sind aber noch in gutem Zustand.

Go On

Matthew Perry. Zurück bei NBC. Dort war er in der gigantisch erfolgreichen Sitcom Friends, ja genau die. Und nun wieder in den vertrauten Gefilden.

Nun ja, ich will die Therapie nicht stören. Wo ist die Selbsthilfegruppe für von harmlosen Sitcoms gelangweilte Snobs?

The Goodwin Games

How I Met Your Mother beruht auf einem Gimmick, das den Serienmachern Carter Bays und Craig Thomas nur als Vorwand dient, die klassische Erzählstruktur der Sitcom zu sprengen. Sieben Staffeln lang, auch wenn langsam die Puste ausgeht, warfen sie wild mit Erzählebenen um sich, schlugen dramaturgische Haken und stellten die Lebensgeschichten der Figuren immer wieder durch größtenteils stimmige Volten auf den Kopf. So holten sie aus dem narrativ stagnierenden Format mehr heraus, als bis dahin noch zu erwarten war. Nun also eine weitere Sitcom der beiden auf Fox.

Der Reiz von How I Met Your Mother ist noch immer die emotionale Erdung der liebgewonnen Protagonisten. Diese kann nicht in den wenige Minuten langen Trailern übertragen werden, womit ich schon bei meinem Problem mit dem Trailer wäre. Ausgehend von den auf gewollte Heiterkeit getrimmten Versatzstücken ist noch nicht zu sagen, wohin die Serie gehen wird. Der Ansatz dreier unterschiedlicher Geschwister, die nach dem Tod des Vaters um dessen Vermögen streiten, wobei der entscheidende Haken in einem Trivial-Pursuit-Wettstreit über ihr Wissen um die eigene Familie besteht, ist genauso voraussetzungsreich wie die Prämisse von How I Met Your Mother. Diese liefert in How I Met Your Mother lediglich den Rahmen für die von Bays und Thomas so geschickt eingesetzte Mixtur von Humor und Sentimentalität. Ob aber The Goodwin Games ähnlich erfolgreich, sprich unterhaltsam, sein wird, steht noch lange nicht fest.

How to Live with Your Parents (for the Rest of Your Life)

Und noch mehr sozialer Wandel, der sich in augenscheinlich schmerzhaft mittelmäßigem Humor niederschlägt. Jetzt für den Muttertag. Alleinerziehende Mutter zieht nach gescheiterter Beziehung wieder zu ihrer Mutter und deren neuen Gatten.

Sich um Lacher bemühen und diese zu erhalten sind zwei grundverschiedene Angelegenheiten. Im Trailer zu How to Live with Your Parents (for the Rest of Your Life) schlägt das Pendel viel zu oft in Richtung des reinen Bemühens aus. Bemüht vor allem darum, die sexuellen Eskapaden der Mutter in kantiger Form darzustellen. Da muss doch glatt mal zensiert werden, so verrucht geht es hier zu. Im Unterschied zum überaus dilettantisch wirkenden Humor von Guys with Kids halten sich die Schmerzen bei diesem Trailer aber noch in Grenzen. Sarah Chalkes Masche, mit überbordenden Grimassen zu emotionalisieren, passte noch gut in das Konzept vom träumerisch-comichaften Scrubs, hat sich hier in der vermeintlich harten Realität des amerikanischen Bürgertums aber doch schon überholt. Sentimental und erfunden wie Muttertag, bringt trotzdem mal Blumen mit.

Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (2/5)

Auch hier könnte doch noch was dabei sein. Diese Serien wirken doch immerhin solide.

Do No Harm

Sehr viel mehr als dieser kurze Teaser ist zu diesem Drama bei NBC erst einmal nicht zu sagen.

Der Trailer gibt nichts her, außer dass er die Furcht des erfolgreichen Neurochirurgen Jason Cole vor seinem Alter Ego, das nachts in ihn fährt, wiedergibt. Es ist der alte Dr.-Jekyll-und-Mr.-Hyde-Hut. Im Gegensatz zu Beauty and the Beast scheint hier doch wesentlich mehr zu stecken, als einen bekannten Namen in ein neues Gewand zu hüllen, um dann mit der Bekanntheit der Marke hausieren zu gehen. Clever wird die alte Geschichte anscheinend mit einer Arztserie gekreuzt. Das könnte durchaus Spaß machen.

Elementary

Und da ist es, das unvermeidliche amerikanisierte Remake der umjubelten BBC-Serie Sherlock.

Oder etwa nicht? Arthur Conan Doyles Romane um den Meisterdetektiv sind längst gemeinfrei. Einen Schutz der Figuren gibt es also nicht mehr. Die BBC konnte aus diesem Grund, ohne jede juristische Restriktion fürchten zu müssen, Holmes in die Gegenwart versetzen. Daraus wurde eine gefeierte Serie, die aber nach Bekunden von CBS und den Produzenten von Elementary nicht kopiert wurde. Zwar war die Umsiedlung von Sherlock angedacht, wurde aber verworfen. Elementary soll ein gänzlich eigenständiger Versuch sein, die Ermittlungen Holmes‘ im Manhattan der Gegenwart anzusiedeln. Offenkundigste Änderung ist die von Lucy Liu verkörperte Joan Watson.

Jonny Lee Miller gibt dabei doch einen ansprechenden Holmes im andauernden Redeschwall des eigenen Genies, als müsse er seine Gedanken teilen, um sie nicht zu verlieren. Im Stakkato der etwas zu fein geschliffenen Dialoge, deckt Millers Holmes also mit seiner Partnerin Verbrechen auf, wobei der Trailer noch im Dunkeln lässt, ob diese erkennbar weltlicher Natur sein werden oder doch die Doyles’sche übernatürliche Verklärung haben werden, die nur von dem rationalen Geist Holmes‘ wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden kann.

Alles in allem scheint hier ein Fall der Woche abgearbeitet zu werden. Das sieht so weit erbaulich aus, nur eben nicht besonders.

Emily Owens M.D.

Arztserie Nummer Schlachmichtot. Emily Owens, junge Ärztin, schlägt sich im Krankenhaus- und Liebesalltag durch.

Wichtigster Indikator dafür, dass ich nicht geeignet bin, über diesen Trailer zu urteilen: Ich wollte doch gerade herablassend von einer Schnatterserie schreiben. Das kann ich mir aber nicht durchgehen lassen. Aus gegebenem Anlass muss ich demnach darauf verweisen, sicher nicht von der Serie angesprochen zu sein. Ein weiterer Indikator ist meine seit den ersten Staffeln von Emergency Room sträfliche Missachtung dieses Subgenres des seriellen Dramas. Gelegentliche Eindrücke von House und Greys Anatomy, ich weiß, wie kann ich die beiden nur in einem Atemzug nennen, haben die Sache nicht besser gemacht.

Nehme ich also meine Abneigung gegen das Genre allgemein und die auf die weibliche Perspektive fokussierte, fröhlich-flapsige Erzählform aus dem Off zurück, muss ich sagen, nichts an dieser Serie wirkt auf den ersten Blick abschreckend oder lächerlich. Die Heiterkeit und selbstreferenzielle Gedankenweilt von Emily Owens ist, objektiv betrachtet, mitnichten ein Reinfall. Nur nicht mein Geschmack.

Serienstarts Fall Season 2012 – Meh (1/5)

Und ab zu den schon besseren Serien. Nach den ganzen halbgaren und teils sogar beleidigend wirkenden Trailern wurde es aber auch Zeit.

666 Park Avenue

Der gefühlte Trend der horrorlastigen Serien ebbt auch in der nächsten Saison nicht ab. Die blutige Seifenoper True Blood, ein surreales, bisweilen unterirdisches, aber jederzeit blendend gespieltes American Horror Story sowie die pubertierenden Vampire Diaries und Teen Wolf sind insgesamt stark genug gelaufen, um nun einen weiteren Versuch zu wagen.

Wenn es denn aber im Trailer nicht nur um gruseliges Einerlei ginge, träfe es wohl auf mehr Vorfreude. Alles sieht ein wenig nach auf Nummer sicher aus. Hier ein paar bekannte Gesichter, wenn auch Dave Annables (Brothers & Sisters) und Terry O’Quinn (Lost) Eignung als Zugpferde bezweifelt werden darf. David Wilcox schuf die Spukhaus-Variation, die nun in einem noblen Appartmentgebäude spielt. Wilcox hat einige Erfahrung als Autor, besonders seine Zeit bei Fringe lässt aufhorchen, doch von Originalität ist hier bislang wenig zu sehen. Die Spannung geht also davon aus, was aus der Serie wird. Der Sendeplatz direkt nach dem quotenstarken Revenge spricht immerhin für gute Rahmenbedingungen, was die Überlebenschancen von 666 Park Avenue betrifft.

Arrow

Schnell, schnell, Trailer geht los. Hektische Schnitte. Wo sind die Streicher, die zackig jeden Schnitt begleiten? Mehr Chorgesänge, die sinnloses Gebrabbel trällern, los. Pathos auf elf hochdrehen! Mehr, mehr von allem!

Das hier ist ganz alte Trailer-Schule. CW will damit das avisierte jugendliche Publikum mal locker für sich einnehmen. Green Arrow also, aus der zweiten Superheldengarde. CW ist das kleine Network, das sieht man hier auch deutlich. Der Trailer ist eine absolute Kompensationshandlung für eine Serie, die wohl kaum über die Produktionsmittel der Konkurrenz verfügen dürfte. Das allein macht aber noch keine schlechte Serie, weshalb ich mit deutlich herabgestufter Erwartungshaltung an diese Comicumsetzung herangehe, völlig verdorben hat der Trailer mein Interesse nun aber doch noch nicht.

Einer der Produzenten von Arrow ist Greg Berlanti, der schon einige Jahre als Autor und Produzent von Serien für ein überwiegend junges Publikum auf dem Buckel hat. Darunter ist kein einziges Highlight, aber auch kein wirklich dürftiges Stück Serienunterhaltung. Mal abwarten, was hier wird.

Ben and Kate

Trotteliger, doch liebenswerter großer Bruder zieht zu seiner alleinerziehenden Schwester und ihrer Tochter. Das klingt nun nicht nach einem großen Wurf. Ben wird von dem mir gänzlich unbekannten Nat Faxon gespielt, Kate von Dakota Johnson, von der ich ebenso noch nichts gehört habe. Faxon, der immerhin Mitglied der erfolgreichen Impro-Comedy-Gruppe The Groundlings ist, und Johnson haben aber etwas an sich.

Vielleicht falle ich auch nur auf etwas rein, denn schließlich scheint der Trailer mal gerade so die Pilotfolge in Kurzform wiederzugeben, doch finde ich an ihm etwas Harmloses, das mich abwarten lässt. Wagemutig traue ich mich damit hervor, dass in dieser Serie etwas stecken könnte, wenn FOX nicht schon die Geduld ausgeht, bis die Serie zu sich gefunden hat. Mich jedenfalls lockt die Serie, bei der im Trailer noch nicht alles sitzt, mit einem entwaffnenden Charme. Ben and Kate hat anscheinend das Potenzial zwischen der nicht auf Schenkelklopfer ausgelegten Situationskomik auch einmal ruhigere Töne anzuschlagen. Damit könnte ich mich sehr gut anfreunden. Wenn ich da hoffentlich mal nicht enttäuscht werde.

Cult

Damit nicht der Verdacht aufkäme, ich könnte mit dem Lineup von CW gar nichts anfangen, hieve ich Cult mal in den Kreis der Serien, denen ich einen gewissen Reiz aufgrund des Trailers nicht absprechen will.

Das liegt vor allem an David Knepper (Prison Break), der den Psychopathen einfach draufhat. In Cult ist Knepper der sinistre Moderator einer populären Fernsehsendung, deren Anhängerschaft anscheinend aber die in der Sendung dargestellten Verbrechen nachahmt. Gut, das geht auch weniger reißerisch, was die Prämisse angeht. Aber für eine kurzweilige Reißer könnte es eben genau deshalb reichen. Josh Schwartz, dessen Nerdfeuerwerk Chuck in guter Erinnerung ist, produziert zusammen mit Stephanie Salvage. Beide haben für CW schon ein ordentliches Teenieprogramm von Gossip Girl bis Hart of Dixie zusammengestellt. Alles leichte Kost, wenn es aber ein wenig mit Thrill aufgepeppt wird eventuell doch gut verdaulich.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (4/4)

Noch ein Teil mit No-Go-Serien, dann sind wir durch. Hier also noch zwei der eher seltsamen Art, auf die ich nach jetzigem Stand verzichten kann.

Malibu Country

Wären offenkundige Studiobeleuchtung und Pressspankulissen die einzigen Probleme dieser Sitcom…

…wäre auch nicht viel gewonnen. Im Trailer schreckt aber mehr ab. Untote Pointen, hölzerne Schauspielkunste – nicht mit den Kulissen verwechseln – gesellen sich dazu und sorgen für eine grottenschlecht erscheinende Sitcom, die gerade noch in den 1990ern funktioniert hätte, irgendwo auf einem Sendeplatz geparkt, auf dem sie ihr altbackenes Publikum hätte finden können. Das hier ist so gruselig wie die angestrengte Off-Stimme des Trailers. Arme Lily Tomlin. Vermutlich ist diese Serie so kostengünstig, dass sie sogar überleben kann. Armes Fernsehpublikum.

Partners

An was erinnert mich das?

An Will & Grace. Das ist weniger verwunderlich, stecken hinter Partners doch David Kohan und Max Mutchnick. Die Verwunderung über die offenkundigen Ähnlichkeiten wird nun doch zur Enttäuschung. Ich befürchte ein schamloses, aus der Zeit gefallenes Selbstplagiat einer Serie, die sich schon nach einer Staffel selbst überholt hatte und dann immerhin sieben weitere durchhielt. Immerhin wäre das eine Erklärung, warum die Gags erst spät zünden wollen. Ihre Lunte reicht halt bis ins Jahr 2006 zurück, als Will & Grace ihren Abschied nahmen. Noch mehr Ärgernisse: Lachspur. Ich bin raus.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (3/4)

Der No-go-Serien dritter Teil. Das bedarf keiner weiteren Erläuterungen. Mittenrein ins Getümmel.

Chicago Fire

Muskelgestählte junge Männer drücken ihre Stimme tief bis zu ihrem Skrotum runter, pressen markige Sprüche heraus, denn sie stürzen sich als Helden des Alltags ins Feuer. Währenddessen dürfen sich die stets gut geschminkten, doch von Selbstzweifeln geplagten Notärztinnen um die aus den Flammen Geretteten kümmern. „Don’t think. Just do it.“ Die Keyboard-Streicher kleistern falsche Bedeutung über das Nichts.

In diesem Trailer zu NBCs neuem Feuerwehr-Drama quillt das Pathos zu allen Seiten aus. Selbst Harald Glööckler dürfte dies eine Spur zu pompös sein. Feuerwehr scheint nicht zu besonnen erzählter, realistischer Beschreibung einzuladen. Wann widerstehen Autoren endlich dem kläglichsten aller phallischen Symbole? Nach diesem Trailer also eine klare Null mit Feuerwehrhelm. Schade eigentlich.

The Neighbors

„Na-Nu Na-Nu.“ Dan Fogelman kommt mit dieser Serie um die Ecke. Jetzt bitte schnell noch einmal auf die Systemuhr am Rechner schauen, Uhrzeit und Datum notieren. Nun erst das Video abspielen.

Wer musste nun ungläubig auf die Notizen starren, um sich des gegenwärtigen Datums zu versichern? Fogelman schrieb schon die Drehbücher für die weniger gelungenen Cars-Filme von Pixar, dass er aber im Jahre 2012 mit solch rabiat-unkomischen Außerirdischen daherkommt, hätte ich ihm nicht zugetraut. Altbacken ist noch eine harmlose Bezeichnung. Fremdscham lässt mein schmerzverzerrtes Gesicht gewohnheitsgemäß zur Zimmerdecke wandern, diese gut abgehangenen ‚Gags‘ sind aber spätestens seit Mork & Mindy dem Tod geweiht. So hatte ich dann auch noch Tränen in den Augen. Fogelman kann gerne wieder auf seinen Heimatplaneten zurück.

Next Caller

Vorurteile sind, da stimme ich noch zu, in der Regel schädlich. Sie aber für vollends nutzlos zu halten, dem entgegne ich: Manchmal, nur manchmal, dienen sie auch zum Schutz der eigenen körperlichen Unversehrtheit oder der seelischen Balance. Eines meiner derart zum Selbstschutz deklarierten Vorurteile betrifft Dane Cook. Dieser Mann ist nicht lustig – und wie Dirk nicht in Seattle ist (Egal, ob das Lied alt ist, es ist großartig!) – wird Cook wohl auch nie mit Absicht Lacher hervorrufen.

NBC gibt Cook nun also eine halbstündige Sitcom, in der er als Radio-DJ unverschämterweise in seiner Sendung nicht mehr allein moderieren soll. Dass es auch noch eine Frau ist, die ihm da vorgesetzt wird, macht es nur schlimmer. Und bei diesem Szenario in Verbindung mit Cooks zumindest körperlicher Anwesenheit im Bild ist Schlimmes zu befürchten. War dieser Aufhänger in seiner verkehrten Fassung in 30 Rock noch eine großartige Anspielung auf quotengesteuerte Besetzungsfragen, wurde da doch aus The Girlie Show schnell TGS with Tracy Jordan, ist es kaum vorstellbar, dass Next Caller diese Problematik auf hintergründige Weise reflektiert. Eher sind derbe sexistische Zoten zu erwarten. Will ich diese aber? Zumal es sie schon in nahezu perfekter Form und mit einem Augenzwinkern in Anchorman gibt? Nein.

Serienstarts Fall Season 2012 – No-go (2/4)

Und weiter geht’s mit den Trailern für die No-Go-Serien in diesem Herbst.

The Family Tools

Heute schon gelacht? Wie wäre es hiermit?

Nein, vielen Dank. Ich kaufe grundsätzlich beim schwedischen Einrichtungshaus, weil ich lokale Familienunternehmen verachte. Die sind mir zu humorlos. Entgegen den Geboten der Höflichkeit, wünsche ich der Serie doch einen schnellen Niedergang, damit der herausragende J.K. Simmons wieder anständige Sachen machen kann.

Guys with Kids

Schnallen wir uns die Blagen vor die Wohlstandswampe, zischen ein kühles Bierchen in der Stammkneipe und lamentieren über die soziale wie familiäre Kastration. Ginge es nach NBC, sollte es schon für genügend wohlstandsgeplagte Väter vor dem Flimmerkasten sorgen, die sich ihre auf Seelenverwandschaft glattgebügelten Pendants ansehen.

NBC reagiert auf soziale Änderungen, indem es die neuen Männerbilder in alte Sitcomschablonen presst. Das muss und sollte sich nach diesem mauen Trailer nun wirklich niemand antun. In wirklich jeder Sekunde des Trailers trällerte ein debiles Klagelied über die verlorene Männlichkeit. Mittelschicht kriegt eben nur Mittelmaß. Und manchmal kommt es noch schlimmer. So billig wie Vatertag.

Nashville

Connie Britton ist noch immer alles zuzutrauen. Welche Gründe sie auch immer hatte, diese klischeebeladen wirkende Rolle anzunehmen, wird ihr Geheimnis bleiben. Hoffentlich war es nicht Geldmangel, wie der ihrer Rolle.

Der einen Hauptdarstellerin, Britton, ist jeder Erfolg zu wünschen. Der anderen, Hayden Panettiere, grundsätzlich auch, nur liegt das weniger an ihrer schauspielerischen Klasse. Schon die wenigen Bilder des unnachgiebig plumpen Kampfes zweier Countrysängerinnen um Ruhm und Anerkennung zeigen: Panettiere wird mit Britton nicht mithalten können. Beruht eine Serie wie Nashville anscheinend allein auf dem Antagonismus der Figuren, sollten diese herausragend besetzt sein. Da kommen Zweifel auf, wenn die Fronten in Sachen Talent so klar sind.

Wenn für Britton schon keine schauspielerische Konkurrenz in Aussicht ist, bleibt es an den Drehbüchern hängen. Callie Khouri zeichnet für Nashville als kreativer Kopf verantwortlich. Sie schrieb schon das Drehbuch des zum Frauenpowervehikel hochgejazzten Thelma & Louise. Für das Mainstreamkino war er das wohl auch, weshalb Khouri den Drehbuch-Oscar erhielt. Preise sollte sie für Nashville aber nicht erwarten, sofern der Trailer nicht völlig an der Serie vorbei wirbt. Hat es alles schon gegeben, doch die Erwartungshaltung ist nicht sehr hoch. Dafür ist alles ein wenig zu simpel gestrickt. Die eine Sängerin, hat den Höhepunkt der Karriere hinter sich und muss zusehen, wie selbst ihre Kinder den poppigen Country des aufstrebenden Starlets bevorzugt. Dieser vermutliche Zickenkrieg ist von Thelma & Louise so weit entfernt, wie die 1992er Frauenpowerfassade von ordentlichen Frauenfiguren der jüngeren Filmgeschichte. Dennoch könnte das Paket eines melodramatischen Country-Musicals bei der Zielgruppe, zu der ich sicherlich nicht gehöre, punkten.