Nutzerschaftsbeschimpfung

Ranty McRant hier, vielleicht auch die einzige Person, die gerade die Ohrfeige nicht mitbekommen hat, die der Chief Product Office von Netflix in Sachen Offline-Modus für Videos ausgeteilt haben soll:

Undoubtedly it adds considerable complexity to your life with Amazon Prime – you have to remember that you want to download this thing. It’s not going to be instant, you have to have the right storage on your device, you have to manage it, and I’m just not sure people are actually that compelled to do that, and that it’s worth providing that level of complexity.

In diesem Fall soll es Menschen, die smarte Telephone bedienen, durchaus auch Verantwortung in ihren Jobs übernehmen oder auch ansonsten in der Lage sind, sich Dinge zu überlegen und merken von der Komplexität einer einfach Option zum Download überfordert sein. Sollte die Aussage stimmen, muss erwidert werden, dass diese Annahme tatsächlich nur von einem Unternehmen kommen kann, dass seinen durchaus ordentlichen Inhalt in der unsäglichsten Anwendungsoberfläche nach der Erfindung der Ananas präsentiert. Also durchaus schlüssig, dass man Menschen lieber für dumm hält, als an die eigenen Designfähigkeiten zu glauben. Es ist aber ohnehin zu befürchten, dass dort nur ungeschickt vertragliche Rahmenbedingungen kaschiert werden sollen, die einen Offline-Modus verbieten. Aber dann muss es ja nicht gleich in Publikumsbeschimpfung ausarten.

Trollphase

Ja, Rotshirt-Mike sagt so ungefähr das, was ich bis vor gar nicht allzu langer Zeit auch gesagt hätte. Mir allerdings ist es erst wie Blauhemd-Mike aufgegangen, nachdem ich mir argumentativ mal so richtig ins Knie gebohrt hatte.

Blauhemd-Mike hat völlig Recht, die ideologisch überhöhte Trollerei ist ihrem Wesen nach nicht weiter zu abstrahieren, als in unterschiedliche Grade mindestens verbaler Grausamkeit. Es ist keine rhetorische Übung, es ist ein Versuch, Kommunikation zu vernichten. Im besten Fall. Im schlimmsten Fall ist es brachiales Ausnutzen von Privilegien, die nichts anderes als Exklusion bewirken sollen. Und dann brauchen so Nasen wie ich Jahre, um das zu kapieren.

Wie viel Menschlichkeit passt in eine Minute?

Oh, ich liebe dieses Video. Ich will aufstehen und herausschreien, wie gut dieses Video ist. Es steht für mich ganz oben auf der Liste im Wettbewerb, wie viel Menschlichkeit in eine Minute passt.

Das Wackeln der Kamera ist großartig, auch die gellenden Freudenschreie. Diese Überraschung, die bei einem zur Schnappatmung führt, den anderen sprachlos macht. Es gibt nichts an diesem Video, das nicht großartig ist. Nichts, das nicht mitreißt. Mehr will ich gar nicht sagen, ich wische mir jetzt die Freudentränen von der Wange.

Videogebliebenes

Die Leseliste schwillt an, ich komme kaum hinterher. Tatsächlich reichen die Videos in der Liste locker aus. Den Anfang macht eine App, die den Begriff In-App-Purchase auf die Spitze treibt. Wenn sie gedurft hätten, wäre wohl auch noch eine Zahlung fällig geworden, um die App schließen zu dürfen.

Von Frauenliteratur zu sülzen, hat wirklich nichts mit Literaturkritik, die etwas auf sich halten kann, am Hut.

Dabei verstehen Primaten schon was von Gerechtigkeit – oder zumindest Gleichbehandlung.

Ich kann nicht wegsehen. Ob es nun eine günstige Gelegenheit ist, vom Mahlstrom zu sprechen? Egal, es ist gewaltig.

Tropes vs Women: Help me! Save me! Please!

Und vor diesem Video musste die Welt geschützt werden? Es bedurfte nur eines Blicks auf eines der vielen Videos bei feministfrequency, um zu wissen, wie wenig Anita Sarkeesian daran liegt, Filme, Serien oder eben auch Spiele in Grund und Boden zu analysieren, selbst wenn einige Aspekte in ihnen für kritikwürdig hält. Ein Haufen hysterischer* Gamer musste dennoch intellektuellen Unflat in Kübeln über ihr ausgießen, in der Hoffnung, es würde etwas an ihr haften. Dann bedrohten sie ihr Ansehen und ihr Leben, in der Hoffnung, Sarkeesian ließe sich durch Einschüchterung mundtot machen.

Da haben sie die Rechnung aber ohne Sarkeesian gemacht, die ganz im Gegensatz zum Thema ihres ersten Teils aus der Serie Tropes vs Women in Video Games eben nicht allein und hilflos auf Rettung wartet. Dieses Video zur Damsel in Distress in Videospielen zeigt einleuchtend das weit verbreitete Klischee des entführten, misshandelten, wehrlosen weiblichen Objekts, das dem Helden des Spiels ‚gestohlen‘ wurde. Sarkeesian vernichtet die Klassiker um Mario und Link nicht, sie ist nur nicht blind für die rollenspezifische Schlagseite zugunsten der Protagonisten gegenüber den Statistinnen. Was an diesem Video bringt die Kultur des Gamens in Gefahr? Ich sehe es nicht, ganz im Gegenteil.

Und Ocarina of Time wurde ernsthaft mit "Willst thou get the girl? Or play like one?" beworben? Das ist 1998 rausgekommen. Ganz langsam: 1 – 9 – 9 – 8. Und ein Mediengigant macht solch eine Werbung? Wartet, wir haben 2013 und immer noch Clips mit seltsamen Duftsprays und um Astronauten drapierten Frauen. Gibt es da tatsächlich noch ernsthaft Zweifel, ob wir Tropes vs Women brauchen?

* Ich verwende das Wort mal ganz bewusst in Bezug auf eine überwiegend von Männern dominierte Subkultur, nennen wir es doch einen Versuch in ausgleichender historischer Gerechtigkeit.

Biffy Clyro: Black Chandelier

Angekündigt ist sie schon seit letzter Woche, doch ist dies auch wieder nicht meine Besprechung von Biffy Clyros Opposites. Ich winde mich heraus, drehe mich um mich selbst, es will einfach nicht passen. Wahrscheinlich liegt es an Opposites‚ bipolarer Störung. Ich mag dieses Album, wirklich, und ich verachte die Eindimensionalität der Mittel, die Biffy Clyro einsetzen, um dieses Album mit passiv-aggressiver Gewalt auf Verehrungswürdigkeit zu trimmen; die Schotten wollen Opposites angebetet wissen, das höre ich ganz genau. Die Formel steckt schon in Black Chandelier:

Black Chandelier ist in allen mir bekannten Versionen der zweite Song, es enthält schon alle Versatzstücke, die sich im Verlauf des Albums wiederholen und wiederholen. An die Versionierung Double Edition und der Single Edition muss ich mich auch erst gewöhnen, das ändert aber nichts an meiner Kritik, in der Double Edition wird bloß nur noch deutlicher, wie Biffy Clyro manipulieren, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Aber für heute muss das reichen, ich werde noch einige Tage brauchen, bis ich es noch besser ausdrücken kann.

Dunkle Ritter und Feuerbringer

Ich sitze noch daran, über beide Filme aus dem letzten Jahr zu schreiben. Beide haben massive Fehler, die mich mitunter sogar beleidigten. Aber es sind immerhin Filme, die doch unterhalten können. Dennoch The Dark Knight Rises hat eklatante Schwächen, schon auf einer ganz simplen Ebene:

Eventuell gebe ich schon morgen meinen Senf dazu ab. Aber auch Prometheus enttäuschte in vielerlei Hinsicht, da blieben schon viele Rosinen, die gefunden werden konnten.

Prometheus hat aber noch viel drastischere Mängel, als es das Video darstellt. Dazu auch später noch mehr. Am Montag?

This is Ayn Rand preaching (3/2)

Vor der versammelten, paradoxen Wut Rands habe ich irgendwann fliehen müssen. Mein letzter Artikel zu Rands Atlas Shrugged ist lange her. Mit Paul Ryans Nominierung als republikanischem Vizepräsidentschaftskandidaten im US-Wahlkampf, wurden Rands Tiraden unvermeidlich wieder in Erinnerung gezerrt. Ryan, ein strenger Verfechter des Nachtwächtstaates im besten libertarianischen Sinne, ist ebenso öffentlich als Anhänger des Objektivismus aufgetreten. Wohl aus taktischen Gründen, ruderte er in letzter Zeit zurück. Die kirchen- und religionskritischen Positionen müssen ihm im Wahlkampf als zu verstörend für die konservativen Kirchgänger unter der Wählerschaft als verfänglich erscheinen. Dabei ist Ryan ein Musterbeispiel für die politische und gesellschaftliche Klientel, die Rand bedient. Also frische ich meine Kritik an Atlas Shrugged auf, oder bringe sie zu einem Ende, das vor Monaten angekündigt wurde.

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