Pool Champions: Show weg

Wasser. Da gibt der deutsche Sprachschatz redensartlich vielerlei her, doch es ist mir zu verlockend, auch nur eine der Redensarten zu bemühen. Es reicht allein ein Wort für die von RTL am Freitagabend ins Programm gehievte Show Pool Champions – Promis unter Wasser: Katastrophe. Eine uneingeschränkte. Unter den Shows, in denen RTL mit schöner Regelmäßigkeit und Menschenverachtung den restlichen Ruhm der Z-Prominenz verbrennt, bleibt Let’s Dance die Ausnahme, wohl weil die Verantwortlichen des Senders im Tanzwettbewerb aus unerfindlichen Gründen eine Herabwürdigung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erkennen, die nicht vorhanden ist.

Aber schon bei den Pool Champions zeigt die Senderhülse aus Köln wieder ihr verzerrtes Menschenbild. Formal lehnt sich die neue Sommerloch-Show beim Sendeplatzvorfahren Let’s Dance an. Die prominenten, aus Gründen der Einfachheit verwende ich den Begriff mal locker, Wassersportler treten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Zunächst buhlen sie um die Noten einer ebenfalls unter erweiterten Kriterien zustande gekommenen Fachjury, letztlich aber um die Gunst des Publikums.Da fangen die Probleme schon an.

Die bemühte Jury sorgt sich nicht um Kohärenz, verteilt lieber unverblümt Noten nach dem Gießkannenprinzip. Schon in der ersten Sendung betrieben sie eine Inflation bei der Notenvergabe. In Let’s Dance nötigt die Jury seit jeher zu steter Verbesserung. Eine Note hat ihren hohen Preis, sie ist nicht für bloße Anwesenheit zu haben. Nicht so bei Pool Champios. Als Sieger des Abends darf sich gerade die Person fühlen, die ihre Missachtung der Show und ihrer Regeln offenherzig zur Schau stellt. Der wüste Sprung ins Wasser war aufschlussreich unter Gesichtspunkten der Schwerkraft interessant, mit aller vorgeschobenen Sportlichkeit aber hatte es nicht einmal entfernt zu tun. Dennoch wurde der Wagemut mit der Höchstnote bedacht. Als Trainer der Prominenten dürften sich manche fragen, wofür sie überhaupt Zeit investieren, wenn es letztlich nicht auf die sportliche Leistung ankommt.

Die Show spult einen zotigen Individualismus ab, der nicht die Geschichten von Ehrgeiz, Überwindung und Leidenschaft erzählt, die Let’s Dance so besonders machen. Einspieler zu den Prominenten bemühen sich darum, jede Kontur vermissen zu lassen. Bei dem Moderatorenpaar ist es ähnlich. Sie buhlen um die Aufmerksamkeit für ihre billigen Kalauer, die sie monoton auswendig wiedergeben. Ansonsten grinsen sie lediglich den Tätigkeitsnachweis ihrer Dentisten in die Kamera, wenn sie die Prominenten aus dem Becken gezogen haben, um sie mit Lob zu überschütten.

RTL ist es mit beneidenswerter Konsequenz gelungen, die eigene Verachtung für das Fernsehen und die Menschheit an sich in eine Unterhaltungssendung zu transferieren, die auf einem Niveau stattfindet, dessen eskapistischer Wert ungefähr eine ebenso gute Laune hinterlässt wie die thematisch entfernt verwandten Sondersendungen zum mitteleuropäischen Hochwasser. Ohne allerdings durch einen Nachrichtengehalt gerechtfertigt zu sein. Stattdessen vermittelt der Sender mal wieder das Gefühl, die Fluten gleich selbst auslösen zu wollen, wenn er denn dürfte, weil das Desaster so besser zwischen Werbeblöcke geschoben werden kann. So zynisch muss man auch erst einmal werden.