Linkgebliebenes 19

Fangen wir mit einem lange Zeit unbemerkt gebliebenen Zivilisationsfortschritt an. Sich auf Stühle zu setzen wird nie mehr sein, was es mal war.

Manchmal dringt die Spielewelt in die Realität ein. Wenn eine linux-gesteuerte Waffe auf den Markt kommt, die das Zielen (teil-)automatisiert, kriege ich ein wenig Angst. Die Verzahnung von Waffenindustrie und Videospielen geht auch andersherum, wenn beispielsweise Spielerinnen und Spieler über Linzenzgebühren für In-Game-Waffen die Rüstungsindustrie bezahlen können.

Journalismus wird nach Schnittmustern erzählt. Gegen den Formatjournalismus wäre prinzipiell nichts zu sage, wäre er nicht gewillt, die Wirklichkeit der Form unterzuordnen. Meist ist es verhängnisvoll, andere Male nur lächerlich. So in diesem Fall.

Ich mag ADN, aber längst nicht alles ist rosig, ich wünschte mir beispielsweise auch eine etwas offenere API.

Ja, die benevolente Diktatur ist als postdemokratisches Modell en vogue, auch bei Menschen, denen etwas mehr zugetraut werden könnte, als krypto-totalitäres Gewäsch.

Für manche ist es vielleicht etwas zu technisch, hier wird aber eine perfide Methode geschildert, Nutzervertrauen zu torpedieren. Findige Webentwickler, nennen wir sie Arschlöcher, haben keine Bedenken die Historie eines Tabs im Browser zu manipulieren, um beim Klicken auf den "Zurück"-Button auf Werbung umzuleiten.

Was ist schon ein Allheilmittel? Selfpublishing auf keinen Fall.

Wie sieht er eigentlich aus, der Sexismus in der Spieleszene? Dreißig Tage in Summe schon reichlich hässlich.

Lernplattformen sprießen in Hülle und Fülle, die meisten Angebote kommen mir didaktisch noch nicht sehr ausgereift daher. Aber auch gesellschaftlich befeuern sie, so die Kritik eine zentrifugale Kraft in der Bildungslandschaft. Homogenisierte Milch ist nützlich, homogenisierte Bildung eher nicht.

Der Datenschutz bestimmt weite Teile der hiesigen Auseinandersetzung um Googles neues Gadget für überwiegend weiße Männer. Die Benutzerfreundlichkeit fand wenig Beachtung, aber auch da gibt es wohl noch große Baustellen.

Ich habe ein gespaltenes Verhält is zu Kickstarter, aber auch Crowdfunding allgemein. Der eigentliche Zweck alternativer Finanzierung für unabhängige Kreative geht verloren, wenn sie von der Industrie als günstige Produktionshilfe kooptiert werden, sodass sie auch noch alle Gewinne einstecken können. Aber es gibt sie halt auch, diese Projekte, die wohl kaum genug Geld hätten sammeln können. Wie etwa eine Dokumentation über Frauen in der Spielebranche.

Einige Beispiele dafür, wie sich Sexismus strukturell gerade auch über die alltäglichen Ausgrenzungen fortsetzt, gerade weil diese Sexismen auf den ersten Blick zu klein und nichtig wirken.

Linkgebliebenes 7

So, Hausputz in der Leseliste, wo sich noch immer viele Reste aus der kalendarisch begründeten Ruhephase finden.

Macht sich The Big Bang Theory über die Nerdkultur lustig? Ich teile diese Position nicht, da ich nicht davon ausgehe, dass Penny der eigentliche erzählerische Fokus der Serie ist. Zumal sie auch gerade in der ersten Staffel als vollkommenes Dummchen verkauft wird. Aber eventuell ist es ein Hinweis darauf, dass der Humor von TBBT an vielen Stellen doch zu sehr mit dem Holzhammer ist.

Wie war das noch gleich mit der Nerdkultur? Alles gut hier, oder? Ich wollte mir die Verweise auf das Hacker Jeopardy auf dem 29c3 und die derben Zoten der Moderatoren – und natürlich diese Karten – sparen. Das Thema fühlt sich schon so alt an, auch wenn es wichtig war.

Aber das hier ist der Ausputz, also: Ganz allgemein, anekdotaler Gegenentwurf, noch mehr Eindrücke, dann ein Blick eines Schwulen auf Feminismus, die Replik, dann braucht es eine inklusivere Netzkultur, hier kann man in den Kommentaren gleich die Hoffnung verlieren. Deshalb sind die schlechten Witze keine Hilfe, denn die Wirklichkeit sieht anders aus. Und genau aus diesem und anderen Gründen gab es diese Karten. Nuff said?

Und weiter geht die Ismen-Tombola. Ich würde es mir ja auch gerne sparen, aber es geht nicht ohne. Rassismus und Kunst. Noch so eine Sache, die die Leute auf die Palme bringt. Bei einigen ist es Heldenmut, bei anderen rigide Zensur. Was war noch mal das Problem mit dem Entfernen von Rassismen aus der (Kinder-)Literatur? Hier, hier. Gehen wir doch ins Kino und schauen uns, Tarantinos akkurate Darstellung des Rassismus und der Sklaverei an. Nicht?

Hui, ich hab da noch mehr zum Sexismus, fällt mir gerade ein. In Computerspielen. Schon wieder? Nein, immer noch.

Oder sind einfach nur zu viele rechte Biobauern im Netz unterwegs? Vielleicht sind diese Probleme ja auch Gründe dafür, dass die Teilnahme an und Beiträge zur Wikipedia nachlassen? Immerhin habe ich die Gewissheit, mir die Errungenschaften der Gadgetkultur noch zu erhalten, selbst wenn ich dann eben auf einer Toilette sitze, die kein fließend Wasser hat.

Hust. Das hat schon ein wenig Staub aufgewirbelt. Aber jetzt ist wieder Ordnung in der Leseliste.

The Wiki Game

20120827-141841.jpgHinter dem, nennen wir es, Puzzler The Wiki Game steckt eine clevere Idee, aus dem, was millionenfach im Netz täglich gemacht wird, ein Spiel zu entwerfen. Von einem vorgegebenen Startartikel der englischen Wikipedia gilt es, einen Zielartikel zu erreichen. Mit den Links in den Artikeln.

The Wiki Game reproduziert nur die entsprechenden Artikel, spart ein wenig Navigation der ursprünglichen Artikel aus, da es sonst zu einfach würde, und die Schnitzeljagd kann losgehen. In fünf Kategorien werden Punkte vergeben. Die einfachste Variante gibt nur vor, in so wenig Klicks wie möglich am Ziel anzukommen. Andere verlangen etwas mehr. So muss das Ziel auch in exakt sechs Klicks, innerhalb eines Zeitfensters oder ohne den Zwischenweg über den Artikel der USA erreicht werden.

Erstaunlich oft, fordert das Spiel ein enormes Maß an Planung. Dabei hilft eine umfassende Allgemeinbildung, um sich durch das Labyrinth der Artikel zu graben, dabei aber nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren. In diesen Momenten, wenn ein Plan nach reiflicher Überlegung aufgeht, ist ungemein befriedigend.

Dennoch hängt der Spaß, gerade bei einer offenen Spielweise, stark von den Rahmenbedingungen ab. An mancher Stelle ist dabei weniger Gehirnschmalz vonnöten, als der Autor des Spiels dachte. Dadurch wird zumindest einer der Spielmodi unbrauchbar, weil er deutlich mit demselben Lösungsweg binnen weniger Klicks zu erledigen ist. Fünf Klicks bis zu Jesus sind gefragt, genau fünf, um die volle Punktzahl zu erlangen. Das ist leichter als es scheinen mag. Jeder Startartikel hat in der Regel eine Nation, auf die er verweist. Dort kann unter demographischen Daten die Religionszugehörigkeit ausgewählt werden, unter denen aufgrund der Verbreitung der christlichen Weltreligion schnell der Jesus-Link zu finden ist. Im Zweifel bedarf es noch einer Zwischenrunde, um dann mit dem fünften Artikel die geforderte Punktlandung hinzulegen.

Ebenfalls abschreckend dürfte es für manche sein, dass lediglich die englischsprachige Wikipedia als Quelle dient. Der Schwierigkeitsgrad hängt damit also auch von den sprachlichen Fähigkeiten ab. Dennoch ist es eine feine Idee, die für Knobelei sorgt. Zur Not einfach mal die kostenlose Webappausprobieren.

Titel: The Wiki Game
Hersteller: Alex Clemesha
Jahr: 2011
Genre: Puzzle
Plattform: iOS (0,79€), Web
Version: 1.0

Deutsche Serien im Filmjahr 2011

Was soll denn das? Die englische Wikipedia ist so auf Listen fixiert, dass es einem fast zum Hals raushängt und bei der deutschen ist die Übersichtlichkeit kein Wert an sich. Wieso sollte man auch wissen wollen, welche Serien in Deutschland produziert wurden und an den Start gingen?

Auf jeden Fall habe ich nach langer Suche keine solche Liste gefunden. Egal, machste selber, dachte ich mir. Schnell mal ein Skript schreiben, die Übersichtsseite zu deutschproduzierten Serien crawlen und fertig ist die Liste. Das ist dann aber doch nicht so einfach, weil man keine einheitlice Formatierung der Serienseiten hat. Auch das haben die englischsprachigen Wikipedianer wesentlich besser drauf als das spießbürgerliche Kraut-und-Rüben-Torwächter-Volk, das die deutsche Wikipedia-Seite in den intellektuellen Ruin treibt. Weiterlesen