Spellwood: Hogwords oder so was

Ich lobe mir ein kleines Spiel mit Wörtern, also nicht nur Wortspiele, sondern auch Spiele mit und um Wörter. Aber ich teile die Welt in eine vor und eine nach Letterpress, das für mich noch immer die absolute Referenz ist.

Spellwood würde aber auch in einer Welt, bevor es Letterpress gab, nicht wirklich überzeugen. Es ist ein fader Abklatsch von Scrabble, dessen biederer Charme zwar ab und zu mal zu erkennen ist. Zum Zeitvertreib taugt Spellwood für mich aber nicht, dazu ist die etwas aufgebohrte Variante des Klassikers nicht innovativ genug. Eine fade Hintergrundgeschichte um Worte als Zauber taugt nicht zu einem ordentlichen Spiel, schon gar nicht als Rechtfertigung für belangloses Gameplay. Da klicke ich mir ein bestenfalls zweisilbiges Wort zusammen, wie aufregend. Zauberspruchrollen, mit denen Wort- oder Buchstabenwerte vervielfacht werden sind nicht gerade aufregend.

Dabei steckt doch eigentlich unter all der Eintönigkeit eine gute Idee, Gegner mit Wortwerten in die Knie zu zwingen. So richtig Fahrt nimmt aber kein "Kampf" auf. Da eiern dann zwei Spielerinnen oder Spieler durch einfache Wortwechsel, bis einer mal einen vorteilhaften Buchstaben zog. Gerade gegen die erstaunlich nachdenklichen, also langsamen Computergegner kommen in mir reizvollere Gedanken auf. Ich könnte statt Spellwood zu spielen auch Geschirr spülen. Oder sonst etwas Sinnvolleres mit meinem Leben anfangen. Aber das so mit ihnen umgegangen wird wie in Spellwood, das haben Wörter nicht verdient.

Bookworm: Ausgedienter Bücherwurm

Wortpuzzles haben es mir in letzter Zeit deutlich angetan, wofür besonders Letterpress verantwortlich ist. Kein Wunder, dass ich auch noch nach anderen Spielen suche, um Wörter bilden zu können. Bookworm landete eben auch noch bei mir.

Quasi seit der Frühphase des App Stores ist Bookworm dabei. Gutes Marketing würde da von einem Klassiker sprechen, es ist doch wohl eher ein nicht ganz in Würde gealtertes Spiel. An jeder Ecke fällt das Alter auf: Allein die Optik ist altbacken, es sollte ja auch auf Geräten mit deutlich geringerer Leistung noch laufen. Es spielt sich aber auch nicht wirklich rund, wenn ich es mit moderneren Puzzlern mit Worten und Buchstaben vergleiche. Es ist ein reines Solospiel, nichts ist es mit menschlichen Gegnern. Wir dürfen bloß den klassischen Modus, in dem es um möglichst lange Buchstabenketten geht, oder gegen die Zeit antreten. Mühselig klauben wir so Buchstaben zusammen, in der Hoffnung, auch einmal ein längeres Wort bilden zu können. In den meisten Fällen sind aber nur recht kurze Wörter machbar. So verliert sich die Geduld dann schnell, das Spiel hat kein Tempo und gibt selten das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Es ist halt ein langsam kriechender Wurm, der sich da durch die Buchstaben quält.

Mir reicht das nicht, was Bookworm anbietet. Als das Spiel an den Start ging dürfte es für die Zielgruppe ein Ereignis gewesen sein, im heutigen Umfeld wurde Bookworm von der modernen Konkurrenz spürbar überholt.

Writer Rumble: Feuerwerk der Einsilbigkeit

In Writer Rumble werfen Schriftstellerinnen und Schriftsteller sich Worte an den Kopf, im wahrsten Sinne geht es um Wortgefechte. Edgar, Jane oder Agatha, sie alle sind umverhohlene Anspielungen auf Menschen, die im wahren Leben dafür bekannt waren, die Federn geschwungen zu haben, aber nicht Berühmtheit erlangten, weil sie mit Worten körperliche Wunden rissen. Das Spiel stellt das ganze auf den Kopf, denn es macht die Literaten zu Kriegern in einem Echtzeit-Wortkampfspiel — allerdings nur auf Englisch.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass unter den mobilen Spielen Letterpress für mich zum Besten in diesem Jahr gehört. Writer Rumble muss sich daran in Sachen Spielspaß messen lassen, der Vergleich ist aber doch etwas unangemessen, denn beide Spiele sind zwar Wortpuzzles mit einer Matrix von 5×5 Buchstaben, ansonsten sind sie aber grundverschieden. Dem überlegten Taktieren von Letterpress steht der buchstäbliche Sturm – was soll ich denn sonst schreiben? – gegenüber.

Im Grunde sind die Spiele sogar Extrempole des Genres, der wesentliche Unterschied besteht in der Echtzeitkampfsituation von Writer Rumble. Simpel ausgedrückt, es stehen sich im Online-Modus, der Kern des Spiels ist, Konkurrenten gegenüber, die aus der Wortmatrix Wörter bilden müssen, wobei nur benachnarte Buchstaben verkettet werden dürfen. Ist ein korrektes Wort geschrieben, fliegen die Buchstaben dem Gegner-Avatar entgegen, bei dem sie je nach Schwierigkeit des Buchstabens, man denke da etwa an den Buchstabenwert beim Scrabble, kleineren bis zu enormem Schaden anrichten. Wem zuerst die Luft ausgeht, hat die Runde verloren; wer zwei Runden für sich entschieden hat, trägt den Sieg davon.

Mit seiner unbändigen Hektik ist Writer Rumble eine gänzlich andere Herausforderung, gilt es doch, nach Möglichkeit in kürzester Zeit massenweise Wörter abzufeuern, was zur Folge hat, dass meist einsilbige Wörter gebildet werden. Es fordert eine inflationäre Herangehensweise an den eigenen Wortschatz, die für den Sieg geplündert werden muss. Gewisse taktische Elemente kommen zwar hinzu, weil jeder der sechs Literaten über eigene Spezialfähigkeiten verfügt. Diese Modifikationen wirken sich entweder auf den Wortwert, also direkt auf den Schaden, oder auf die Buchstabenmatrix aus: In absoluter Hektik Buchstaben aneinanderreihen zu müssen ist die eine Sache, wird aber Spielfeld auf den Kopf gestellt, müssen die Wörter rückwärts eingegeben werden oder fehlen urplötzlich Buchstaben, wird bricht vollkommene Panik aus.

Jede Runde entsteht enormer Zeitdruck, diesem Buchstabengewitter standzuhalten ist anfangs außerordentlich schwierig, vor allem, wenn in einem schnellen Spiel ein Gegner mit unfassbarer Geschwindigkeit starke Wörter abschießt. Die Wörter mit wertvollen Buchstaben selbst haben zwar große Kraft, im Zweifel zählt dann eben doch die reine Masse. Einsilbige Wörter sind klar im Vorteil, je abstruser desto besser. Mit einiger Sicherheit werden die meisten Muttersprachler da auch nicht wissen, was die Drei-Buchstaben-Kombinationen bedeuten, die da durch die Luft schwirren.

Glücklicherweise bringt das Spiel einen Einzelspielermodus mit, wo es zu Beginn deutlich gemächlicher zugeht. Hier lassen sich einige Kombinationen ausprobieren, die im direkten Duell hilfreich sein können. Um die Duelle geht es aber eigentlich, Writer Rumble bietet verschiedene Möglichkeiten, sich mit anderen Spielerinnen und Spielern zu messen, etwa im Online-Matchmaking, gegen Freunde aus dem Game Center oder auch nur lokal per Bluetooth, sofern beide das Spiel auf ihren Geräten haben.

Ohne einige störende technische Schwierigkeiten kommt Writer Rumble derzeit leider nicht aus. Der Verbindungsaufbau über die Server ist unzuverlässiger, als es wünschenswert ist, Spielverbindungen brauchen mitunter ordentlich Zeit, manchmal länger als eine oder zwei Runden. Das allein schon im WLAN, in mobilen Netzen war kaum noch an Spielen teilzunehmen. Größter Störfaktor sind allerdings gelegentliche Rechenaussetzer während eines Kampfes, dadurch gerät man aus dem Tritt, was in den blitzartigen Runden auch schon einmal das Aus bedeutet. Das sind durchaus irritierende Mängel, die den Spielspaß erheblich beeinflussen. Jede gelungene Runde, ohne jede Störung ist aber ein Wortrausch.

Das kampforientierte Spielprinzip ist trotz der technischen Mängel überzeugend. Nicht nur in der stilsicheren Präsentation lehnt sich Writer Rumble bei Beat ‚em ups an, wenn sich die Gegner in Kampfposition nervös wippend gegenüberstehen, über ihnen die Lebensbalken und die Uhr mit der Rundenzeit. Auch spielerisch ist der Unterschied gar nicht so groß, beim Beat ‚em up werden Knöpfe in Windeseile gedrückt, in Writer Rumble über den Schirm gewischt als gäbe es kein Morgen. Nur in puncto Balance zwischen den Wort-Gladiatoren wird die Zeit hoffentlich mit Updates noch den nötigen Feinschliff bringen. Agatha ist mit ihren heftigen Eingriffen in die Spielweise des Gegners lästig, ich breche derzeit jede Partie gegen sie ab. Dem Spiel wird das nicht helfen, solange derzeit ohnehin erst wenige Spieler anzutreffen sind und die Sprachbarriere dazu führt, dass die europäischen Zeitzonen den vorhandenen Englischsprachigen kaum zuzusagen scheinen, wodurch die potenzielle Gegnerschaft zusätzlich eingeschränkt wird.

Dieser Wort-Echtzeit-Klopper ist ein lupenreines ‚Word ‚em up‘ mit hohem Unterhaltungswert, der allerdings derzeit noch unter einigen technischen Mängeln leidet und für zurückgelehntere Spielernaturen grausam frustrierend sein kann. Wenn ich aber darüber nachdenke, ist Writer Rumble wegen seiner kurzen Spieldauer ein idealer Zeitvertreib in Wartepausen bei Letterpress. Eat my words.

Titel: Writer Rumble
Von: GameFly Games
Jahr: 2012
Genre: wortpuzzle, denkspiel, echtzeitkampf
Plattform: iOS
Version: 1.0

Letterpress

Letterpress ist ein kompetitives Wortpuzzle. Davon gibt es im App Store reichlich, die Übersicht habe ich schon lange verloren. Eigentlich auch die Lust darauf. Und trotzdem habe ich es ausprobiert, wahrscheinlich weil mir die auf’s Nötigste reduzierte Optik gefiel. Den Köder der schlichten Ästhetik schluckte ich sofort. Wenige Sekunden nach der Installation schlug ich mich via Game Center mit anderen um die Buchstaben.

Die Regeln bohren sich sofort ins Hirn. Es gibt eine 5×5-Matrix von Buchstaben. Der Reihe nach bilden die Spieler daraus Wörter, die verwendeten Buchstaben werden dem Spieler zugeschlagen, der sie zuletzt verwendet hat. Hat ein Spieler sogar Felder komplett mit eigenen Buchstabenflächen umringt, kann der Gegner dieses Feld nicht mehr so leicht übernehmen. Damit kommt eine ordentliche Portion Taktik ins Spiel. Nicht nur die Wörter selbst zählen, auch wie und wann mit ihnen dem Gegner Felder abgeluchst werden. Gewonnen hat, wer am Ende mehr Flächen und damit Punkte hat.

Letterpress nutzt die Möglichkeiten des Game Centers zum asynchronen Onlinespiel. Das Risiko ist damit da, auf Spielzüge der Gegner warten zu müssen, doch bislang ist das kein Problem. Meist ist ein Spiel nach einer Viertelstunde beendet. Einschränkend dürfte es für einige dennoch sein, dass Letterpress lediglich auf ein englisches Vokabular zurückgreift. Einen grundlegenden Wortschatz des Englischen setzt es also voraus. Mehr aber auch nicht, denn es kommt nicht auf die Komplexität oder Besonderheit der Wörter an. Auch mit simplen Wörtern, die taktisch eingesetzt werden, lässt sich ein Gegner bezwingen.

Grundsätzlich ist das Spiel kostenlos. Allerdings können ohne das fair gepreiste Upgrade nur maximal zwei Partien parallel stattfinden. Für Gelegenheitspieler dürfte das schon ausreichen. Ansonsten spricht nichts gegen den Kauf des Upgrades für ein solides und kurzweiliges Rätseln gegen Online-Gegner.

Titel: Letterpress
Hersteller: atebits
Jahr: 2012
Genre: Wortpuzzle, Rätsel
Plattform: iOS
Version: 1.0